Aachen: 85.000 Euro für das bröckelnde Büchel-Parkhaus

Aachen : 85.000 Euro für das bröckelnde Büchel-Parkhaus

Der Bohrhammer rattert, der Beton platzt brockenweise ab — auf dem obersten Parkdeck haben Arbeiter damit begonnen, das Parkhaus Büchel ... nein, nicht abzureißen, sondern in dem maroden Gemäuer zu retten, was zu retten ist.

So könnte man das nennen, was gerade in dem Bauwerk vor sich geht, das seit vielen Jahren allen Abrissankündigungen widersteht — abgesehen davon, dass es seit einiger Zeit immer rasanter vor sich hin bröckelt.

Vor allem auf Letzteres will man nun mit den aktuellen Arbeiten reagieren. Laut Aachener Parkhausgesellschaft (Apag), die das Parkhaus in bester Innenstadtlage betreibt, werden dort zurzeit „ausschließlich Unfallgefahren beseitigt“, wie die Sprecherin Anne Körfer mitteilt. Also Bodenschäden ausgebessert und bröckelnde Wände verputzt. Allerdings ist es mit diesen Maßnahmen, die laut Apag rund 15.000 Euro kosten, noch lange nicht getan.

Denn Ende vorigen Jahres war bei einer Statiküberprüfung auch aufgefallen, dass einige Rampen im Parkhaus so marode sind, dass sie dringend „ertüchtigt“ werden müssen. Dies geschieht, indem neue Stahlträger eingebaut werden. Kostenpunkt laut Apag: rund 45.000 Euro. Stillgelegt wurde damals auch die Wendeltreppe an der Außenfront. Jetzt soll diese Spindel „aus Sicherheitsgründen teilweise zurückgebaut werden“, so Körfer. Die Kosten für diesen Abriss beziffert die Apag auf 25.000 Euro, womit die aktuell notwendigen Maßnahmen insgesamt mit 85.000 Euro zu Buche schlagen.

Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht

Doch auch damit ist in Sachen Finanzen das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Denn das marode, aber viel frequentierte Parkhaus, das als der „Goldesel“ unter den Apag-Häusern gilt, verschlingt nicht nur zunehmend Geld für Sanierungsmaßnahmen, sondern spuckt mittlerweile wohl auch weniger an Einnahmen aus. Aktuell stehen nur noch 349 Kurzparkerplätze zur Verfügung, weil die Apag nach der letzten Statikprüfung „umgehend“ 100 Plätze gesperrt hatte. Die Untersuchungen hatten nämlich ergeben, so Körfer, „dass aus Sicherheitsgründen die Verkehrslast um 100 Parkplätze verringert“ werden musste. Offenbar wollte man nicht riskieren, dass der bröckelnde Bau ganz zusammenbricht.

Die 85.000 Euro für die aktuellen Maßnahmen muss im Übrigen die Apag berappen, die eine hundertprozentige Tochter des städtischen Nahverkehrsunternehmens Aseag ist. Zwar gehört das Parkhaus seit einigen Jahren den Hauptinvestoren für das Großprojekt Altstadtquartier Büchel, Norbert Hermanns und Gerd Sauren, doch sind die Verträge so gestaltet, dass die Mieterin für Gebäudeschäden aufkommt: „Die Apag ist für die Instandhaltung allein verantwortlich“, bestätigt Körfer.

Dass städtische Gelder in ein Parkhaus gesteckt werden, das privaten Investoren gehört, hatten die Aachener Grünen jüngst als „Schildbürgerstreich“ bezeichnet. Sie verlangen per Ratsantrag die baldige Schließung des Parkhauses, dessen Abriss bereits Teil des Innenstadtkonzeptes 2002 war und seit 2009 auch des städtischen Luftreinhalteplans ist. Und dessen Verschwinden Voraussetzung für weitere Fußgängerzonen in der City wäre (siehe Artikel unten).

Der Rat müsse die Apag auffordern, mangelhafte Gebäudeteile des Parkhauses zu sperren und kein Geld mehr in die Sanierung zu investieren, fordern die Grünen. Bislang ist dies nicht passiert — der Antrag wird erst in der nächsten Ratssitzung am 18. April beraten. Eine Vorlage sei dazu noch in Arbeit, weshalb es seitens der Verwaltung derzeit nichts zu sagen gebe, heißt es bei der Stadt auf Anfrage.

Egal wie der Rat abstimmt: Die derzeitigen Sanierungsmaßnahmen werden davon wohl nicht betroffen sein. Aber das Thema dürfte aktuell bleiben. Das Parkhaus wird, so hieß es zuletzt, wohl frühestens 2021 abgerissen werden. Und die Statik wird halbjährlich geprüft — womit es angesichts des desolaten Zustands des Gebäudes wohl noch genügend Gelegenheiten geben dürfte, weiteren Sanierungsbedarf festzustellen.

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