Aachen: Aachen als Kulturhauptstadt Europas: „Schon eine Bewerbung wäre ein Sieg“

Aachen: Aachen als Kulturhauptstadt Europas: „Schon eine Bewerbung wäre ein Sieg“

Vor wenigen Wochen „tingelte“ Ina-Marie Orawiec mit einer Vision durch die Ratsfraktionen: Aachen soll Europas Kulturhauptstadt 2025 werden. Sie hinterließ manch skeptische Miene in den politischen Reihen. Und auch OB Marcel Philipp hatte sich kurz danach ablehnend dazu geäußert. Doch das hält die Architektin und ihre Mitstreiter keineswegs davon ab, die Vision weiter zu forcieren. Im Gegenteil.

Denn nachdem die Idee auch über die Medien erstmals öffentlich wurde, habe es einen riesigen Zuspruch aus weiten Bereichen der Gesellschaft gegeben, sagt Orawiec. Mittlerweile gibt es für die Bürgerinitiative auch einen Namen: „Wir für hier 2025“. Vom Karnevalsprinzen bis zu den Ladies in Black, von Unternehmen wie Junghans bis zum Bistum, von Studierenden bis zu Hochschullehrern, von der Initiative Aachen bis zum Verein „Aachen-Fenster — Raum für Bauen und Kultur“ — es hätten sich mittlerweile „ganz viele Menschen unterschiedlichster Milieus“ für eine Bewerbung Aachens ausgesprochen. Hunderte seien es bereits, so Orawiec.

Zu ihnen gehört auch Rudolf Juchelka. Der Aachener Wissenschaftler ist nicht nur Professor für Wirtschaftsgeografie an der Uni Duisburg/Essen, er war auch deren Beauftragter, als Essen 2010 die bislang letzte deutsche Kulturhauptstadt war. Er erinnert sich noch bestens an den „Ruck, der damals durch die ganze Stadt ging“ und den „unglaublichen Schub, den Essen dadurch bekommen hat“. Juchelka sieht indes einen großen Unterschied zwischen Aachen und den vielen anderen Städten, die sich für 2025 bewerben: „Die Initiative kommt hier nicht von oben, sondern aus der Gesellschaft heraus. Es ist eine echte Graswurzelbewegung.“

„Kultur des Fortschritts“

Für Professor Thomas Ritz ist Aachen geradezu prädestiniert für eine Bewerbung. Und zwar längst nicht nur wegen der gemeinhin als „üblich“ angesehenen kulturellen Highlights — etwa dem Weltkulturerbe Dom. In Aachen sei vielmehr die „Kultur des Fortschritts“ zu Hause, sagt der Dekan des Fachbereichs Elektro- und Informationstechnik an der FH Aachen. Das spiegele sich in der Wissenschaft wie in der Wirtschaft mit Hochschulen und Unternehmen, die wie kaum irgendwo die Zukunft gestalteten. Mit solchen Pfunden könne man wuchern, dürfe sich „nicht im Kleinklein verlieren“, sondern müsse „den großen Aufschlag machen“.

Hans-Dieter Collinet war zu Zeiten der Bewerbung Essens Ministerialdirigent im NRW-Ministerium für Stadtentwicklung. Er habe damals erlebt, wie der Titel Kulturhauptstadt in Essen die „Wende im Tranformationsprozess der Stadt“ bewirkt habe. Im vergangenen Jahr durfte Essen dann auch noch den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“ tragen. Solche Dinge seien auch immens wichtig für die Stadtentwicklung, sagt Collinet, Vorsitzender des Vereins „Aachen-Fenster“. Und für den Tourismusbereich, der „weit über Dom und CHIO“ hinausgehe. Er habe die Bürgermeister in der Städteregion und den Städteregionsrat angesprochen und dort viel Zuspruch für eine Bewerbung Aachens und der Region erhalten.

Nur Qualität der Bewerbung zählt

Thomas Ritz, auch Mitglied im Vorstand der Initiative Aachen, mutmaßt, dass die aus Politik und Verwaltung geäußerte Skepsis in der „Angst, nicht zu gewinnen“ begründet sei. Dabei wäre schon die Vorbereitungsphase „ein riesiger Fortschritt“. Schon eine Bewerbung und der damit verbundene kreative Entwicklungsprozess werde für die Stadt einen Sieg darstellen, auch wenn der Titel am Ende an eine andere Stadt ginge. Simone Pfeiffer-Bohnenkamp, stellvertretende Vorsitzende der Initiative Aachen, appelliert an Politik und Verwaltungsspitze: „Mut ist gefragt und nicht ein Agieren nach dem Motto ‚Wer zuerst zuckt, hat verloren‘.“

Die Protagonisten betonen zudem, dass die Stadt, die die Bewerbung einreichen müsste, keineswegs den Aufwand — es fallen Kosten bis in den Millionenbereich und ein hoher Personaleinsatz an — zu stemmen habe. Unter anderem mit reichlich Experten-Know-how werde es kräftig Unterstützung geben. Rudolf Juchelka betont zudem, dass Aachens Chancen nicht geringer seien, nur weil mit Essen zuletzt auch eine NRW-Stadt zum Zuge kam. Es gebe bei der Entscheidung keinen Proporz mit anderen Bundesländern: „Die EU entscheidet einzig und allein nach der Qualität der Bewerbung.“ Und die werde in Aachen garantiert großartig sein.

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