Aachen: Aachen 2025: Startup „physiosense“ möchte neue Maßstäbe setzen

Aachen: Aachen 2025: Startup „physiosense“ möchte neue Maßstäbe setzen

Sitzt man Tim Host und Björn Olaf Lang gegenüber, fühlt man sich fast schon ein bisschen ertappt, wenn die eigene Sitzposition mal wieder, naja, krumm und schief ist. Die beiden Gesellschafter des Aachener Startups „physiosense“ erzählen von Rückenproblemen, die durch falsches Sitzen am Arbeitsplatz entstehen, von deren Folgen und von ihrem intelligenten Bürostuhl, der viele Probleme dieser Art bald lösen könnte.

Das interdisziplinäre Team des Jungunternehmens ist kurz vor dem Durchbruch. Aus dem ursprünglichen Studierendenprojekt „ATLAS“ an der FH Aachen ist ein respektables Startup entstanden, das sich nicht nur regional, sondern auch bei nationalen und internationalen Wettbewerben einen Namen gemacht hat.

Stipendium läuft bald aus

„Wenn alles gut läuft, kommt unser erstes Produkt nächstes Jahr auf den Markt“, so Lang, der die betriebswirtschaftliche Leitung inne hat. Außerdem steht der Wandel zur GmbH unmittelbar bevor. Denn Ende dieses Jahres läuft das durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Exist-Gründerstipendium aus.

Rückenbeschwerden, Nackenschmerzen, und Verspannungen entstehen oft durch zu langes und statisches Sitzen. Soweit muss es gar nicht erst kommen — davon sind die jungen Unternehmer fest überzeugt. Sie haben ein komplett neues und präventiv einsetzbares Systemangebot aus Produkt und Dienstleistung entwickelt, welches einen innovativen Bürostuhl mit physiotherapeutischen Präventionsmaßnahmen kombiniert. Herzstück ist dabei der Bürostuhl, der in Sitzfläche und Rückenlehne mit einer hochauflösenden Sensortechnologie ausgestattet ist, die wiederum ein genaues Bewegungs- und Haltungsprofil des Anwenders an seinem Arbeitsplatz erstellt — entweder über eine Auflage auf dem Stuhl oder als vollintegrierte Luxusvariante.

In Kooperation mit dem Institut für Textiltechnik an der RWTH wurden erst kürzlich textilbasierte Sensoren entwickelt. Diese registrieren zum Beispiel, wenn jemand lange in einer Position auf seinem Stuhl verharrt hat. Durch einen leichten Vibrationsimpuls wird der Nutzer daran erinnert, eine andere Sitzposition einzunehmen oder einfach mal eine Pause zu machen. Aber das ist noch nicht alles: Das System ist an eine App gekoppelt, über die Nutzer ihre Fortschritte verfolgen und mögliche Verbesserungen in puncto Sitzverhalten ableiten können. Zusätzlich arbeitet „physiosense“ mit lokal ansässigen Experten aus Physiotherapie und Sportmedizin zusammen, um Kunden noch besser beraten zu können.

Für Anfang 2017 ist ein dreimonatiges Pilotprojekt eingeplant. Danach wird’s ernst. Erste Interessenten, insbesondere Bürostuhlhersteller, gibt es schon für das Produkt. Und auch die eine oder andere Krankenkasse hat Interesse an dieser neuartigen betrieblichen Gesundheitsmaßnahme gezeigt. Zurzeit baut „physiosense“ außerdem ein Online-Portal auf, welches multimedial diverse Aspekte des betrieblichen Gesundheitsmanagements zusammenführt.

Ein Teil von „digitalHUB“

„Darüber hinaus sind wir Teil der Initiativen ,digitalHUB Aachen‘ und ,Aachen 2025‘. Das freut uns besonders. Bei der Veranstaltung ‚Aachen 2025 — Digitalen Wandel erleben‘ vom 23. bis 25. September stellen wir unsere intelligenten Bürostühle im Themenpark ‚Arbeiten’ aus“, so Host, der als studierter Mechatroniker die Produktentwicklung leitet.

Auch wenn das sechsköpfige Team schon längst in der spannenden Unternehmenswelt angekommen ist, der Kontakt zur Hochschullandschaft bleibt bestehen. „An den Aachener Hochschulen besteht sehr viel Know-how, das wir nach Möglichkeit nutzen“, so Host. Die Marschrichtung ist klar: Die intelligenten Bürostühle werden vielleicht irgendwann die ganze Welt erobern, als Standort für das Unternehmen ist Aachen jedoch goldrichtig. Da sind sich alle einig.

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