Aachen: Akademiker-Ampelmännchen zum RWTH-Jubiläum?

Idee aus dem Wissenschaftsbüro : Aachener Akademiker als Ampelmännchen?

Im niederrheinischen Neuss werden dieser Tage Schützenmännchen montiert, in Bergkamen regeln kleine Römermännchen den Verkehr. Duisburg hat Bergleute installiert, und Mainz hat – natürlich – Mainzelmännchen: In immer mehr Städten gibt es die roten und grünen Ampelmännchen an den Fußgängerampeln in ortstypischen Motiven. Und es kann gut sein, dass Aachen bald seine ganz eigene Variante kriegt: das akademische Ampelmännchen. Vielleicht mit Doktorhut auf dem Kopf.

Die Idee für so ein Ampelmännchen mit Öcher Flair kommt aus dem städtischen Wissenschaftsbüro, wie Harald Beckers vom Presseamt auf Anfrage mitteilt. Das Ampelmännchen als Akademiker soll quasi ein Gruß und ein Geburtstagsgeschenk der Stadt an die RWTH sein. Denn die Hochschule wird im kommenden Jahr schließlich stolze 150 Jahre alt.

Viel mehr als eine Idee gibt es derzeit noch nicht. Vom Entwurf bis zur Installation der Aachen-typischen Ampelmännchen wären ohnehin noch einige Hürden zu nehmen, wie Beispiele aus anderen Städten zeigen. Denn eigentlich ist in der Straßenverkehrsordnung und in den Richtlinien für Lichtsignalanlagen (RiLSA) strikt geregelt, wie eine Ampel für Fußgänger auszusehen hat. Erlaubt sind danach grundsätzlich nur die klassischen Piktogramme: „Im roten Leuchtfeld muss das Sinnbild eines stehenden, im grünen Leuchtfeld das Sinnbild eines schreitenden Fußgängers gezeigt werden.“ Offiziell zugelassen ist auch das Ost-Ampelmännchen aus DDR-Zeiten.

Mehr Gestaltungsfreiheit beim gehenden oder schreitenden Fußgänger verspricht dagegen ein Bericht der Düsseldorfer Landesregierung zu „Sinnbildern für Fußgänger in Lichtsignalanlagen“, der Ende 2018 dem NRW-Verkehrsausschuss vorgelegt wurde. Mehrere Kommunen hätten an ihre Bezirksregierungen den Wunsch herangetragen, Ampelmännchen mit lokalem Bezug einführen zu dürfen, heißt es darin. Und weiter mit warnendem Unterton: Entschieden sich Kommunen, ein ortstypisches Ampelmännchen zu installieren, trügen sie die Verantwortung dafür, dass das gewählte Motiv den Sicherheitsstandard erfüllt. „Sofern Kommunen ein abweichendes Ampelmännchen einführen, haften sie für Schäden, die auf die abweichende Gestaltung zurückzuführen sind“, heißt es wörtlich in dem Bericht.

Das Lichtzeichen für Fußgänger muss nämlich in jedem Fall eindeutig zu erkennen und begreifen sein. Heißt im Klartext: Wer an einer Ampel steht, muss verstehen, dass es um einen stehenden oder gehenden Fußgänger geht, egal ob das Figürchen ein Schütze aus Neuss, ein Bergmann aus Duisburg – oder demnächst vielleicht ein Akademiker aus Aachen ist. „Ampelmännchen müssen insbesondere auch für Menschen mit einer Sehbehinderung und für Kinder eindeutig erkennbar und begreifbar sein“, stellt die Landesregierung ausdrücklich fest. Das brachte zum Beispiel die Stadt Wesel in die Bredouille, die ihre Fußgängerampeln gerne mit Esel-Motiven ausgestattet hätte. Esel laufen aber auf vier Beinen, und Ampelmännchen dürfen nur zwei haben. Ein Ampel-Pferd für die Reiterstadt Aachen, so ist zu vermuten, hätte deshalb wohl ebenfalls keine Chance.

Das letzte Wort in Sachen Aachener Akademiker-Ampelmännchen habe ohnehin die Bezirksregierung, heißt es aus dem Presseamt. Die für Signalanlagen zuständige Abteilung bei der Stadt stehe aber bereit und warte auf einen Entwurf. Der solle nach Vorstellung der Stadt idealerweise von der Hochschule kommen, sagt Harald Beckers. Nach der Abstimmung mit der Verkehrsbehörde müsse dann das Regierungspräsidium in Köln die Genehmigung erteilen.

An der RWTH steht man der Idee mit dem Akademiker-Ampelmännchen jedenfalls aufgeschlossen gegenüber. „Wir freuen uns über jedes Geschenk, das die Stadt uns macht“, erklärt RWTH-Sprecherin Renate Kinny. „Wir lassen uns überraschen.“

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