Aachen: 276 Tonnen im leichten Schwebezustand

Aachen: 276 Tonnen im leichten Schwebezustand

Als beinahe ganz Deutschland vor dem Fernseher sitzt und den Anpfiff des ersten deutschen WM-Spiels in Brasilien verfolgt, flüchten sich der Kranfahrer und sein Team in Humor. „Auch für uns ist Anpfiff“, scherzt er — nämlich um den 500-Tonnen Kran aufzubauen und für den nächtlichen Einsatz vorzubereiten.

Denn an der Weberstraße wird in der Nacht zu Dienstag damit begonnen, den Überbau der neuen Brücke herzustellen. Auch wenn die neue Brücke in der Weberstraße nur ein rein technisches Bauwerk wird, ist sie dennoch schon jetzt ein Meisterwerk.

Eine große Herausforderung: Nicht nur das immense Gewicht, sondern auch die engen Platzverhältnisse erschweren die nächtlichen Bauarbeiten an der Brücke in der Weberstraße. Foto: Andreas Cichowski

Weniger aufgrund der Architektur, sondern wegen der großen Herausforderung, die sich das Ingenieurbüro Thormählen + Peukert und das Bauunternehmen Hofschröer gestellt haben: Die alte marode Brücke über die Bahnstrecke zwischen Aachen Hauptbahnhof und Aachen Schanz musste abgerissen werden, an ihrer Stelle eine neue Brücke errichtet werden, unter engsten Platzverhältnissen.

Eine große Herausforderung: Nicht nur das immense Gewicht, sondern auch die engen Platzverhältnisse erschweren die nächtlichen Bauarbeiten an der Brücke in der Weberstraße. Foto: Andreas Cichowski

Wer die Weberstraße kennt, weiß wovon Dipl.-Ing. Schumacher, der auf dieser Baustelle Aufsicht führt, und seine Kollegen sprechen. In direkter Nähe stehen mehrere Wohnhäuser und das benachbarte Luisenhospital mit seinen 350 Betten; die Straße ist ohnehin schon recht schmal und die Anwohner möchten natürlich auch nicht auf ihren Parkplatz verzichten. Dennoch ist die schwierigste Etappe gemeistert und die Brücke schon als solche zu erkennen.

Eine große Herausforderung: Nicht nur das immense Gewicht, sondern auch die engen Platzverhältnisse erschweren die nächtlichen Bauarbeiten an der Brücke in der Weberstraße. Foto: Andreas Cichowski

Je 46 Tonnen wiegt eins der sechs Stahlbetonfertigteile, welche die Bahnlinie von Widerlager zu Widerlager überspannen. Im Werk in Nidda bei Frankfurt gefertigt wurden die Fertigteile mit sechs Spezialtransportern, teilweise mit Überbreite und in Polizeibegleitung, nach Aachen gefahren und mit dem Großkran an ihren Platz gehoben. Insgesamt 135 Tonnen Gegengewicht sind nötig, damit der Kran diese Last überhaupt stemmen kann, was nicht nur Passanten, sondern selbst die erfahrenen Arbeiter auf der Baustelle ins Staunen versetzte.

Eine große Herausforderung: Nicht nur das immense Gewicht, sondern auch die engen Platzverhältnisse erschweren die nächtlichen Bauarbeiten an der Brücke in der Weberstraße. Foto: Andreas Cichowski

Zunächst werden die Betonteile auf den beiden Widerlagern Millimeter genau abgelegt und bereits mit dem inneren Hochspannungsschutz der Brücke verbunden, um dann später mittels Beton fest mit dem Widerlager verbunden zu werden. Nur eine dünne Hartschaumschicht zwischen Überbau und Widerlager sorgt für die nötige Bewegungsfreiheit in horizontaler Richtung bei Belastung der Brücke, erklärt Schumacher.

Demnächst steht noch das Betonieren des Überbaus an, über welchen zukünftig Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer die Brücke überqueren werden. Allerdings können diese Arbeiten tagsüber ausgeführt werden und benötigen nicht die Sperrung der Bahnstrecke und das Abschalten der Oberleitungen.

Die alte Brücke der Bahnverbindung Aachen-Mönchengladbach musste abgerissen werden, weil insbesondere Korrosion der Brücke zugesetzt hat. Die neue Brücke ist 13 Meter lang und von Geländer zu Geländer 14 Meter breit, rund 2,5 Meter breiter als der Vorgänger und entspricht damit den derzeit geltenden Maßgaben der Bahn. So werden die Radgehwege breiter. Sowohl der Zeitplan als auch die Baukosten in Höhe von 1,4 Millionen Euro, die sich Bahn und Stadt Aachen teilen, konnten eingehalten werden.

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