100 Jahre Waldorfschulen: Ministerin Yvonne Gebauer zu Gast in Aachen

Waldorfschulen feiern 100 Jahre alternative Schulbewegung in der Aula Carolina : Aachener Schule gut für die Zukunft aufgestellt

Schulministerin Yvonne Gebauer ist Ehrengast in Aachen bei der Feierstunde der lokalen Waldorfschulen und Kindergärten. In der Aula Carolina feiern sie gemeinsam die Gründung der ersten Waldorfschule vor 100 Jahren in Stuttgart. Bunte Ausstellung gibt Einblick in die Arbeit der Reformpädagogik.

Das Interesse an alternativen Schulformen ist ungebrochen. Die Aula Carolina platzt aus allen Nähten, als NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) aufs Podium kommt: „Ich bin nicht bange um die Zukunft der Waldorfschulen in NRW.“ Sie seien eine Bereicherung für die Schullandschaft und ergänzten diese mit einem Angebot, das vielen Eltern wichtig sei, sagt sie am Samstagnachmittag.

Gebauer freut sich, dass es 57 gut laufende Schulen im Bundesland gibt, die nach dem Reformpädagogen Rudolf Steiner arbeiten. Die Ministerin fühlt sich sichtlich wohl und plaudert unbefangen mit Christian von Wernsdorff, Französischlehrer an der Aachener Waldorfschule, Klaus Dosch, Vater und ehrenamtlicher Vorstand der Schule, Mona Nellessen und Jakob Souvignier, die dieses Jahr ihr Abitur an der Schule machen.

Von Wernsdorff sieht den Erfolg von Waldorf in den Zentralpfeilern der Schule. Den Zugang zur eigenen Mitte finden, eigene Gefühle erkennen lernen. Das sei elementar, um den Schülern dabei zu helfen, ihren eigenen Weg zu gehen. Den Anstieg von psychischen Krankheiten in der Gesellschaft erklärt er sich mit einem Mangel an Erkenntnis über die eigenen Wünsche und Fähigkeiten. Viele Menschen wählten falsche Berufe aus den falschen Gründen. Waldorf helfe dabei, solche Lebensentscheidungen im Einklang mit sich selbst zu fällen.

So sieht es auch Klaus Dosch. Der Vater arbeitet im Vorstand der Schule eng mit der Geschäftsführung zusammen. Anders als die staatlichen Schulen wirtschaften Waldorfschulen mit einem eigenen Budget, das zu 13 Prozent aus Beiträgen der Eltern besteht. „Wir haben Fett angesetzt,“ so Dosch. Jedes Jahr erreichten die Waldorfschüler in Aachen einen Abiturschnitt über dem Landesdurchschnitt. Die Schule habe sich noch nie gefragt, welche Schüler die Gesellschaft gerade brauche, sondern was die Schüler brauchen, um im Leben zu bestehen. Damit gehe Waldorf mit der Zeit: die Mitarbeiter von Facebook und Google im Silicon Valley schicken ihre Kinder auf die örtlichen Waldorfschulen, so Dosch.

Zahlreiche Infostände in der Aula Carolina informieren über die Waldorfpädagogik und die Aktionen und Projekte der Aachener Waldorfschule. Foto: Heike Lachmann

Mit Programmier- und Robotikunterricht sei die Waldorfschule Aachen gut für in Sachen Digitalisierung aufgestellt, findet Jakob Souvignier. Er macht dieses Jahr an der Waldorfschule Abitur und möchte Psychologie studieren. „Wir lernen unseren Standpunkt vor der Klasse zu vertreten, eben weil wir alle so unterschiedlich sind.“

Lob der Ministerin

Die Ministerin lobt den selbstbewussten Auftritt der Schüler. Waldorf helfe, die eigene Persönlichkeit herauszubilden. Mona Nellessen wünscht sich, dass das in der Gesellschaft stärker anerkannt wird. Auch Jakob Souvignier steht voll hinter Waldorf, fordert aber mehr Initiative der Waldorf-Community. „Wir machen da schon was richtig Gutes aber wir müssen damit auch mehr rausgehen,“ so Souvignier. Waldörfler blieben gerne unter sich. Der Abiturient wünscht sich mehr Projekte mit anderen Schulen.

Aber jetzt geht es erstmal an die Abiturprüfungen und danach fährt der Jahrgang nach Malta. In der Aula bricht Jubel unter den Schülern aus. Die anstehende Abifahrt begeistert das Publikum mit Abstand am meisten.

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