Aachen: 38 Baustellen: Autofahrern droht ein heißer Sommer

Aachen: 38 Baustellen: Autofahrern droht ein heißer Sommer

Verkehrsbehinderungen am Adalbertsteinweg, Staus an der Vaalser Straße, eine Vollsperrung der Zollernstraße, dazu das jüngst berichtete Verkehrschaos am Boxgraben - Aachens Autofahrern droht ganz unabhängig vom Wetter ein heißer Sommer.

Denn so rapide, wie an einigen Stellen das Fahrtempo sinken wird, dürfte bei manchen der Blutdruck steigen. Und das wohl nicht nur vereinzelt: Schließlich stehen die Chancen nicht schlecht, in den kommenden Monaten in Aachen vor einer Baustelle im Stau zu stecken.

An insgesamt 38 Stellen graben sich Stadt und Stawag zwischen Juli und September durch das rund 660 Kilometer lange städtische Straßennetz, um Kanäle und Versorgungsleitungen zu sanieren oder zu verlegen und Asphaltdecken zu erneuern. Und an 34 weiteren Stellen buddelt „NetAachen”, um das Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz unter die Erde zu bringen - allerdings meist unter Gehwegen.

Dass dies alles - und vor allem in dieser Ballung - immer wieder zu Ärger führen wird, ist den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung klar. „Aber wir können die Baustellen auch nicht wegzaubern”, sagt Baudezernentin Gisela Nacken. „Es ist schlicht und einfach notwendig, die Infrastruktur instandzuhalten.” Dazu müsse die Stadt jedes Jahr 12 bis 14 Straßenkilometer in Angriff nehmen, betont die städtische Abteilungsleiterin Straßenplanung, Regina Poth: „Und das bedeutet, dass wir immer rund 20 Baustellen gleichzeitig haben.”

Ähnlich sieht es bei der Stawag mit ihren etwa 8000 Kilometer langen Kanälen und Versorgungsleitungen im Aachener Erdreich aus. „Da benötigen wir schon eine Baustellenlänge von 20 Kilometern pro Jahr, nur um die Substanz zu erhalten”, rechnet Wolfgang Raabe vor, der Leiter Netzplanung, -bau und -technik beim Energieversorger. Im Aachener Boden wird auf diese Weise jährlich eine ordentliche Summe vergraben: 20 bis 25 Millionen Euro steckt die Stawag in ihre Maßnahmen, auf 12 bis 14 Millionen Euro beläuft sich das städtische Budget. Und bei „NetAachen” sind es alleine in den kommenden drei Monaten rund zwei Millionen, wie Geschäftsführer Andreas Schneider bestätigt. Aufs ganze Jahr gesehen verbuddelt das Unternehmen rund acht Millionen Euro in Aachen.

Um zu verhindern, dass sich die Gemüter in diesem Sommer allzu sehr erhitzen, will die Stadt die Autofahrer möglichst gut über baustellenbedingte Staufallen informieren - auch wenn man weiß, dass man bislang kaum alle Adressaten erreichen kann, wie Gisela Nacken jüngst auf dem Boxgraben erlebte. Dort staut sich derzeit dramatisch das Blech wegen der Sperrung der Mozartstraße. „Und dann schaust du in die Gesichter der Autofahrer und weißt, was die über dich denken”, war die Dezernentin bedient. Um das zu ändern, überlege man derzeit, tagesaktuelle Infos über innerstädtische Baustellen ins Netz zu stellen und den Verkehrsteilnehmern über ihre Navigationsgeräte zukommen zu lassen. „Wir arbeiten daran”, sagt Nacken.

Doch das ist Zukunftsmusik. Zunächst muss noch konventionell informiert werden. In Kürze wohl über die Zollernstraße, die demnächst völlig gesperrt wird. Dorthin verlegt die Stawag Fernwärmeleitungen, um das große Bauprojekt der Sparkasse anzuschließen. Außerdem werden Kanäle saniert. Für Regina Poth ist diese Maßnahme beispielhaft dafür, wie hoch bisweilen der Koordinierungsbedarf bei der Baustellenplanung ist. Denn eigentlich wollte sich die Stadt im Herbst auch die benachbarte Schlossstraße vornehmen, was man nun aber doch lieber verschiebt. Nur einen Steinwurf weiter, in der Oppenhoffallee, rücken allerdings schon im Juli die Bagger zur Kanalsanierung an. Stadtauswärts wird die Verkehrsachse dann gesperrt. Stadteinwärts soll das Blech über die Lothringerstraße geführt werden.

Ein verwegener Gedanke, zeitgleich die Zollernstraße und die Oppenhoffallee zu sperren? „Nein, das haben wir genau durchdacht”, hält die Verkehrsplanerin dagegen. Der Autoverkehr werde schließlich umgeleitet über die Bismarckstraße, erläutert Poth. „Da fährt dann stadtauswärts keiner mehr über die Schlossstraße zurück zur Oppenhoffallee.”

Soweit die Theorie. Der Stresstest in der Praxis wird vermutlich Ende August anlaufen. Denn dann wird die Zollernstraße dichtgemacht. Mitten im heißen Sommer.

Boxgraben: Die Stadt lädt zur Baustellenführung

Zu einer Führung lädt die städtische Abteilungsleiterin Verkehrsplanung, Regina Poth, am kommenden Mittwoch, 13. Juli, auf die Baustelle Boxgraben ein.

Treffpunkt ist um 11.30 Uhr am Baustellencontainer in der Friedlandstraße, die Begehung dauert nach Angaben der Stadt etwa eine Stunde.

Jeder kann teilnehmen. Allerdings müssen sich die Teilnehmer per Mail unter der Adresse strassenbau@mail.aachen.de” anmelden.