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Aachen: 1400 glückliche Menschen beim Festival der Oecher Lieder

„Festival der Oecher Lieder“ : Ein närrisches Highlight der Extraklasse

Wenn in Aachen etwas zwei Mal stattfindet, dann ist das Tradition, wenn im Karneval Menschen zum elften Mal die Bühne erobern, dann ist das ein närrisches Highlight erster Klasse.

Und wenn eine Veranstaltung 23 Mal hintereinander den größten Saal der Stadt bis zum letzten Platz füllt? Tradition? Aber garantiert! Highlight? In aller Bescheidenheit: Aber sicher! Und vor allem eine Erfolgsgeschichte für viele Menschen in der Region Aachen, die auf die ein oder andere Weise auf Hilfe angewiesen sind – und sie bekommen.

Das „Festival der Oecher Lieder“ hat seit der Erstauflage im Jahr 1996 mehr als 300.000 Euro an Spenden für das Hilfswerk unserer Zeitung „Menschen helfen Menschen“ generiert. Spenden, die vor allem durch die Besucher zusammenkamen – weit mehr als 30.000 Fastelovvends-Frönnde in den vergangenen Jahren, stets unterstützt von der Sparkasse Aachen – die übrigens mit dem Vorstand um Norbert Laufs auch vor Ort war. „Für diese Unterstützung, die unverschuldet in Not geratenen Menschen direkt zufließt, sind wir sehr dankbar“, sagt Chefredakteur Thomas Thelen auf der Bühne im Gespräch mit Moderator Manfred Kutsch. Tosender Applaus.

Dieser Abend im ausverkauften Eurogress steht ganz im Zeichen von Premieren, von Abschieden, von Bewährtem und Neuem. Und es gibt auch die Momente des Innehaltens. Leo Sijstermans, Mitglied der „Kapelle“, die die Prinzengarde seit 1988 musikalisch durch die Session begleitet, ist vor einigen Tagen nach schwerer Krankheit gestorben. Er hat noch bis zum Schluss mitgeprobt, sein Tod trifft Familie und Freunde hart. Dirk Trampen, Kommandant der Prinzengarde, widmet den Auftritt beim Festival dem gestorbenen Freund. „Zur Tagesordnung übergehen, das können wir nicht. Aber hier beim Festival der Oecher Lieder dabei zu sein, ist uns eine Ehre und eine Verpflichtung“, sagt Trampen.

Mehr als 1300 Gäste beim Festival der Oecher Lieder

Eine Premiere ist der Auftritt für Märchenprinz Paul IV. beim Festival nicht wirklich. Als Mitglied des Hofstaats kennt er das Eurogress bereits bestens. Als Regent über die kleinen Narren absolviert der begeisterte Fußballspieler auch diesen Auftritt im Ornat souverän und sympathisch. Genauso wie sein prinzlicher Kollege Tom I. samt Gefolge. Oder wie die Jungen und Mädchen der Tanzgruppe „Little Diamonds“ der KG Eulenspiegel, die nach ihrem großen Auftritt beim Aachener Karnevalsverein (AKV) nunmehr erneut unter der Leitung von Nicole Hess und vor den Augen von AKV-Vizepräsident Wolfgang Hyrenbach und Beirat Markus Bongers über die Bühne wirbeln. Dass sie an karnevalistischem Drive nichts eingebüßt haben, beweisen neun ehemalige Tollitäten stimmgewaltig als Ex-Prinzen-Korps, angeführt von Thomas III. Jäschke, Michael II. Kratzenberg und Thomas II. Sieberichs – einmal Fastelovvends-Jeck, immer Fastelovvends-Jeck.

Für die „Night-Wiever“ Dagmar, Angelique, Nicole, Uschi und Ilona ist es auch das erste Mal, dass sie die Gelegenheit bekommen, beim Festival dem Saal einzuheizen. Ein sympathisch-schwungvoller Vortrag, der viel Applaus erntet. Das Gleiche gilt für die Regiofolkband „Rumtreiber“ mit dem Sänger Timo Hamacher sowie Heiko Mürkens, Dirk Jöris, Jens Offergeld und Markus Paffen, die ebenfalls nur einen kurzen Moment brauchten, um sich beim Festival heimisch zu fühle.

Beim Orden wider den tierischen Ernst räumen sie traditionell mächtig im Saal ab, und auch beim Festival sind sie eine gesetzte Größe: Eine knappe halbe Stunde vergeht wie im Flug, wenn die 4 Amigos Uwe und René Brandt sowie Dietmar Ritterbecks und Stefan Beuel Gas geben. Der Saal steht Kopf beziehungsweise auf den Stühlen und singt nicht nur „Alaaf der Öcher Schäng“ lauthals mit. Mit den Originalen steht Frontmann Michael Cosler auf der Bühne mit Guido Kempen, Dieter Frese, Peter Jacobs, Leo Leuchtenberg und Udo Hermanns. Ihr Öcher Medley singt das Publikum begeistert mit, die Live-Musik kommt bestens an. „Aneäjebonge, Hazz gefonge“ schallt es dann durch den Saal. Die Mottohymne des Festausschusses Aachener Karneval präsentieren die Oecher Stadtmusikanten. Der Vorsitzende der Truppe, Mathias Götemann, und neun weitere Stimmen brillieren im Rampenlicht. Einen choreographischen Augenschmaus liefert die Dance Company beim Festival ab.

Und dann gibt es da noch diesen besonderen Moment, als unser Fotograf Michael Jaspers – für ihn völlig überraschend – nach mehr als 30 Dienstjahren plötzlich von Moderator Manfred Kutsch auf die Bühne gebeten wird. „Nach so vielen Karlspreisen, Gipfeltreffen und zehntausenden Terminen in Diensten der Zeitung und Fotos ist dies der letzte offizielle dienstliche Fototermin; dankeschön!“, sagt Kutsch. So steht der Mann, der sonst immer hinter der Kamera steht, dieses Mal im Fokus – und wird heftig beklatscht für seine fotojournalistischen Verdienste der vergangenen Jahrzehnte.

Der Saal steht Kopf: Die 4 Amigos bescheren auch dem Festival der Oecher Lieder den Stimmungshöhepunkt. Foto: ZVA/Michael Jaspers

Erst nach dreieinhalb Stunden endet das mitreißende Programm – und entlässt die Fastelovvends­jecken zur Aftershow-Party ins Foyer. da werden schon die nächsten Treffen abgesprochen. Zum 24. Festival der Öcher Lieder im kommenden Jahr.