Aachen: Aktuelle Analyse zur Attraktivität der Innenstädte vorgestellt

Handel, Gastronomie und Freizeitangebot : Aachen aus Kundensicht „gut aufgestellt“

Das Kölner Institut für Handelsforschung hat 60.000 Passanten in 116 deutschen Städten nach ihrer Zufriedenheit mit den Innenstädten befragt. Aachen liegt dabei im Mittelfeld, muss aber in Sachen Einzelhandel deutlich zulegen.

Die Diskussion um den Stillstand am Büchel ist aktueller denn je. Auch die Situation zum Beispiel in der unteren Adalbertstraße und in der Großkölnstraße wirft kein gutes Bild auf den Aachener Einzelhandel. Das ist die eine Sicht.

Die andere: Besucher der Aachener Innenstadt verteilen relativ gute Noten, wenn sie die Qualität des Angebots beurteilen sollen. Das ist das Ergebnis einer neuen Auflage der Untersuchung Vitale Innenstädte des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH). Aachen ist nach 2016 zum zweiten Mal bei der Passantenbefragung dabei. Insgesamt kamen im vergangenen Jahr Kunden in 116 Städten aller Größenordnungen zu Wort. Lokaler Partner des IFH war dabei der Märkte und Aktionskreis City (MAC).

 Die tatsächlichen Besucher

 Aachen ist aus Kundensicht „ganz gut aufgestellt“, zieht Nicolaus Sondermann, Senior-Projektmanager des IFH, ein Fazit. Aber: Die Studie spiegelt natürlich nur die Aussage der tatsächlichen Besucher wider. Das große Problem aber sind diejenigen, die in zunehmendem Maße auf eine Shoppingtour in der City verzichten, weiß Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbandes Aachen-Düren-Köln. Man müsse versuchen, „an diese Menschen heranzukommen“, um auch auf diese Personengruppe bezogen „verlässliche Daten zu bekommen“.

Dennoch: Die Befragten der aktuellen Studie haben der Stadt Aachen in Sachen Attraktivität die Schulnote 2,2 gegeben. Immerhin eine ganz dezente Steigerung im Vergleich zu 2016 (Note 2,4). Laut Nicolaus Sondermann liegt Aachen dabei im Vergleich zu Städten gleicher Größe im guten Mittelfeld. Übrigens: Der Anteil von City-Besuchern, die nicht in Aachen wohnen, hat sich laut Studie gegenüber 2016 um knapp zehn Prozentpunkte erhöht. Ein Großteil der auswärtigen Besucher wohnt in der Städteregion Aachen, der Rest verteilt sich zu fast gleichen Teilen auf die Kreise Düren und Heinsberg sowie auf die Eifel. 58,2 Prozent der Besucher sind weiblich, gegenüber 2016 eine Steigerung um rund acht Prozentpunkte. Das Durchschnittsalter liegt bei 40 Jahren (36 Jahre im Jahr 2016).

Foto: ZVA/Grafik

Die Frage der Erreichbarkeit der Innenstadt ist generell von entscheidender Bedeutung. Vor allem auch vor dem Hintergrund drohender Fahrverbote und des weithin geforderten Umbaus der Infrastruktur hin zu umweltfreundlichen Mobilitätskonzepten. Signifikant zurückgegangen ist der Anteil der City-Besucher, die öffentliche Verkehrsmittel benutzen – 28,6 Prozent gegenüber 43 Prozent im Jahr 2016. Dennoch erhält die Erreichbarkeit der City mit dem ÖPNV eine Schulnote von 2,2. Per Pkw oder Motorrad fuhren 36,3 Prozent (vor drei Jahren 28,5 Prozent) in die Innenstadt (Schulnote 2,6), der Anteil der Radfahrer sank von 9,4 Prozent auf 7,2 Prozent (Schulnote 2,3). Immerhin gehen 29,9 Prozent (gegenüber 19,1 Prozent) zu Fuß auf Shoppingtour.

Foto: ZVA/Grafik

Wobei der Begriff Shoppingtour in die Irre leitet. Denn nur 37,3 Prozent der Aachen-Besucher gaben an, einkaufen zu wollen, in vergleichbaren Städten der aktuellen Analyse sind es immerhin 62 Prozent. Der Freizeitcharakter hat bei Aachen-Besuchern hohen Stellenwert, (26,5 Prozent), das gastronomische Angebot ist für rund  jeden fünften Besucher ausschlaggebend. Insgesamt punktet Aachen vor allem in diesen Bereichen. Knapp dreiviertel aller Befragten  loben die „Lebendigkeit der Innenstadt“ (Gesamtnote 2). Märkte und Feste werden ebenso als positiv hervorgehoben (Note 2,1) wie das allgemeine gastronomische Angebot (Note 2). Fast 80 Prozent aller Befragten geben an, Veranstaltungen wie Stadtfeste seien ein Grund, häufiger in die Stadt zu fahren. Für fast 85 Prozent ist der Besuch eines Restaurants, Cafés oder einer Gaststätte Grund, die City häufiger zu besuchen.

 Die Sehenswürdigkeiten „ziehen“

 Das „Flair der Innenstadt“ erhält die Note 2,1. Wenig überraschend für Aachen ist es auch, dass der Bereich „Sehenswürdigkeiten“ mit einer Note von 1,9 ganz oben auf der Beliebtheitsskala rangiert – wobei es übrigens keinen Unterschied zwischen Aachenern und Auswärtigen gibt. Dass die Innenstadt einen „hohen Erlebnis- und Unterhaltungswert“ hat, finden 72 Prozent der Befragten.

Foto: ZVA/Grafik

Traditioneller Konfliktpunkt in Sachen Attraktivität der Innenstädte ist das Thema Parken. Bereits 2016 sagte Nicolaus Sondermann: „Es gibt keine Großstadt, in der das Parken gut bewertet wird.“ Das bestätigt die neuerliche Erhebung. Die Aachener vergeben eine 3,6, Auswärtige immerhin eine 3,3. Kein Problemfeld zu sein scheint die Frage, zu welchen Zeiten Shoppen möglich ist. Die Ladenöffnungszeiten werden mit 2,1 bewertet.

Foto: ZVA/Grafik

Größter Konkurrent des Innenstadthandels ist der Online-Verkauf. Nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland stagnierte das gesamte Umsatzvolumen des Einzelhandels in Deutschland im Zeitraum von 2001 bis 2013 auf einem Niveau von 430 bis 450 Milliarden Euro (netto). 2015 bis 2017 war ein etwas stärkerer Umsatzanstieg zu verzeichnen. Für 2018 geht man von einem Einzelhandelsumsatz von mehr als 520 Milliarden Euro aus. Gleichzeitig habe die Bedeutung des Online-Handels „sprunghaft zugenommen“. Mit einem Umsatz von 57,6 Milliarden Euro im Jahr 2017 werde inzwischen jeder zehnte Euro im Internet ausgegeben.

Wie online-interessiert sind die potenziellen Kunden des Aachener Einzelhandels? Für gut die Hälfte der Kunden ist es wichtig, sich online über Geschäfte in  Aachen informieren zu können bzw. online prüfen zu können, ob Ware in den Geschäften verfügbar ist.  Fast jeder Dritte gibt an, in den Innenstadtgeschäften auch online bestellen zu wollen. 40 Prozent ist es wichtig, online bestellte/reservierte Ware in der City abholen zu können.

Laut aktueller Analyse gaben 2018 nur noch 19 Prozent der Befragten an, verstärkt online einzukaufen und demzufolge die City weniger zu besuchen (gegenüber 24 Prozent 2016). Ganz gegen den Trend wirkt  hingegen die Aussage, dass der Anteil derjenigen, die gar nicht online shoppen, von 25,1 Prozent im Jahr 2016 auf 39,3 Prozent 2018 gestiegen ist.

 Aachener selber sehen in ihrer Stadt Probleme mit der Sauberkeit und vergeben eine Note von 2,8, auswärtige Besucher urteilen mit 2,5 gnädiger. Die Werte liegen in etwa bei denen aus dem Jahr 2016. Auch in Sachen Sicherheit bleibt das Bild gleich: Mit einer Note von 2,5 (Aachener) und 2,3 (Auswärtige) liegen die Werte auf dem Niveau der vorherigen Analyse.

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