Aachen: 20 Künstler stellen in der Aula Carolina aus

25 Jahre „dreieck.triangle.driehoek“ : Identitäten im Spiegel der Kunst

Rund 20 Künstlerinnen aus sechs Ländern stellen sich derzeit in einer Ausstellung in der Aula Carolina in Bezug zur Gesellschaft und zu ihrer eigenen Biografie. So feiern sie das 25-jährige Jubiläum ihrer Künstlerinnengruppe „dreieck.triangle.driehoek“.

Eine kleine Roboterspinne läuft emsig über das Banner und hinterlässt eine zarte, rote Spur. Überall geben Künstlerinnen der weißen Unterlage Farbe und Form. Wichtig ist ihnen dabei, der eigenen Identität Ausdruck zu verleihen.

Layali Alawad lebt seit viereinhalb Jahren in Deutschland und stammt aus Damaskus. In Windeseile hat sie das Porträt einer Syrerin auf das Banner gebracht. Die Kunst hilft ihr, die eigene Flucht zu verarbeiten.

Blau ist die Farbe, die Mirjana Stein-Arsic nach eigenen Worten am meisten vermisst hat, als sie aus Belgrad nach Deutschland kam, und Blau ist die Farbe, die in ihren Arbeiten noch immer dominiert. Auch auf dem Banner in der Aula Carolina in der Pontstraße hinterlässt sie ein großflächiges blaues Werk. Das weiße, 20 Quadratmeter große Banner füllt sich schnell mit Farben und Formen. Und sobald es fertig ist, können die Besucher es stückchenweise erwerben. Dabei werden die Grenzen zwischen den Arbeiten endgültig zerfließen: Denn die Käufer können ganz frei und unabhängig von den Urheberinnen wählen.

Was Identität für die bedeutet, haben die teilnehmenden Künstlerinnen zuvor auch in Worte gefasst. Familie spielt dabei offensichtlich eine große Rolle, aber auch die Kunst und das Verwurzeltsein in der Erde sind ihnen wichtig. Beatrix von Bock hat Kleidung ihres verstorbenen Vaters zerschnitten und als Installation auf dem Boden drapiert. Es ist ihre Art, den Verlust des Vaters zu verarbeiten und sich dem Begriff der Identität zu nähern. „Was ist das eigentlich, Identität?“, fragt sie. „Und was bleibt von uns, wenn wir gehen?“ Jede der Künstlerin gibt ganz individuelle Antworten auf ganz individuelle Fragen. Und die Ausstellung lädt dazu ein, in ihre Betrachtungen einzutauchen.

Kindheit, Flucht, Gesellschaft oder Umwelt: Die Ansätze, das Thema „meine Identitäten“ (Mydentities) zu beleuchten, sind vielfältig. Guusje van Noorden hat ganz pragmatisch Fingerabdrücke und DNA-Stränge in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gerückt. Jede Künstlerin gibt ganz eigene Antworten auf die Frage nach ihrer Identität. Wichtig ist ihnen dabei laut Uta Göbel-Groß vor allem auch, gemeinsam zu arbeiten. Die Aachener Künstlerin engagiert sich seit langem in der grenzüberschreitenden Initiative: Seit 25 Jahren gibt die Gruppe „dreieck.triangle.driehoek“ auch ihr den Raum dazu. Hier fühlen sich die Frauen offensichtlich gut aufgehoben und in ihrer Arbeit bestärkt. „Frauen nehmen in der Kunstwelt noch immer keinen gleichberechtigten Stellenwert ein“, sagt Uta Göbel-Groß. „Aber es ist besser geworden“, fügt sie hinzu.

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