Aachen: 90 Meter hoher „Campus Tower” geplant

Aachen: 90 Meter hoher „Campus Tower” geplant

Für die Politik dürfte es eine Art „Deja vu” sein: Hochfliegende Hochhauspläne hat man ja schon beim Campus Melaten zu Gesicht bekommen. Dort will der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) einen bis zu 70 Meter hohen Turm bauen. Die Politik akzeptierte schließlich - allerdings an einem anderen Standort als zunächst geplant.

Nun strebt der BLB nach noch Höherem. Rund 90 Meter soll sich im künftigen Campus am Westbahnhof der „Campus Tower” in die Höhe recken - und würde damit unter anderem Aachens höchsten Kirchturm an St. Jakob (87 Meter) und den Dom (74 Meter) überragen. 90 Meter entspricht - zum Vergleich - dem Hochhaus am Europaplatz. Und der „Tower”, der in der Nähe des Bendplatzes vorgesehen ist, soll nicht einsam in der Gegend herumstehen. Vier weitere, etwas kleinere Hochhäuser sind geplant.

„Wir wollen einen markanten Hingucker für den Campus West haben”, bestätigt Bernd Klass, Sprecher des BLB in Aachen, dass man den 90-Meter-Turm fest einplane. Er soll auf 24 Geschossen Seminarräume, Hörsäle, eine internationale Akademie, einen Gastro-Bereich und Büroräume beherbergen.

Wie das aussehen könnte, lag den Politikern im Planungsausschuss in Form einer Studie der Düsseldorfer Architekten Rhode, Kellermann, Wawrowsky vor. Erstmals befasste sich der Ausschuss mit dem Bebauungsplan für das 327.000 Quadratmeter große Westbahnhofgelände, wo ergänzend zum Campus Melaten mehrere Forschungscluster entstehen sollen. Dabei wurde klar, dass es noch einige Baustellen gibt, bevor vielleicht in zwei Jahren Bagger anrücken können. Die Höhe der Hochhäuser ist eine davon: „Das wird von vielen sehr, sehr skeptisch gesehen”, sagt Ausschussvorsitzender Harald Baal (CDU). Zumal die Türme wie „aufgestellte Schuhkartons” aussähen. Dass es in einem derartigen Baugebiet „Landmarken” geben könne, sei unbestritten. Doch über das Wie müsse noch viel gesprochen werden.

Wie Baal betonen alle Politiker, dass man erst ganz am Anfang stehe. „Das ist eine Entwicklung, die über zwei Jahrzehnte gehen wird”, sagt Michael Rau (Grüne). Alle Bürger und Gruppen müssten an der intensiven Diskussion beteiligt werden. Und da verlangt Rau insbesondere von der Hochschule, sich in die erste Reihe zu stellen. Er betont auch die Bedeutung des Vorhabens, das fast am Stadtkern aufgebaut wird. In 100 Jahren habe es nichts derartiges gegeben. So sieht es auch Klaus Vossen (FDP): „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir die RWTH haben, sonst wären wir Provinz.” Auch er sieht Diskussionsbedarf, man dürfe allerdings den Campus nicht gleich zu Beginn mit Problemen „befrachten”.

Knackpunkte gibt es jedoch mehrere. Beispielsweise zeigen die Pläne am Republikplatz eine große Kongressfläche. Ob die Stadt diese will oder man lieber an der Monheimsallee das Eurogress erweitert, sorgt ebenfalls für Diskussionsstoff. Die SPD, die an erster Stelle natürlich auch die große Chance durch den Campus hervorhebt, hat in Sachen Kongresszentrum „große Zweifel”, wie es Planungspolitiker Norbert Plum sagt. Eine weitere Forderung will die Politik im Bebauungsplan fest verankern: Auf dem Campus soll es Bereiche zum Wohnen geben. Und zwar nicht nur an der Süsterfeldstraße, sondern auch im Campus-Kernbereich. Ob irgendwann auch der Bendplatz verlagert wird und dort Häuser gebaut werden, ist völlig offen. Geliebäugelt hatten vor allem die Grünen mit einer solchen Variante. Harald Baal betont: „Der Bendplatz ist nicht Teil dieses Bebauungsplanverfahrens - und er wird es auch nicht.” SPD-Mann Plum sagt: „Jeglichen Ideen für den Bendplatz werden wir entgegentreten.” Klärungsbedarf gibt es auch noch hinsichtlich der Verkehrserschließung.

Alle diese Fragen sollen schnell beantwortet werden. Halbfertige Pläne sollen nicht in die Bürgerbeteiligung gehen. Die wird bald beginnen. Fand die erste „Programmberatung” noch - wie vorgeschrieben - hinter verschlossenen Türen statt, so wird alles weitere öffentlich diskutiert. Am 13. Dezember sollte eine große Bürgerinformation stattfinden. Möglicherweise wird sie wegen der offenen Fragen in den Januar verschoben.