Aachen: 175 Aachener Taxis erhöhen jetzt die Tarife

Aachen: 175 Aachener Taxis erhöhen jetzt die Tarife

Die längste Taxi-Schlange der Stadt dürfte ab Montagmorgen am Gut Wolf stehen. Dort schiebt das Eichamt — das sonst nur Freitagvormittag geöffnet hat — eine Woche lang täglich Sonderschichten, weil alle Taxameter der 175 konzessionierten Aachener Autodroschken (und dazu ähnlich viele aus der Städteregion) mit den neuen erhöhten Tarifen geprüft werden müssen.

Ab Freitag läuft die Umstellung. Danach müssen Taxipassagiere tiefer in die Tasche greifen. „Bis alle Taxis mit der aktualisierten Tarifsoftware ausgestattet sind, werden aber einige Tage vergehen“, erklärt der Vorsitzende der Aachener Autodroschkenvereinigung (AAV), Christoph Rademacher.

Nach Beschlüssen des Stadtrates und des Städteregionstages steigt der Grundpreis auf 3,80 Euro (bisher 3 Euro). Das Kilometerentgelt beträgt dann werktags 1,90 Euro (statt 1,60 Euro) und nachts sowie an Feiertagen 2 Euro (statt 1,70 Euro).

Der Großraumtaxizuschlag (ab fünf Personen) wird von 6 auf 7 Euro angehoben, pro Stunde Wartezeit sind 30 Euro (bislang 26 Euro) und für Stornierungen 5 Euro (vorher 2,50 Euro) fällig. Die Städteregion ist ein sogenanntes Pflichtfahrgebiet mit einheitlichen Taxitarifen für Aachen und die neun Kommunen im früheren Kreis Aachen.

Die Erhöhungen um durchschnittlich 20 Prozent wären bereits vor sieben Monaten nötig gewesen, kritisiert Rademacher. Seit Jahresbeginn sorgt der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde für erhebliche Mehrkosten bei den Taxi-Unternehmern. „Viele Kollegen agieren seit Monaten ganz nahe am Existenzminimum. Wir können nicht anders, wir mussten die Taxitarife erhöhen“, wirbt der AAV-Vorsitzende um Verständnis.

Völlig unverständlich ist Rademacher unterdessen, dass sogenannte Mietwagen — die Billigkonkurrenz der Taxis — nicht konsequenter kontrolliert werden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dort überall Mindestlohn gezahlt wird. Außerdem benutzen viele Mietwagen in Aachen Busspuren — etwa am Elisenbrunnen und auf dem Willy-Brandt-Platz. Das ist verboten“, kritisiert er. Auf diese Weise würden Mietwagen Abkürzungen fahren, die eigentlich nur Taxis und Busse nutzen dürfen.

„Wenn Mietwagen wie alle anderen Pkw nur normale Straßen nutzen würden, dann wären deren Preise aufgrund der im Vergleich zum Taxi längeren Wegstrecken kaum noch günstiger“, erläutert Rademacher. Seine Taxi-Kollegen würden oft beobachten, wie Mietwagen-Fahrer am Straßenrand oder vor Diskotheken auf Kunden warten, schildert er. „Auch das ist verboten. Mietwagen dürfen nur nach telefonischem Auftrag zum Kunden fahren und müssen nach der Tour an ihren Ausgangspunkt zurückkehren. Aber so nehmen die uns unter Umgehung der Vorschriften unsere Fahrgäste weg — was die Ordnungsbehörden offenbar nicht unterbinden“, moniert der AAV-Chef.

In Kürze ist dazu ein Gespräch mit Oberbürgermeister Marcel Philipp vereinbart, um zu erörtern, wie etwaige Missstände beseitigt werden können. „Sonst steuern wir auf die Pleite zu“, sagt Rademacher. Daran könnten die höheren Tarife nichts ändern.

Mehr von Aachener Zeitung