70 Kulturinitiativen beim "besten Fest" im Aachener Ludwig Forum

Kultur in Aachen : Grandioser Abschied beim „besten Fest“

Mit Sicherheit wird Andreas Beitin seinen letzten offiziellen Arbeitstag im Ludwig Forum so schnell nicht vergessen – auch und gerade, weil der 31. März auf einen Sonntag fällt. Denn damit bietet sich die Gelegenheit, dem scheidenden Museumsdirektor eine Abschiedsparty zu bescheren, die sich wahrlich sehen (und hören) lassen kann.

Nicht von ungefähr wird der turbulente Reigen unter dem Titel „Lufo.Das Beste.Fest!“ über die Bühne(n) der alten Schirmfabrik gehen. Der Eintritt ist frei – die Organisatoren hoffen auf tausende Besucher. Rund 70 größtenteils freie Initiativen aus der Region präsentieren das spektakuläre Spektrum ihres Könnens erstmals unter einem gemeinsamen Dach.

Und die erweisen an diesem Tag nicht nur Beitin und dessen Team die Ehre. „Wir glauben, es besteht reichlich Grund, dass die vielen, vielen Kulturschaffenden im Grenzland sich auch mal selbst feiern“, meint Ina-Marie Orawiec vom Vorstand des Vereins „aachen_fenster“, die die Moderation des Tags der offenen Tür mit dem Aachener Kunsthistoriker und RWTH-Professor Dr. Alexander Markschies übernehmen wird. Bereits Ende vergangenen Jahres haben etliche weitere prominente Einrichtungen die Kräfte gebündelt, um für die konzertierte Kunstaktion zu trommeln. „Wir wollen ein Fest auf die Beine stellen, das es so noch nicht gegeben hat“, frohlockt Iva Haendly-Dassen, Vizevorsitzende der „Freunde des Ludwig Forums“, die das Rendezvous der Kreativen mit „aachen_fenster“, der Initiative Aachen sowie den Musik- und Theaterfreunden ins Leben gerufen hat. Apropos offene Tür: Eben die habe man bei den prädestinierten Ansprechpartnern im sprichwörtlichen Sinne eingerannt, berichtet Dr. Simone Pfeiffer-Bohnenkamp, Vorsitzende der Initiative Aachen.

Dargeboten wird so ziemlich alles, was die besonderen Reize des viel zitierten „weichen Standortfaktors“ ausmacht, verspricht Hans-Dieter Collinet, ebenfalls Mitglied im „aachen_fenster“-Vorstand. Einrichtungen wie die Bleiberger Fabrik, die Bürgerstiftung Lebensraum, der Bund Deutscher Architekten, Digital Hub, Design-Metropole, Institut Français, Lousberg-Gesellschaft, Rathausverein, Theater-Initiative Aachen oder Tuchwerk Soers konnten flott gewonnen wer-
den.

Aus der Sparte der bildenden Kunst sind Kollegen aus dem Atelierhaus, dem Neuen Aachener Kunstverein, dem Monschauer KUK oder auch dem Kulturwerk Aachen ebenso mit Beiträgen vertreten wie die Teams des Centre Charlemagne, des Suermondt-Ludwig-Museums oder des Kunsthauses NRW, um nur diese zu nennen. Schauspieler aus dem Theater K, dem Das Da Theater und dem Ensemble Poetischer Anfall spielen kleinere Szenen und lesen literarische Texte mit den Kollegen aus dem Haus für Märchen und Geschichten. Auch in Sachen Klangkunst ist der Spannungsbogen breit gespannt: Das Aachener Sinfonieorchester und das Collegium Musicum der RWTH sind mit von der Partie, die Gesellschaft für Zeitgenössische Musik, Saxofonist Heribert Leuchter, der Verein Accordate, die Musikschule und der Verein Musikbunker oder der Verein Jakobshof (der auch die Kimiko-Festivals am Forum organisiert) sowie mehrere renommierte Chöre.

Talk in der Wanne

Leckerbissen für Fans der bewegten Bilder servieren Kaleidoskop, das Filmstudio der RWTH und die Zinnober Film GmbH. Letztere zeichnet auch verantwortlich für die Dialog-Reihe „Talk in der Wanne“ im alten Stadtbad Aachen. Fortsetzung folgt: Jetzt wird eine der nos-
talgischen Badewannen eigens Richtung Jülicher Straße gelotst, erzählt Asghar Adami, Initiator der unkonventionellen Kulturplattform am Blücherplatz.

Und damit ist der Schulterschluss der Lufo-Freunde keineswegs komplett. „Wir wollen zeigen, wie riesig und hochkarätig das Potenzial der kreativen Kräfte in der Region tatsächlich ist“, unterstreicht Ina-Marie Orawiec.

Nicht zuletzt freilich sollen (Ex-)Museumschef Beitin und sein Team die jüngsten Früchte ihrer Arbeit im angemessenen Rahmen ernten. Schließlich wurde das Ludwig Forum gerade erst vom Internationalen Kritikerverband AICA zum „Museum des Jahres 2018“ gekürt, die 68er-Schau „Flashes of the Future“ als „Ausstellung des Jahres“ gewürdigt. Die Auszeichnungen werden von Dr. Danièle Perrier, Präsidentin des AICA Deutschland, und dem renommierten Kunstkritiker Bernhard Schulz offiziell überreicht. Eine Laudatio auf die Macher der „besonderen Ausstellung 2018“, eine Präsentation der Julia Stoschek Collection Berlin über den Filmemacher Arthur Jafa, hält Professor Dr. Jörg Heiser, Direktor des Instituts Kunst im Kontext in Berlin. Zum Live-Talk bittet das Moderatorenduo zudem Bürgermeisterin Dr. Margrethe Schmeer und Regina Wyrwoll vom Kuratorium der Ludwig-Stiftung sowie – last but not least – natürlich den scheidenden Hausherrn selbst. „Es bewegt mich sehr, dass ich zum Ende meiner Arbeit in Aachen ein solches Event erleben darf“, sagt Beitin. „Entscheidend ist für mich, dass es dem gesamten Museumsteam gewidmet ist, ohne dass diese Erfolge auf keinen Fall möglich gewesen wären.“

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