2500 Menschen demonstrieren in Aachen gegen den Klimawandel

Demonstration in Aachen : 2500 Teilnehmer bei „Fridays for Future“

Rund 2500 Menschen haben sich am Freitag an der „Fridays for Future“-Demonstration in Aachen beteiligt. Nach einer Kundgebung vor dem Elisenbrunnen zogen sie durch die Innenstadt und zu mehreren Schulen. Neben den Schülerinnen und Schülern beteiligten sich diesmal auch viele Erwachsene an dem Protest.

An diesem Vormittag wird schnell klar, dass der Protest eine neue Dimension erreicht: Aus allen Richtungen strömen Menschen schon seit 9.30 Uhr zum Elisenbrunnen und versammeln sich vor der Rotunde, um für einen besseren Klimaschutz zu demonstrieren. Rund 2500 werden es später sein, die dem Aufruf der „Fridays für Future“-Bewegung folgen und dem Dauerregen trotzen. Damit hatten selbst große Optimisten nicht gerechnet.

Florian Graf zählt zu diesen Optimisten und kommt angesichts des Ansturms aus dem Staunen gar nicht mehr raus. „Es bewegt mich sehr, dass so viele Menschen die Bedeutung des Themas erkannt haben und bereit sind, dafür auf die Straße zu gehen“, sagt der 16-Jährige, der sich erst vor vier Wochen der Freitagsbewegung angeschlossen hatte und jetzt schon zum Organisationsteam gehört. „Es geht um unsere Zukunft“, stellt der Viktoriaschüler klar und lässt sich auch von dem steigendem Druck, der von Behörden und Schulleitungen ausgeht, nicht beeindrucken: „Die drei unentschuldigten Fehlstunden auf meinem Zeugnis sind völlig irrelevant für meine Zukunft. Ganz im Gegensatz zum Klimawandel.“

Aus den zaghaften Anfängen des vergangenen Jahres, als sich einige Dutzend Schüler zu einer Kundgebung versammelten, ist mittlerweile eine ausgeprägte Demonstration geworden. Auflagen der Polizei müssen verlesen und eingehalten werden, Fahnen und Plakate werden limitiert, und ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass Alkohol und andere Drogen verboten sind. Damit diese Botschaften auch bei allen Teilnehmern ankommen, greift Jimena Castro zum Megaphon. Auch die 15-Jährige besucht die Viktoriaschule und hat die Demonstration in ihrem Namen offiziell angemeldet. „Wir sind keine Profis“, räumt sie in Anspielung an die polarisierenden Äußerungen des FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner ein. „Aber man muss auch kein Profi sein, um zu erkennen, dass wir dringend etwas unternehmen müssen, wenn wir unsere Erde retten wollen“, fügt sie hinzu.

Fridays for Future: 2500 Menschen demonstrieren in Aachen

Es gibt lauten Beifall aus der Menge. Mit ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit beeindruckt die Jugendliche nicht nur ihre Mitschüler, sondern auch die auffällig vielen Erwachsenen, die sich an diesem „Friday for Future“ beteiligen. „Ich bin schließlich auch Schüler“, sagt augenzwinkernd Wolfgang Zimdars, der von einer Delegation seines VHS-Englischkurses begleitet wird. „Als Erwachsene sollten wir die Schüler nicht allein lassen bei diesem für die Menschheit so bedeutsamen Thema“, findet der Pensionär. Ute Jansen erinnert sich an das Jahr 2003 und die Proteste gegen den Irak-Krieg. „Damals war ich noch im Dienst und durfte mich nicht beteiligen,. Aber nach dem Unterrichtsende habe ich mich zu meinen Schülern gestellt“, erzählt die ehemalige Lehrerin.

Mütter und Väter mit unterwegs

Kein Zweifel: Da entwickelt sich eine breite gesellschaftliche Bewegung. Die wird neuerdings auch von der „Parents for Future“-Gruppe unterstützt, die sich in der vergangenen Woche in Aachen gegründet hat. Und von auffällig vielen Müttern und Vätern mit kleinen Kindern. Unterdessen sind die Mädchen und Jungen aus der Vorschulklasse der Kita „Schatzinsel“ vom Ferberweg ohne ihre Eltern unterwegs – aber natürlich mit deren Erlaubnis. „Es geht um ihre Zukunft“, sagt Erzieherin Julia Pyls, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Christina Maass und den neun Kindern ein großes Plakat für den Tag vorbereitet hat.

Mit diesem reihen sie sich in die riesige Schlange ein, die sich um kurz nach 11 Uhr in Bewegung setzt. „Heute ist ein internationaler Aktionstag. Deswegen fällt die Route besonders lang aus“, erklärt Florian Graf. Stationen sind die Viktoriaschule, das Einhard-Gymnasium, das Käthe-Kollwitz-Berufskolleg und die Maria-Montessori-Gesamtschule. Die Polizei plant nach Angaben von Sprecher Paul Kemen angesichts des Andrangs kurzfristig um. So wird beispielsweise die Theaterstraße komplett gesperrt, um Platz zu schaffen für die vielen Menschen.

„Keine besonderen Vorkommnisse“, stellt der Pressesprecher am späten Mittag fest, als sich die Demonstration offiziell auflöst hat. Und er meint damit vermutlich nicht die Veranstaltung als solche. „Heute hat die nächste Stufe des Protestes begonnen“, resümiert derweil Florian Graf. „Wir werden so lange weitermachen, bis sich in Sachen Klimaschutz endlich etwas tut.“

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