Aachen: 300 Gäste frühstücken für den guten Zweck auf der Euregio

Aachen : 300 Gäste frühstücken für den guten Zweck auf der Euregio

Als die Familie durch den Außenbereich schlendert, sind die zahlreichen Baumwollsäcke bereits gut gefüllt: „Nichts gekauft, alles geschenkt“, bestätigt der Familienvater mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

Zwar freut er sich, dass seine Kinder nun nicht mehr auf Zollstöcke aus seiner Werkstatt zurückgreifen müssen, weil sie eigene bekommen haben. Aber er schleppt doch auch schwer an den dazugehörigen Holzbauteilen für Werkzeugkästen, die sich seine Jüngsten beim Bagger-Entenangeln erarbeitet haben. Ein bisschen Goldgräberstimmung gehört einfach zur Euregio-Wirtschaftsschau — „gucken, was es Neues gibt“, lautet nicht nur die Devise von Guido Mundt aus Hergenrath.

Schlemmen ohne schlechtes Gewissen: 300 Gäste waren beim „Größten Frühstück der Euregio“ dabei. Foto: Andreas Schmitter

Das ist auch Vitali Dietrichs Ansinnen. Der Hausmeister vom Tivoli kommt jedes Jahr, um sich über neue Angebote zu informieren, die er später auch wieder bei der Pflege und Erhaltung des Stadions nutzen kann. „Das ist einfach immer interessant“, meint er. Auch Karine Glasmacher wundert sich fast ein bisschen: „Überraschend informativ“, urteilt die Aachenerin über ihren ersten Besuch auf der 32. Ausgabe der Wirtschaftsschau. Auf dem Gelände des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) in der Soers lässt sie sich gerade zusammen mit Ehemann Michael und Sohn Maximillian über luxuriöse Außenkamine beraten. „Eine Waffel war auch schon drin“, sagt sie mit Blick auf den Sohnemann lächelnd.

Apropos Essen: Für die ersten Besucher geht es früh, zugleich aber auch sehr schmackhaft los. Bereits zum dritten Mal ging am Samstag das „Größte Frühstück der Euregio“, wie die Organisatoren selbstbewusst titeln, über die Bühne. Rund 300 Gäste hatten Tickets gekauft, um noch vor der regulären Öffnungszeit in Halle 14 Brötchen, Kaffee, Aufschnitt, Saft, Sekt, Obst, Eier und süße Aufstriche für den guten Zweck zu vertilgen. Organisiert von den Aachener Unternehmernetzwerken „Aixactum“ und „Aixcellent“ stellen die Mitglieder Sachspenden und Manpower zur Verfügung, um die Besucher satt zu machen — und zwar für den guten Zweck. Ein wesentlicher Anteil der Einnahmen gehen an den Verein „breakfast4kids“, der jedes Jahr 29 Schulen und zwei Kindergärten mit 170.000 Pausenbroten versorgt, damit jedes Kind ein gesundes Frühstück bekommt.

Helga Vaehsen ist bereits zum dritten Mal beim Frühstück dabei ist — natürlich nicht allein: Mitgebracht hat die Linnicherin jede Menge Freunde, unter anderem Klara Schettler aus dem ostfriesischen Ostrhauderfehn. „Hier kann sie sehen, was Aachen zu bieten hat“, erklärt sie, warum an der Euregio kein Weg vorbei ging.

Süßes Brot aus Eupen

Übrigens nicht nur, was Aachen zu bieten hat. Schließlich lautet der Name Euregio-Wirtschaftsschau und so hat die erste Partnerstadt der Messe — Eupen — einen bevorzugten Platz gleich hinter den Kassen bekommen. Eine gute Lage, wie sich zeigt, denn jeder muss hier nicht nur durch, sondern viele lassen sich gern von den Hostessen zu einem Stück „Eupener Platz“ einladen — das süße Brot ist eine Spezialität der ostbelgischen Nachbarstadt. Die Städteregion Aachen — selbst mit einem großen Stand für die eigenen Vorzüge für Radausflügler werbend — will indes auch das Augenmerk auf den polnischen Partnerkreis Jelenia Góra, ehemals Hirschberg im Riesengebirge lenken.

Zu diesem Zweck wirbt Jaroslaw Hajndrych mit schmackhaftem Riesengebirgs-Lebkuchen mit Pflaumenfüllung. Auch Eilendorf ist eine Reise wert — findet zumindest die Interessengemeinschaft der Eilendorfer Unternehmer und hat einen Teil der Halle 7 gebucht. „Wer weiß schon, dass in Eilendorf zum Beispiel Bart- und Haarpflegeprodukte produziert werden, die weltweit verkauft werden“, findet Sascha Bitz vom Vorstand der IG. Unter dem augenzwinkernden Motto „Isch kauf’ Eilendorf“ werden hier also einige Wissenslücken geschlossen.

Dafür steht auch Dr. Heiner Heimes vom „E-lab“ der RWTH. Fünf Institute forschen an dem Elektromobilitätslabor auf dem Campus Melaten rund ums Thema Elektromobilität. „Viele kommen mit Fragen nach einem Berufswechsel, nach Produktionsumstellung und Weiterbildung“, berichtet Heimes von expliziten Nachfragen zu dem Zukunftsthema. Generell findet er: „Das ist so wichtig. Das muss man doch der Euregio vorstellen!“ Goldgräberstimmung eben.

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