Aachen: 25 Jahre Solingen: Gedenkveranstaltung im Apollo-Kino

Aachen : 25 Jahre Solingen: Gedenkveranstaltung im Apollo-Kino

Der Film war längst zu Ende, doch die Zuschauer blieben sitzen. Nur allmählich verließen die ersten den Kinosaal. „Bedrückend“, „traurig“ oder „furchtbar“ lauten die ersten Reaktionen. Der Arbeitskreis der Integrationsräte in der Städteregion Aachen hatte eingeladen, um der Opfer rechtsextremer Gewalt zu gedenken.

25 Jahre nach dem fremdenfeindlichen Anschlag in Solingen hat das Thema nach Meinung von Demet Jawher, Vorsitzende des Arbeitskreises, nicht an Aktualität verloren. „Alltagsrassismus ist auch heute noch allgegenwärtig“, sagte sie, und mit Parolen wie „Das Boot ist voll“ würden weiterhin Ängste geschürt.

Zum Film. Katja und ihr kurdischer Ehemann Nuri kennen keine Vorurteile. Sie heiraten, bekommen ein Kind und leben eine moderne Ehe. Doch von einem Tag zum andern ist alles anders. Bei einem Bombenattentat kommen Nuri und der inzwischen sechsjährige Rocco ums Leben. Und Katja selbst hat gesehen, wie eine junge Frau ein Fahrrad mit einem seltsamen Koffer vor dem Geschäft ihres Mannes platziert hat.

Der Film „Aus dem Nichts“ geht unter die Haut, und die Zuschauer reagieren entsprechend. Mucksmäuschenstill ist es im Saal, als Katja die Todesnachricht bekommt. Was dann passiert, macht sprachlos und wütend zugleich. Obwohl Katja sehr genau weiß, wer ihre Familie getötet hat, kommen die Täter ungestraft davon.

„Wir müssen uns dafür einsetzen, dass so etwas nie wieder geschieht“, hatte Elisabeth Paul, stellvertretende Städteregionsrätin, vor Filmbeginn gefordert. Sie erinnerte an die Opfer, die vor 25 Jahren in Solingen bei einem fremdenfeindlichen Brandanschlag ums Leben kamen, und verlas einen Namen nach dem anderen.

Fünf Mädchen und Frauen starben damals in den Flammen. Und sie hob hervor, dass eine Mutter der Opfer dennoch von Versöhnung spreche. Kann es aber Versöhnung geben nach einer solchen Tat? Auch dieser Frage geht der Film nach und gibt seine ganz persönliche Antwort: Katja kann nicht verzeihen, was ihr angetan wurde, und das umso weniger, als die Täter ungestraft davonkommen. „Nuri hätte so ein ‚Rumgeplänkel‘ nie geduldet“, sagt sie an einer Stelle mit Blick auf die Gerichtsverhandlung.

Dass der Film die Sicht der Opfer zeigt, hält Elisabeth Paul für besonders wichtig. „Denn die dürfen niemals in Vergessenheit geraten“, meint auch Demet Jawher. Und der Film macht deutlich, dass die Täter in doppeltem Sinne Verwüstung hinterlassen, denn auch Katjas Herz ist zerstört. „Ich stelle mir vor, wie Rocco am Boden sitzt und Leichenteile sortiert“, sagt sie, nachdem sie vom Zustand der Leichen erfahren hat. Ihr Schmerz kennt keine Linderung, und so sprengt sie sich schließlich mit den Tätern in die Luft. Die laute Explosion und das brennende Wohnmobil lassen die Zuschauer sprachlos zurück. „Ich habe mit diesem Ende gerechnet“, sagt Zuschauerin Marketa Rybkova und bedauert gleichzeitig, dass „es kein gutes Ende ist“.

„Wir wollen unseren Blick dafür schärfen, wo das friedliche Zusammenleben von Menschen in unserer Region bedroht wird“, sagte Demet Jawher mit Blick auf die Zukunft. Ihrer Einladung ins Apollo waren zahlreiche Gäste gefolgt, insgesamt bei weitem mehr, als sie erwartet hatte.

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