Kultureller Freiräume dank „Krach-Parade“?: 1500 tanzen für mehr Engagement in der Klubszene

Kultureller Freiräume dank „Krach-Parade“? : 1500 tanzen für mehr Engagement in der Klubszene

Nahezu pünktlich zum Start der ersten Aachener „Krach Parade“ beginnt es zu regnen. „Das macht gar nichts, dann tanzen wir eben in den Regen“, sagt Mona Heyenrath, die gemeinsam mit ihren Freunden am Super C auf den Start der Tanzdemo wartet.

Vier geschmückte Fahrzeuge stehen bereit, und aus den Lautsprechern wummern die Bässe. „Wir wollen für kulturelle Freiräume eintreten“, sagt Tobias Schäfer von „Krach“. Die Stadt mache zwar schon einiges, räumt er gleich ein, aber es könnte doch vieles noch besser werden.

Sorgen macht ihm und seinen Mitstreitern vor allem, dass in Aachen immer mehr Clubs verschwänden und die kulturelle Szene zunehmend ärmer werde. Mit der Tanzdemo wollten kulturelle Organisationen wie The Base, Krach, Niemandsland, Musikbunker oder das Musiknetzwerk Muna an „Vergangenes erinnern, auf Bestehendes hinweisen und dazu motivieren, Schritte in kulturelles Neuland zu wagen“.

Die Idee kommt offensichtlich gut an. Nora Gablik ist auf Facebook aufmerksam geworden und hat zum ersten Mal überhaupt auf diesem Wege eine Einladung verschickt. Jetzt steht sie gemeinsam mit Mona Heyenrath und einer Gruppe von Freunden unter einem Baum und wartet darauf, dass es los geht.

Regen ist egal

Vom Regen jedenfalls wollen sie sich nicht schrecken lassen. Sich mit einer Tanzdemo für die Kultur einzusetzen, halten alle gleichermaßen für eine gute Idee. Das wird die Organisatoren Tobias Schäfer und Tim Montag freuen. „Auf Facebook haben im Vorfeld bereits 3000 Leute Interesse an der Veranstaltung bekundet“, sagt Schäfer. Mit vollen Bässen setzt sich der Zug schließlich in Bewegung. An Stationen wie Markt, Bastei, Elisenbrunnen, Theaterplatz, Bahnhof, Frankenberger Park und schließlich im Moltkepark machen die Demonstranten Halt, um auf ihre Forderungen und Ideen hinzuweisen.

Zwei Monate Arbeit

Und schließlich sind es rund 1500 Personen, die mit der „Krach Parade“ in den Regen tanzen. Laut Schäfer haben rund 40 Leute zwei Monate lang daran gearbeitet, dass die Tanzdemo ein Erfolg wird. Friedlich weisen die Kulturfans immer wieder auf ihre Wünsche hin, und das kommt auch bei den Passanten, an denen die „Krach Parade“ vorbeizieht, gut an. „Es hat alles wunderbar geklappt“, sagt Schäfer später und ergänzt: „Besonders wichtig war uns, positiv zu sein und nicht nur zu kritisieren, sondern zu sagen, was wir uns vorstellen können.“

Demnach wünschen sich die Kulturschaffenden vor allem mehr Freiräume. Um ihren Forderungen Nachdruck verleihen zu können, sollten sie sich in einem Gremium organisieren, meint Schäfer. So etwas wie ein „Nachtbürgermeister“ könnte dort dann der Ansprechpartner für die Belange der Kulturszene sein.

Alle in der Pflicht

Und dabei sieht Kultur-Kollektive gar nicht so sehr die Stadt Aachen in der Pflicht, sondern vor allem auch die Leute selbst. Sie sagt: „Das Erschließen und Ausleben von kulturellen Räumen ist die Sache aller.“

Und auch wenn der Wettergott die Geduld der Besucher durchaus auf die Probe stellte, ließen sie sich nicht abschrecken. Tobias Schäfer und seine Mitstreiter hoffen, dass es nicht bei diesem einen Mal bleibt. Die „Krach Parade“ soll noch viele Wiederholungen finden,