Kunstgeschichte(n): Leuchtende Edelsteine, ein neuer Kunsthort, Abschied im Tuchwerk

Kunstgeschichte(n) : Leuchtende Edelsteine, ein neuer Kunsthort, Abschied im Tuchwerk

Seit zehn Jahren pflegt Gold- und Silberschmied Benedikt Förster-Heyne den Dialog mit anderen Kulturschaffenden. Das Atelier Pasch schließt derweil mit einer hochkarätigen Schau.

Der Kultur mehr Raum geben, Schmuckentwürfe im Dialog mit bildenden Künstlern schaffen, aber auch Musik, Gesang und Gespräch pflegen: Das ist das Ziel von Gold- und Silberschmied Benedikt Förster-Heyne, der zusammen mit seiner Ehefrau Maria Regina Heyne eine Idee umsetzt, die beide schon lange hatten: Im Parterre ihres Wohnhauses in der Harscampstraße 52b gestalten sie den „Raum für Kultur“, der demnächst für Überraschungen sorgen soll und zugleich für Künstlerisches vermietet werden kann.

Hier gibt es während der Aachener Kunstroute (24. und 25. September, Station 43) zur Eröffnung eine Schmuckkunst-Retrospektive aus zehn Jahren gegenseitiger künstlerischer und handwerklicher Inspiration, die man mit Werkstatt-Ausstellungen vorstellen konnte. Zuvor findet bereits in der Gold- und Silberschmiede, Klosterplatz 1, bis Ende Oktober eine weitere Ausstellung mit Kunst und Schmuck statt, bei der Förster und sein Team durch Malerei von Sabine Odensaß inspiriert wurden.

Impressionen aus der Natur und faszinierende Veränderungsprozesse setzt die Künstlerin mit hochpigmentierter flüssiger Acrylfarbe oder Tusche sensibel um – eine fluide Ästhetik ist ihr Ziel. Dem antwortet Förster mit durchscheinenden, farblich abgestimmten Steinen und sachlichen Formen. Da leuchtet vom Plakat ein roséfarbener Turmalinkristall, findet man neben Gold und Silber diesmal auch Opale, Rubine, Saphire, Perlmutt und Aquamarine (www.raum-fuer-kultur.eu, www.aachenerkunstroute.de, www.goldschmiede-foerster.de).

Zwei gute Freunde treffen sich, und eine Künstlerin, die den temperamentvollen Umgang mit Farbe und Formen liebt, kommt aus dem französischen Burgund dazu. Im Atelier Pasch im Tuchwerk Soers (Strüverweg 116) ist die aktuelle Ausstellung zugleich ein Abschied. „Wir müssen aus persönlichen Gründen schließen“, sagt Barbara Pasch. „Die Miete, die Mühen mit den Werken, das wird uns zu viel, was wir sehr bedauern.

„In Bewegung“ ist der Titel der letzten Ausstellung, in der Werke des Vaters Clemens Pasch (1910-1985) zusammen mit Arbeiten seines langjährigen Freundes und Kollegen Georg von Kováts (1912-1997) sowie die emotionsstarken Bilder der Schweizerin Stéphanie Bucher (Jahrgang 1968) eine spannende Symbiose eingehen.

Die Malerin und Malpädagogin kam über die Arbeit mit psychiatrischen Patienten zur Kunst, in der sie ein „neues Verständnis der Realität“ sieht. Die formalen Gestalten des pflanzlichen Gewebes spielen dabei eine Rolle. Wandlungsprozesse haben auch Pasch und von Kováts durchlaufen, die unter anderem gemeinsam in der namhaften „Darmstädter Sezession“ mitwirkten – aber auch lange Wanderungen unternahmen.

Pasch als großartiger Maler, seine Rückenakte, die er mit Pastellkreide rund und lebendig gestaltete, stehen in der Ausstellung neben seinen lebensfrohen, vielfach nachdenklich-ironisch blickenden Mädchen und Frauen.

In der Abstraktion fand Georg von Kováts seine Sprache, nachdem er klassisch figürlich gearbeitet hat. Im Atelier Pasch sieht man einige seiner reifsten Stücke. Dort drückt er das Wesen einer Figur in harmonisch weichen, verschlungenen Rundungen aus, die zum Berühren verlocken. Es sind konvexe und Konkave Formschwünge, die jedes Werk zum Leben erwecken und hin und wieder an Hans Arp oder Henry Moore denken lassen.

Das Atelier nimmt an der Aachener Kunstroute (24./25. September, 11-18 Uhr) teil. Finissage ist am 8. Oktober, 15 Uhr. Geöffnet ist mitwochs und freitags, jeweils 15 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr (www.tuchwerk-aachen.de).