Aachen: Am Centre Charlemagne fehlen Jahre später noch riesige Teile

Centre Charlemagne : Die Fassade bröckelt schon

Fünf Jahre nach der Eröffnung des Centre Charlemagne am Aachener Katschhof fehlen noch Bauteile, die größer als eine Kinoleinwand sind. Die provisorische Fassade bröckelt. Der Rechtsstreit geht weiter.

Alles (nur) Fassade! Was seit fünf Jahren zwischen Klosterplatz und Katschhof als Centre Charlemagne wie ein vollendetes neues Aachener Stadtmuseum aussieht, ist längst nicht fertig. An der Außenhülle des Baukörpers fehlen seit 2014 Fassadenflächen, teils größer als eine Kinoleinwand. Aufgefallen ist dies jetzt, weil sich die riesige Werbeplakatwand an der Ritter-Chorus-Straße neben dem Eingang zum Bürgerservice gerade in ihre Bestandteile auflöst. Neben dem Antlitz Kaiser Karls platzt die Folie ab, prangen Löcher – dahinter bröckelt die Holzbeplankung. „Aachen lebt Geschichte“ steht da in großen Buchstaben. Das Provisorium zerbricht. Denn seit Jahren tritt hier ein Rechtsstreit auf der Stelle.

Bauausführenden Firmen werden Fehler vorgeworfen, weswegen auch die Seitenteile des kastenförmig vorgeschobenen neuen Haupteingangs zum Centre Charlemagne lediglich mit Werbefolien bespannt sind. Die ursprünglichen Baupläne sehen etwas ganz anderes vor. Die Aachener hks-Architekten Jochen König und Thomas Croon hatten Flächen vorgesehen, die mit gestrahlten Edelstahlplatten und Betonfasern im Fassadendesign Akzente setzen sollten. Zudem sollte an der Ecke zur Ritter-Chorus-Straße ein Streifen freigehalten werden, um dort wechselnde Werbebanner, etwa für Sonderausstellungen, zu platzieren.

Ursache des unfertigen Zustands sei jedenfalls nicht, dass der Stadt nach der Investition von rund 18 Millionen Euro Baukosten das Geld ausgegangen sei, wie das städtische Presseamt auf Anfrage unserer Zeitung betont. Sprecher Björn Gürtler bestätigt gleichwohl: „Tatsächlich ist das, was man derzeit sieht, ein Provisorium. Wir sind derzeit im Rechtsstreit wegen der Fassade – Ausführung und zukünftige, endgültige Gestaltung. Da es ein laufendes Verfahren ist, können wir zu den Details nichts sagen.“

Aufgeplatz: Die provisorische Fassade des Centre Charlemagne an der Ecke zur Ritter-Chorus-Straße löst sich teilweise auf. Foto: Robert Esser

Nur so viel ist klar: „Das Provisorium, das wir schon einmal erneuert haben, soll noch einmal erneuert werden. Da wir aber nicht wissen, wie lange der Rechtsstreit und die endgültige Umsetzung sich noch hinziehen, soll das Provisorium dieses Mal deutlich haltbarer ausfallen und auch über einige Jahre halten, wenn nötig“, erläutert Gürtler.

An dem laufenden Verfahren sind reihenweise Experten beteiligt: Gebäudemanagement, Denkmalschutz, Kulturbetrieb und Marketing sitzen bei den Abstimmungsgesprächen und Planungen am Tisch. Einen präzisen Zeitplan gibt es noch nicht. Ob es noch zu den Beton- oder Edelstahlverblendungen kommt, ist deshalb offen. Unklar ist auch, wer für die zusätzlichen Kosten, deren Höhe noch gar nicht feststeht, aufkommen muss.

Schon beim komplexen Umbau des alten Gebäudes zum schmucken Centre Charlemagne beziehungsweise modernen Bürgerservice- und Verwaltungskomplex war es immer wieder zu Verzögerungen gekommen. Die Baukosten hatten sich damals von zehn Millionen auf gut 18 Millionen Euro fast verdoppelt. Bereits damals gab es wechselseitig Schuldzuweisungen zwischen Planern, Handwerkern und städtischer Bauaufsicht. Aachens Geschichte ist an dieser Stelle jedenfalls schon mehr als reine Fassade. So oder so.