Aachen: Amokfahrt in der Pontstraße wird vor Gericht verhandelt

Aus Wut das Auto als Waffe benutzt : Amokfahrt in der Pontstraße wird vor Gericht verhandelt

Eine mutmaßliche Amokfahrt eines Autofahrers spät nachts in der Pontstraße wird seit Mittwochmittag vor dem Aachener Schöffengericht verhandelt.

Am 30. Dezember 2017 soll der 35-jährige Marjan P. gegen 3 Uhr in der Nacht mit seinem in der oberen Pontstraße auf Höhe des Eingangs zur Milchstraße geparkten Mini aus Wut über eine vorherige Auseinandersetzung in sein Fahrzeug gestiegen sein und es quasi als Waffe gegen seinen Kontrahenten genutzt haben. Der Angeklagte habe vorsätzlich Leib und Leben von Passanten, die dort standen und nichts mit dem Vorfall zu tun hatten, gefährdet, hieß es in der Anklageschrift, er habe mit dem Wagen einen Unglücksfall herbeiführen wollen.

Grund dazu sei eine Auseinandersetzung vor einem Café gewesen. Dort habe der Angeklagte von einem anderen Nachtschwärmer – er ist in dieser Sache bereits verurteilt – einen Schlag mit einer Glasflasche auf den Kopf bekommen, hieß es vor der Kammer mit der Vorsitzenden Richterin Marie Sippach. Danach sei dieser zu seinem Mini gegangen, habe den Wagen gegen die Fahrtrichtung zur Einfahrt Milchstraße bewegt und hab dort seinen Angereifer gezielt anfahren wollen. Dabei verletzt er jedoch Unbeteiligte, ein Vorgang, der später zu dramatischen Ausschreitungen vor dem näher am Ponttor gelegenen libanesischen Restaurant führen sollte.

Denn dorthin zur Ecke Friesenstraße hatte sich der Flaschenschläger geflüchtet und stand neben anderen Nachtschwärmern. Was dem rasenden Autofahrer anscheinend völlig gleichgültig war, er zielte erneut auf seinen „Feind“. Der konnte sich mit einem Sprung zur Seite rettete. Der Mini knallte gegen die Eckfront des Restaurants und blieb stehen.

Opfer gehen auf Angreifer los

Laut Anklage waren die Umstehenden so erbost, dass sie den angetrunkenen Fahrer durch eine zerborstene Scheibe aus dem Wagen zerrten und mit Schlägen traktierten. Darunter waren auch angefahrene und leicht verletzte Opfer aus der Minuten zuvor stattgefundenen Attacke im Bereich zwischen Club Apollo und Café Madrid.

Der Verteidiger des wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und gefährlicher Köperverletzung angeklagten Marjan P., Anwalt Fritz Kampmann, verlas eine Stellungnahme zu den Vorwürfen. Danach gibt P. die Fahrt zu, habe jedoch wegen seines hohen Alkoholkonsums, es steht ein Wert von rund zwei Promille im Raum, sowie der Einnahme von Kokain kaum noch Erinnerungen an einzelne Tatabschnitte.

Die Vorsitzende Richterin hatte darauf verzichtet, Zeugen zu laden. Angesichts der Einlassung des Angeklagten muss nun eine umfangreiche Beweisaufnahme stattfinden, aus diesem Grund steht ein weiterer Verhandlungstermin noch nicht fest.

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