Herzogenrath: Linke diskutiert über Inklusion frei nach Karl Marx

Herzogenrath: Linke diskutiert über Inklusion frei nach Karl Marx

Inklusion ist derzeit nicht nur bei Bildungsexperten ein heiß diskutiertes Thema. Das zeigte sich auch bei der jüngsten Podiumsdiskussion der Linken-Fraktion in der Städteregion in der Roda-Schule in Herzogenrath. „Eine Gesellschaft für Alle — Es ist normal, anders zu sein!“, hatte die Partei ihren Diskussionsabend überschrieben.

Im Vordergrund stand dabei nicht nur die Umsetzung in den Schulen der Städteregion, sondern auch die „Konstruktionsfehler und Schwierigkeiten“, die sich aus dem jetzigen Planungs- und Sachstand ergeben.

Erfinder der Inklusion

„Zur Inklusion bedurfte es nicht der UN-Behindertenrechtskonvention für ein integratives Bildungssystem“, sagte Harald Siepmann, Fraktionsvorsitzender der Linken im Städteregionstag. Für ihn entspricht Inklusion vielmehr der politischen Philosophie des 19. Jahrhunderts, in der schon Karl Marx Bildung nach Fähigkeiten und Bedürfnissen gefordert habe.

Auch Walter Lohne, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Regionalverband Aachen, sagte, dass das Ziel des gemeinsamen Lernens und Lebens nicht neu sei: „Denn die eigentlichen Erfinder von dem, was heute Inklusion heißt, sind die Eltern.“ So habe die Elternbewegung gegen Aussonderung von Kindern mit Behinderungen mehr als 35 Jahre Erfahrung mit gemeinsamem Unterricht. „Es geht dabei um die Steigerung der Bildungs- und Lebensgestaltungsmöglichkeiten für alle Kinder“, sagte Lohne, was schließlich zu einer humaneren Schule und letztlich einer humaneren Gesellschaft beitragen könnte.

Leistungsdruck, Lernklima

Dass das ohne ideologische Motivation erreicht werden müsse, hob Veronika Buszewski vom Linken Landesvorstand hervor. Parteikollege Manfred Lutter redete über Leistungsdruck, Lernklima und Unterstützungsbedarf von Kindern mit einem Handicap, Wolfgang Blaschke von den Elternverbänden „Gemeinsam leben — gemeinsam lernen“ sprach sich gegen das dreigliedrige Schulsystem aus.

„Da Kinder und Jugendliche mit Behinderungen das Recht auf gemeinsamen Unterricht mit allen anderen haben, ist nicht plausibel, warum nicht auch die schwächeren Schüler das Recht auf gemeinsamen Unterricht mit den Besten haben“, sagte er.

(mabie)
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