Aachen: 1000 Gläubige erleben bewegende Osternacht im Dom

Aachen: 1000 Gläubige erleben bewegende Osternacht im Dom

Es war eine bewegende Osternacht, die etwa 1000 Gläubige am Ostersamstagabend im Aachener Dom miterlebten. Kein Glockengeläut hatte dazu eingeladen, waren doch seit dem Gloria in der Messe am Gründonnerstagabend als äußeres Zeichen der Trauer über den Tod Jesu Orgel und Glocken verstummt. Das Innere des Domes lag in völliger Dunkelheit. Aber hell loderte im Domhof das Osterfeuer auf, an dessen Flammen die Osterkerze nach der Segnung entzündet wurde.

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Im Halbkreis hatten sich Bischof Heinrich Mussinghoff, seine neun Konzelebranten, 20 Ministranten und einige Gläubige zur Segnung der Kerze aufgestellt. „Die Kirche gedenkt in dieser Osternacht des Heilswerkes Christi, der von den Toten auferstanden ist und zum Leben wiedererweckt wurde“, soagte der Bischof. In stiller Prozession wurde dann die Kerze in den Dom getragen und machte dabei an drei Stationen Halt: im Eingangsbereich, unter dem Barbarossaleuchter und an den Stufen des Altars. „Lumen Christi“ („Licht Christi“) — „Deo gratias“ (Dank sei Gott“) wurde dabei gesungen — und von der Flamme der Osterkerze aus wurde das Licht mehr und mehr an die Kerzen der Gläubigen im dicht besetzten Dom weitergereicht. Heller und heller wurde es, und die frisch gereinigten Mosaike erstrahlten.

Den Menschen zu helfen, sich ihres Wertes und ihrer Würde bewusst zu werden, dazu rief Bischof Mussinghoff in seiner Predigt auf. „Würde, Wert und Zuwendung - dieser Dreiklang hat hohe Bedeutung für das Leben der Menschen“, sagte er wörtlich. Zwar könnten wir nicht wie Gott durch unsere Zuwendung Menschen ins Dasein rufen, aber wir könnten ihnen helfen, sich ihres Wertes und ihrer Würde bewusst zu werden. Wir lebten nicht, um uns tot zu arbeiten oder gar tot zu ärgern. Wir lebten nicht, um am Ende in der Erde verscharrt oder im Krematorium verbrannt zu werden.

„Unser Leben wird hell durch die Botschaft der Auferstehung“, so der Bischof. Wert und Würde des Menschen seien darin begründet, vor Gottes Angesicht zu leben und nicht durch Vermögen, Ansehen in der Gesellschaft, politische oder wirtschaftliche Macht. Sie würden auch nicht durch Krankheit oder Behinderung beeinträchtigt. Die Lehre vom lebensunwerten Leben stehe daher auch in krassem Widerspruch zum christlichen Menschenbild. Die Zuwendung zum Menschen aber nehme in pädagogischen, sozialen oder pflegerischen Berufen Gestalt an, wie auch in der Familie, in Diensten der Gemeinde, in weltweit aktiven Hilfswerken. Überall da seien die Christen gerufen, wo menschliches Leben durch Hunger, Krankheit oder Unterentwicklung bedroht sei.
Grandioses Finale

Stille Andacht, Besinnung und tiefe Ernsthaftigkeit stand während der zweieinhalbstündigen Feier der Osternacht den Menschen ins Gesicht geschrieben. A-cappella-Gesänge begleiteten die Verkündigung des Osterlobs und die Lesungen aus dem Alten Testament. Erst zum Gloria wurde der Dom mehr und mehr erleuchtet, ließen die Ministranten die Schellen scheppern, und Orgelklänge sowie das Domorchester, verstärkt durch Pauken- und Trompetenklänge, leiteten zur fünften Lesung über, in der Paulus den Römern verkündete, dass die Menschen durch die Taufe wie Christus auferstehen werden.

Bischof Mussinghoff segnete das neue Taufwasser, gemeinsam wiederholten alle das Taufversprechen. Danach ging der Bischof die Gläubigen mit dem Sprengel segnend durch Oktogon und Chorhalle. Domorganist Norbert Richtsteig begleitete um Mitternacht auf der Orgel den Auszug des Bischofs und der Konzelebranten mit einem grandiosen Finale.

Es war eine emotional bewegende Osternacht, die etwa 1000 Gläubige am Ostersamstagabend im Aachener Dom miterlebten. Foto: Martin Ratajczak
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