Heinsberg: „Leuchtturm” der Kultur nicht nur für Region

Heinsberg: „Leuchtturm” der Kultur nicht nur für Region

Ein wenig mehr Begeisterung, als in der gemeinsamen Sitzung des Ausschusses für Kultur, Partnerschaft und Tourismus des Kreises Heinsberg und des Schul- und Kulturausschusses der Stadt Heinsberg im Kreishaus bei der Vorstellung des „Masterplans” zutage trat, hätte das Begas-Haus schon verdient gehabt.

Solch eine einstündige Power-Point-Präsentation, mit der das neue Museumskonzept für das ehemalige Kreismuseum vorgestellt wurde, ist vielleicht nicht dazu angetan, Begeisterung zu wecken - doch was entsteht da gerade im historischen Kern der Stadt Heinsberg mit vereinten Kräften der Stadt, des Kreises Heinsberg und der Kreissparkasse Heinsberg - ein „Leuchtturmprojekt” für die Region, wie es landauf, landab kein zweites gibt.

Ob dieses „Leuchtturmprojekt”, wie das Begas-Haus überregional schon bezeichnet wird, nun Teil der Kulturhauptstadt Europas 2018 im Rahmen der Bewerbung „Maastricht und die Euregio Maas-Rhein” wird oder auch nicht, der Kreis Heinsberg wird mit seinem neugestalteten und um 260 Qua-dratmeter erweiterten ehemaligen Kreismuseum in einer Reihe stehen mit hochwertigen kulturellen Einrichtungen der Euregio.

Ausschussmitglied Hedwig Klein wollte nach der Vorstellung des Konzeptes für das Begas-Haus durch Peter Bürger von der Agentur Bürger Albrecht und Partner aus Wuppertal wissen, was denn wohl passieren würde, wenn die noch fehlenden 675- bis 920 000 Euro für die Ausstattung des Museums nicht aufzutreiben seien.

Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann verwies darauf, dass die Stadt Heinsberg die Sanierung des „Haus Lennartz” schon mit mehr als 3,3 Millionen Euro dank der Beteiligung des Bundes und des Landes von 80 Prozent der Gesamtkosten „gestemmt” habe und dass der Trägerverein Museum Heinsberg die bauliche Sanierung des „Torbogenhauses” sowie den Betrieb des Museums mit Eigenmitteln in Höhe von 1,2 Millionen Euro im Griff habe.

Auch Landrat Stephan Pusch zeigte sich sehr optimistisch, dass mit dem vorliegenden Konzept für das Begas-Haus Sponsoren gefunden werden können. Und schließlich müssten sich die politisch Verantwortlichen fragen, ob sie dieses Museum wollen oder nicht.

Die Neukonzeption des Museums „Begas-Haus, Museum für Kunst und Regionalgeschichte Heinsberg” sieht nach mehr als 60 Jahren erfolgreicher Ausstellungstätigkeit im ehemaligen Kreismuseum Heinsberg einen grundlegenden Neuanfang vor. Die Restaurierung des Kreismuseums hatte Anfang 2011 dazu geführt, dass unter maßgeblicher finanzieller Beteiligung der Stadt Heinsberg, des Kreises Heinsberg und der Kreissparkasse Heinsberg die Trägerschaft in den neu gegründeten „Trägerverein Museum Heinsberg e.V.” überführt wurde.

Künftiger Schwerpunkt der Präsentation im Haus Begas ist die so umfangreiche wie bedeutende Sammlung zur Künstlerfamilie Begas. „Stammvater” dieser Dynastie von Malern, Grafikern und Bildhauern war der 1794 in Heinsberg geborene Carl Joseph Begas d. Ä., der sich 1825 in Berlin niederließ und dort als königlich-preußischer Hofmaler sowie als Professor der Akademie der Künste wirkte. Aber auch das Schaffen seiner vier gleichfalls künstlerisch tätigen Söhne sowie deren Nachkommen wird ausführlich dokumentiert werden.

Der thematische Rundgang wird mit markanten Stationen die Kunst- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts in insgesamt zehn Räumen am Beispiel der Familie Begas thematisieren. Sonderabteilungen zur Archäologie, zur Regionalgeschichte und zur Kirchengeschichte sind in den Rundgang durch insgesamt zehn Museumsräume eingebettet.

Das Begas-Haus verbindet „Kunstmuseum” und „Historisches/Archäologisches Museum” und stellt damit ein überregional einzigartiges Alleinstellungsmerkmal dar, das weit über den bisherigen Ausstellungsschwerpunkt hinausgeht. Eine eigene Abteilung wird auch künftig den erfolgreichen Wechselausstellungen des Museums mit zeitgenössischer Kunst aus Heinsberg und dem Umkreis sowie zu vertiefenden regionalhistorischen Themen vorbehalten bleiben.

Etwa 90 Prozent der künftig ausgestellten Kunstwerke stammen aus dem eigenem Museumsbestand, der gerade erst wieder durch den Ankauf zweier Bilder von Carl Joseph Begas d.Ä. und Oscar Begas bereichert wurde. Die Neuankäufe wurden mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Sparkassen-Kunststiftung des Kreises Heinsberg und der Kunststiftung NRW realisiert. Der Bestand wird ergänzt durch Leihgaben der Alten Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, des Stadtmuseums Berlin, der Berlinischen Galerie und der Hamburger Kunsthalle.

Anträge auf Finanzierung gestellt

Zur Kostendeckung der Neueinrichtung des Museums sind derzeit folgende Anträge auf Teilfinanzierung gestellt oder in Vorbereitung: Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland, Landschaftsverband Rheinland, Ernst von Siemens Kunststiftung München, Kulturstiftung der Länder Berlin, Kunststiftung NRW Düsseldorf und Nordrheinwestfalen-Stiftung Naturschutz Heimat- Kulturpflege Düsseldorf.

Eine Mitgliedschaft im gemeinnützigen Trägerverein Museum Heinsberg e.V. kostet einen Jahresbeitrag von 50 Euro. Ansprechpartner sind Dr. Rita Müllejans-Dickmann, Tel.: 02452/134011 und Dr. Wolfgang Cortjeans, Tel.: 02452/134039.

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