Aachen: 21. Oktober 1944: Kapitulation als Keimzelle für die Demokratie

Aachen: 21. Oktober 1944: Kapitulation als Keimzelle für die Demokratie

Es war ein Bild mit hohem Symbolgehalt. Kurios — sofern man die Bezeichnung mit Blick auf die damaligen Verhältnisse so verwenden darf: Oberst Gerhard Wilck streckte am 21. Oktober 1944 aus dem Bunker an der Rütscher Straße die weiße Flagge heraus. Das Zeichen der Aufgabe gegenüber den alliierten Truppen. Und diese Flagge bestand aus — Babywindeln.

Das einzige weiße Tuch, das im Bunker aufzufinden war. Maria Bruders hat sich als Zeitzeugin an diese Begebenheit erinnert. Sie saß selbst während der für Aachen letzten Tage des Zweiten Weltkriegs im Bunker. Die Erinnerungen sind hellwach, und das ist gut so. Denn Maria Bruders hat ihr wertvolles Wissen an die Bürgerstiftung Lebensraum weitergegeben.

friedemja2 04.06.2014 70 Jahre Frieden und Freiheit in Aachen, Rohrkamp, Geupel, Quadflieg

Mit ziemlicher Sicherheit die beste Adresse, um die historischen Kenntnisse für die Zukunft zu bewahren. Die Stiftung schließt am 21. Oktober 2014 den Kreis zu jenem äußerst bedeutsamen Datum und beendet zugleich ein bemerkenswertes Projekt: „70 Jahre Frieden und Freiheit in Aachen“ lautet dessen bezeichnender Name. Die Aachener Bevölkerung ist herzlich eingeladen, das Gedenken an diesen Tag mitzufeiern.

Im Ballsaal des Alten Kurhauses an der Komphausbadstraße wird das Kriegsende in Aachen ab 12 Uhr erinnert. Die Türen sind ab 11.30 Uhr geöffnet, eine halbe Stunde später läuten alle Aachener Glocken, um an genau die gleiche Stunde vor 70 Jahren zu erinnern. „Das wird gewiss ein hochemotionaler Moment“, ist Hans-Joachim Geupel sicher. Er ist der Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Lebensraum und so etwas wie der Vater des Projektes „70 Jahre Frieden und Freiheit in Aachen“.

Ein Jahr lang hat die Bürgerstiftung jetzt gearbeitet, um die Erinnerung an das Kriegsende zu sichern und damit — so Geupel — das Bewusstsein zu schärfen, dass von Aachen aus der Gedanke von Freiheit und Demokratie weitergetragen wurde. „Die Kapitulation als Keimzelle für die Demokratie? Die Hypothese kann mit Ja beantwortet werden“, ist sich Geupel sicher.

Im Laufe der Arbeit kristallisierten sich vier Schwerpunkte heraus, die nicht nur fundiert ausgearbeitet wurden, sondern im Oktober auch in Buchform vorgestellt werden sollen. Es wurden 15 Zeitzeugen gefunden, die sich gerade zu den letzten Kriegstagen in Aachen äußern. Dr. René Rohrkamp und Dr. Peter M. Quadflieg beleuchten wissenschaftlich die Ereignisse, aber auch die Geschichtsbetrachtung in den folgenden Jahrzehnten.

Schülerinnen und Schüler aus Aachen und Arlington haben erarbeitet, welche Bedeutung das Kriegsende für sie heute noch hat. Und schließlich das genannte Buchprojekt, in dem alles zusammengefasst wird. Alles findet beim Festakt im Alten Kurhaus Niederschlag.

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