Aachen: „Licht brennt, bis der Ü-Wagen explodiert”

Aachen : „Licht brennt, bis der Ü-Wagen explodiert”

Watt? Als viele der 1400 Gäste nach der Ordenssitzung die Lampen anhaben, knipst der Mann im Wolfgang-Niedecken-Look das Licht aus. Hunderttausend Watt. Alle Highlights im Kasten. Chefkameramann Gregor Gäb nippt am Kölsch und strahlt wie eben seine Fernsehbilder.

„Wenn´s Licht so brennt, dass der Ü-Wagen explodiert - dann kommt´s rüber”, sagt der 42-Jährige, der sonst den Rockpalast für den WDR in Szene setzt. „Und hier brennt´s aber sowas von!” Recht hat er. Der Kölner fühlt sich jetzt pudelwohl im proppenvollen Foyer des Eurogress. Alle Anspannung wie weggeblasen.

„Dat is in Kölle echt nich besser”, lächelt er am frühen Sonntagmorgen. Und wundert sich ehrlich wider den tierischen Ernst. Denn so unverhofft Kölner Lob für die Festsitzung des Aachener Karnevalsvereins klingt, so hymnisch preisen jetzt entzückte Zuschauer vor dem Europa-Saal bei der Aftershow-Party den Abend der Heldin: Ordensritterin Fürstin Gloria von Thurn & Taxis. Nicht nur sie lässt vorlaute Kritiker erblassen. Gäb genießt´s.

„Ein bisschen Spaß muss sein”, gurgelt Roberto Blanco dazu im roten Jackett von der Bühne. Zahllose dunkle Anzüge, dralle Abendkleider und drollige Kostüme tanzen davor. Jeck sind sie alle. Die Ausnahme-Stimmung der schwungvollen Festsitzung bewegt das Party-Volk tatsächlich bis tief in den frühen Sonntagmorgen - Stunden länger als in den meisten Vorjahren der edelsten Jecken-Show Aachens, sagen erfahrene Besucher. Als es draußen hell wird, feiern die VIPs in der Quellenhof-Bar weiter.

Irgendwie fahren sämtliche Gäste auf Gloria ab - auch wenn der 180-Euro-Sitzplatz zuvor keine Garantie für schnelle Bedienung war. Ein Stündchen Wartezeit für ein Fläschchen Wein darf´s da schonmal sein. Egal. Blau im Blut ist heute Sache der Fürstin. Gloria macht ihre Gastgeber trunken vor Glück. Sie ist zauberhaft, hinreißend - und wirklich witzig! „Sie ist ein Glücksfall. Mit ihr haben wir einen Riesen-Schritt nach vorne gemacht”, resümiert AKV-Präsident Horst Wollgarten nach seinem Moderations-Debüt.

Dann machen sogar die Strunx-Moderatoren ein ungewöhnliches Kompliment locker: „Wenn wir nicht gerade unseren alternativen Prinzen abgeschafft hätten, die Gloria hätten wir mit Kusshand genommen”, sagt Rudi Zins. Und Manni Hammers fügt neidlos hinzu: „So eine bombastische Stimmung habe ich hier noch nie erlebt.” Richtig Krach haben sie gemacht, die erlauchten Gäste des AKV vor der Spanplatten-Kulisse auf der Bühne.

Auf der hier jeder Protagonist offenbar aus ganz eigenem Holz geschnitzt ist. Splitter gefällig? Jürgen Beckers brilliert als Saaldiener, Choreographin Marga Render lässt ihr Tanz-Ensemble TN Boom in atemberaubende Outfits schlüpfen - Josef, Jupp und Jüppchen, Märchenprinz Max und sein Vater, Prinz Frank II., halten humorvoll Hof. Und nach Dirk von Pezolds Lennet Kann dürfen sich dutzende Miniaturausgaben seiner Figur - nämlich die Kinder der Grundschule Passstraße - über eine Spende in Höhe von 3333 Euro freuen.

„Zweifellos eine der schönsten Sitzungen, die ich je erlebt habe”, sagt Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden später. „Super-Ritterin, hohes Tempo, klasse Präsident - da gab´s nur Höhepunkte”, sagt er. „Fantastisch, echte Frauenpower, die hier für einzigartige Stimmung gesorgt hat”, erklärt Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Dass nicht jeder auf Vorjahres-Ritter Joachim Hunold fliegt, ist angesichts der flotten Show mit grandiosen Einfällen schnell vergessen.

Apropos: Gästen mit karnevalistischen Textschwächen ließen die Macher keine Chance. Weil jeder Öcher Liedtext erstmals riesengroß auf Leinwände an den Wänden des Festtempels geworfen wurde. Technik-Chef Bernd Krumbach freut sich noch Stunden nach dem Schlussapplaus: „Das ist die Handschrift eines Regieteams, das an jedes Detail gedacht hat.”

Uwe Brandt, Ulf Dietrich und Grenzlandtheater-Intendant Manfred Langner zeichnen für Drehbuch und Inszenierung verantwortlich. Auch sie wirken nach der umjubelten Sitzung wie erlöst. „Das Elite-Image des AKV ist völliger Quatsch”, betont Langner. „Hier sind alle mit so viel Herzblut dabei und krempeln ehrenamtlich die Ärmel hoch - einzigartig.” Als er das sagt, gibt´s keinen Tusch, aber dem ein oder anderen Mithörer im Foyer, der die AKV-Zukunft einst düster sah, geht wohl ein Licht auf. Und das Fernsehen strahlt´s aus. Wat will man mehr?