Vetschau: „4 Linden“: Von Ziegen, wilden Kräutern und tollem Landleben

Vetschau : „4 Linden“: Von Ziegen, wilden Kräutern und tollem Landleben

Poitou-Esel, Kamerun- und Lacaune-Schafe, Ziegen, Hühner, Kaninchen sowie zwei Hunde und ein Kater: Dieses tierische Ensemble „begrüßte“ bestgelaunt die Gäste am „Tag der offenen Tür“ auf dem Erlebnishof 4 Linden in Vetschau — Hausherr Andreas Dilthey samt Mitbewohner waren natürlich auch dabei.

Zu sehen und zu erleben gab es einiges im Kleinod und Naturparadies rund sechs Kilometer von Aachens Stadtmitte entfernt. Neugierig musterten die Besucher die urgemütlichen Zimmer in der alten Fachwerkscheune, sahen sich im Stall um, betrachteten die Dosenmobile, spazierten über Obstwiesen und Weiden, durch den Kräutergarten und entspannten zwischen dem Federvieh im Schatten der Bäume.

„Tag der offenen Tür“ auf dem Erlebnishof „4 Linden“: Kinder durften unter anderem auf dem Traktor mitfahren. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Der Hof zeige eine einfache Lebensweise auf, findet Andreas Dilthey, Initiator des Erlebnishofes. Dazu gehörten ein Dach über dem Kopf (hier: Haus oder Bauwagen), Essen (hier: Garten, Tiere, 70 Obstbäume) sowie Wasser und Energie (hier: große Zisterne, in der Regenwasser gewonnen wird, ein kleines Windrad und Solarkollektoren). Im Falle von Krankheit gibt es zudem einen Kräutergarten.

„Wenn du diese vier Sachen hast, kannst du überall auf der Welt siedeln“, sagte der Architekt. Interessiert vernahmen die Gäste, dass man auf dem Hof Kindergeburtstage feiern kann, dass es Ferienwohnungen gibt, dass Kutschenfahrten mit Eseln sowie Traktorfahrten angeboten werden, dass es Seminare zum Bauen mit Lehm gibt und vieles mehr.

Mitglieder des Vereins „Afrika morgen“, der auf dem Gelände beheimatet ist und sich humanitären Entwicklungsprojekten in Kamerun und Ghana widmet, informierten unter anderem über den begonnenen Bau der dringend benötigten Klinik, der aufgrund fehlender Gelder nicht weiter geführt werden kann. Sie berichteten aber auch von dem, was sie bislang erreicht haben.

„Ich bin das erste Mal hier“, sagte Gabriele Fichsel-Wigand aus Vaals. „Es gefällt mir unglaublich gut: Die vielen kleinen Gebäude im Peterson-und-Findus-Stil. Und auch die Entfaltungsmöglichkeiten, die man hier hat“, schwärmte sie weiter — „eine friedvolle Atmosphäre.“ Auch Ines Beving gefiel es sehr gut. Ihren beiden Kindern Louka (fünf Jahre) und Noey (drei) übrigens auch.

Man brauchte ihnen nur in die Augen sehen. Begeistert kletterten die Sprösslinge auf einen der Traktoren. „Brumm, brumm“, rief Louka und packte das Lenkrad mit beiden Händen. Einen anderen Traktorsitz hatte inzwischen Alexander Nobis erklommen. Mutter Christina beobachtete ihn dabei und lächelte zufrieden.

Auf dem Hof leben neben Andreas Dilthey noch acht weitere Personen, unter anderem aus Portugal, dem Irak, aus Rumänien und Moldavien. Hinzu kommen Menschen aus der ganzen Welt, die als sogenannte Wwoofer einige Zeit auf dem Erlebnishof verbringen. Wwoof bedeutet „World Wide Opportunities on Organic Farms“ und ist eine Organisation, die Menschen vermittelt, die gegen Kost und Logis Erfahrungen im organischen Landbau, in Permakultur und sozialen Gemeinschaften sammeln möchten.

Jasmin Groos ist beispielsweise so eine Wwooferin. Sie war schon mehrfach auf dem Hof. „Ich bin ein totaler Naturmensch“, sagt die Düsseldorferin, die Sozialarbeit und Sozialpädagogik studiert hat, und das Leben auf dem Hof sei ideal „um einfach mal rauszukommen“.

(dag)
Mehr von Aachener Zeitung