30 Jahre nach dem Fall der Mauer

Ausstellung in der Stadtbibliothek : Deutsche Geschichte wird begreifbar

Ein Mann steht am Straßenrand, neben sich ein überdimensioniertes Portrait des jungen Honecker. „Das Bild wollte er verkaufen“, sagt Friedhelm Petrovitsch, der mit seiner Ausstellung „30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer“ vor allem auch an die Zeit unmittelbar danach erinnern will. Eine Stadt im Umbruch: Das ist der Eindruck, der sich dem Betrachter der aktuellen Ausstellung in der Aachener Stadtbibliothek einprägt.

Baukräne ragen neben halb abgerissenen Fassaden hervor, und Neues entsteht im Schatten düsterer DDR-Architektur. Friedhelm Petrovitsch, pensionierter Lehrer aus Eschweiler, ist mit der Kamera dabei und hält seine Eindrücke fest. Dass heute von der Mauer eigentlich nichts mehr übrig ist, bedauert er. Auf seinen Bildern sind die Überreste noch zu sehen: „Blühende Landschaften“ steht auf einem großen Reststück.

Sorgfältig geparkte Trabbis, ein glänzender Mercedes vor der Mauer und im Hintergrund DDR-Bauten im Einheitslook oder der überdimensionierte Karl-Marx-Kopf in Chemnitz: Friedrich Petrovitsch ist es gelungen, den historischen Augenblick festzuhalten. Er hat schon sehr früh Erfahrungen mit Berlin und der DDR gemacht. Er und seine Schüler kehrten mit immer neuen Anekdoten von ihren Fahrten nach Berlin zurück. Und als 1989 die Berliner Mauer endgültig fiel, war Petrovitsch schnell wieder unterwegs, um seine Eindrücke fotografisch festzuhalten.

Die Ausstellung in der Stadtbibliothek erlaubt dem Betrachter den Blick auf eine Stadt, die sich nach dem Mauerfall mit einem rasanten Wandel konfrontiert sah. Nichts, was die Fotos zeigen, ist heute noch so wie es damals war. Ein Trabbi mit geöffnetem Kofferraum gibt den Blick frei auf zerbröselnde Mauerstücke, die damals hoch gehandelt wurden.

Fotos aus Chemnitz und Leipzig ergänzen die kleine Zeitreise. „Es war gerade die Entwicklung nach dem Fall der Mauer, die mich immer wieder aufs Neue angetrieben hat“, sagt der Fotograf heute. Friedhelm Petrovitsch hat sich schon von klein auf für die Fotografie begeistert.

Die in der Stadtbibliothek ausgestellten Bilder sind Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die mit einer analogen Kamera entstanden sind. Sie lassen ein Stück Geschichte lebendig werden, das nach Meinung von Bibliotheksleiter Manfred Sawallich zu den faszinierendsten Momenten deutscher Geschichte überhaupt zählt.

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