Aachen: 13 Mäntel der Künstlerin Gerda Zuleger

Kunst in Aachen : Die 13 Mäntel der Aachener Künstlerin Gerda Zuleger

Ungewöhnliche Kunst in der Aachener Aula Carolina: Die Aachener Künstlerin Gerda Zuleger zeigt ihre textilen Werke am Wochenende im Haus an der Pontstraße.

Vor allem in Blau verströmt der Mantel der Sehnsucht seine Energie. Ein bisschen geflickt und verstörend, voller Geheimnisse und wissend, dass Zeit ein kostbares Gut ist, mahnt der Wecker vor der tickenden Bombe der Vergänglichkeit. Flüchtig ist die Zeit, doch die Zeiger stehen still.

Der „Mantel der Sehnsucht“ ist einer von 13 Mänteln, Hüllen und Capes der Aachener Künstlerin Gerda Zuleger, die rund zwei Jahre lang an Bemäntelungen und Enthüllungen menschlicher Zustände gearbeitet hat. Meist aus Drahtkonstruktionen mit Pappmaché, auf die Farbe, Malerei, Collage, Stoffe, alte Felle und andere Dinge aufgebracht wurden, bestehen die 13 ausladenden Objekte, die in der Aula Carolina mit einem großem Gemälde als raumfüllende Installation mit Lyrik und Klang sowie Arbeitsskizzen und Fotografien ausgestellt werden.

Mit dem goldenen „Mantel der Macht“ begann vor zwei Jahren die Arbeit an der seriellen Aufarbeitung von Zuständen, nachdem dieser im Kloster Neuburg bei Wien bei den Ausstellungen zum St.-Leopold-Friedenspreis zu sehen gewesen war. Prachtvoll ist die Hülle der Macht in ihrem Goldglanz, doch blutbefleckt. Grellrot strömt das Blut aus dem Herzen über die kostbare Robe und lenkt den Blick vom Glanz auf das Blut, das der Macht ein Ende setzt und die Kostbarkeit zum Schandmal von Gewalt macht.

Mehrere Rohlinge gleichzeitig hat Gerda Zuleger in ihrem großräumigen Atelier gefertigt. „Den Mantel des Schweigens habe ich nicht umgesetzt“, sagt sie, „und mein Mäntelchen habe ich auch nicht in den Wind gehängt, sondern ganz früh schon den ‚Mantel des Selbst‘ geschaffen, der für eine ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst steht und Gegensätze versöhnen möchte.“ Schwarz und Weiß stehen sich hier hart gegenüber, Eva und Lilith als Archetypen, aber auch fließend blaue, mit dem Kugelschreiber beim Telefonieren gekritzelte Worte und Skizzen, die als Collagen den Mantel überziehen. Hohe Symbolkraft kennzeichnet alle Hüllen, die Themen wie die Schöpfung, Nachkriegszeit, Konsum, Gefälligkeit, Unabhängigkeit und den Kosmos bearbeiten.

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