Aachen: 1400 Helfer ebnen die Wege in den Landtag

Aachen: 1400 Helfer ebnen die Wege in den Landtag

46 Stunden bevor die Urnen in 161 Anlaufstellen zwischen Walheim und Richterich „scharf” gemacht werden, steht Amtsleiter Michael Riese längst unter Strom. Dass es beim freundlichen Handschlag an diesem Morgen kurz, aber heftig knistert, liegt nicht unbedingt allein am taufrischen Teppich in den Büros des Wahlamts an der Habsburgerallee 11.

Auch der wird allerdings schon mächtig strapaziert. Thomas Littfin ist einer von rund 33.000 Aachenern, die bereits die ersten Etappen im Endspurt der Politiker Richtung Landesparlament abgesteckt haben. Der Krefelder Student und „Erstwohnsitzler” hat sein Votum soeben per Briefwahl direkt bei einem der rund 40 Mitarbeiter abgegeben, die zwei Tage vor dem großen Polit-Showdown alle Hände voll zu tun haben.

Jetzt müssen sich auch die übrigen Nachzügler in Sachen vorgezogene Stimmabgabe sputen, die ihre Kreuzchen noch nicht eingetütet und losgeschickt haben. Das Wahlamt ist auch am Samstag noch von 8 bis 16 Uhr geöffnet und für dringende Anfragen per Telefon erreichbar (432-1209 oder 432-1217). Und bis Sonntag, 18 Uhr, sind neben den Türen der Stimmlokale auch die Briefkastenschlitze am Verwaltungsgebäude neben dem Hauptbahnhof und im Rathaus weit offen, betont Riese.

18,8 Prozent schon „im Kasten”

„Bereits vergangenen Montag haben wir ebenso viele Anträge auf Briefwahl gezählt wie bei de„r Landtagswahl 2005 insgesamt”, berichtet Rita Klösges vom städtischen Pressebüro. Vor fünf Jahren hatten im Ganzen „nur” 29.689 Bürger die Unterlagen abgerufen, weil sie am alles entscheidenden Sonntag anderweitig unterwegs oder sonstwie verhindert waren. Das waren immerhin bereits 17 Prozent der seinerzeit 172.716 Bürger mit Anspruch auf Abstimmung. Angesichts von inzwischen gut 176.000 potenziellen Wahlberechtigten - darunter 16400 Erstwähler für NRW - liegt die Quote der Vorab-Voten diesmal sogar bei knapp 18,8 Prozent.

Auf gepackten Koffern sitzt allerdings auch Wahlamtsleiter Riese. Eine kleine Legion der großen grauen Behältnisse - bestens bestückt mit brandaktuellen Wählerverzeichnissen - wartet bereits im Nebenzimmer darauf, in rund 40 öffentliche Gebäude chauffiert zu werden, die am Sonntag, 8 bis 18 Uhr, die Pforten in Richtung Wahllokale öffnen. Insgesamt sind morgen nicht weniger als 1400 größtenteils ehrenamtliche Helfer im Einsatz, damit der Urnengang reibungslos über die politische Bühne gebracht wird.

Die steht ab 18 Uhr vor allem an der Monheimsallee. Denn wegen der Vorbereitungen zur Karlspreisverleihung am Donnerstag ist der Krönungssaal einmal mehr nicht als traditioneller Versammlungsort fürs Happening in Sachen Hochrechnungen verfügbar. „Sobald die Wahllokale schließen, kann man den Stand der Auszählung im Foyer des Eurogress auf drei Mal vier Meter großen Leinwänden verfolgen”, verspricht Rita Klösges. Neben reichlich Polit-Prominenz und (je nach Parteipräferenz) mehr oder minder gut verdaulichem Info-„Fastfood” wartet genügend Ess- und Trinkbares auf Zuspruch.

Sollten sich in der Auszählung - was durchaus nicht unwahrscheinlich ist - die Landtagsaspiranten der großen Parteien das eine oder andere Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, dürften die Direktkandidaten für den Einzug ins Düsseldorfer Parlament nicht vor 21 Uhr, spätestens gegen 21.20 Uhr feststehen. Andernfalls wird bereits gegen 20 Uhr mit einem zuverlässigen Ergebnis gerechnet. Klar ist einstweilen: Unabhängig vom Ausgang in Aachen haben nur Armin Laschet und Reiner Priggen ihre Mandate praktisch bereits in der Tasche. Denn maßgeblich sind und bleiben auch hier: die Zweitstimmen der Wähler. Und der amtierende CDU-Minister Laschet rangiert auf Listenplatz 5 seiner Partei, Grünen-Fraktionsvize Priggen belegt Platz 2. Bei der SPD stehen Karl Schultheis auf Platz 44, Claudia Walther auf Platz 73.

Ansonsten gilt selbstverständlich: Bis die Wahllokale am Sonntag um 18 Uhr schließen, bleiben noch ein paar nicht ganz unerhebliche Fragen offen im Polit-Krimi namens Landtagswahl 2010...

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