Leserbriefe zu den Themen Tiere und Lebensmittel: Zu wenig Schutz, zu viel Konsum

Leserbriefe zu den Themen Tiere und Lebensmittel : Zu wenig Schutz, zu viel Konsum

Die Haltung von wilden Tieren im Zirkus, Arbeitsbedingungen in der fleischverarbeitenden Industrie, Verschwendung von Lebensmitteln einerseits und Konsumverzicht andererseits: Themen, die unsere Leser bewegten.

Sven Reichert aus Linnich meldet sich zum Text „Zeit von Giraffen, Elefanten & Co. im Zirkus läuft ab“ über eine neue Verordnung, die die umstrittene Haltung von Wildtieren in reisenden Zirkussen einschränkt und strenger regelt, zu Wort:

Verwirrt oder überrascht – ich weiß nicht, was meine Gedanken besser beschreiben soll, als ich gelesen habe, dass Bundesagrarministerin Julia Klöckner und die CDU ein (eingeschränktes) Wildtierverbot fordern. Frau Klöckner, die CDU und das Wildtierverbot haben doch schon eine lange Vorgeschichte, die bis jetzt anders verlief.

Blicken wir ins Jahr 2017: Ein gemeinsamer Antrag der Grünen und der Linken wurde abgelehnt. Obwohl die SPD in einer Pressemitteilung vom 12. Juni 2016 noch sagte „Die SPD-Bundestagsfraktion setzt sich seit langem für ein Wildtierverbot im Zirkus ein. Eine artgerechte Haltung von Wildtieren ist im Zirkus nicht möglich – und auch ohne Wildtiere bietet der Zirkus genügend Attraktivität. In der Gesellschaft ist die Einsicht gewachsen, dass eine artgerechte Haltung von Wildtieren im Zirkus nicht möglich ist – leider blockiert die Union auf Bundesebene das sinnvolle Verbot“, stimmte die SPD auf Wunsch der Koalitionspartner CDU/ CSU mit Nein.

2019: neues Jahr, neues Glück. Es gab einen erneuten Vorstoß der Grünen für ein Wildtierverbot. Frau Klöckner und das Landwirtschaftsministerium argumentierten, dass „tierschutzgerechte Haltung von Wildtieren auch in einem Zirkus mit wechselnden Standorten möglich sei“.

Auch in den Jahren 2013 und 2016 gab es ähnliche Bundestagsbeschlüsse, und plötzlich kommt eine solche Forderung nun aus Richtung der CDU ... Stimmungswechsel? Corona? Oder doch nur ein Versuch, grüne Wähler zu gewinnen? Ich weiß es nicht. Auch wenn es nur eine abgespeckte Version eines richtigen Wildtierverbotes ist, ist es ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Horst Kurig aus Aachen betont anlässlich des geplanten Wildtierverbotes:

Es ist eine Heuchelei und Verlogenheit, wie Frau Klöckner und die sogenannten Tierschützer den Tierschutz hochjubeln. Diese Herrschaften sollten erst einmal dafür sorgen, dass der Gesetzgeber Tiere wie Lebewesen behandelt. Zurzeit werden Tiere in unserer Rechtsprechung als Ware behandelt!

Arnold Krieger aus Stolberg befasst sich mit einem Arbeitsschutzkontrollgesetz für die Fleischindustrie, das Werkverträgen vorschreibt und Leiharbeit nur in Ausnahmefällen erlaubt:

Der von der Fünf-Prozent-Partei FDP getriebene NRW-Ministerpräsident Armin Laschet wackelt mal wieder und richtet das Fähnchen nach dem Wind. Die vor Monaten noch von ihm unterstützte Abschaffung von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischindustrie ist plötzlich nicht mehr gewünscht. Hier hat die Fleischlobby, unterstützt von der FDP, wieder ganze Arbeit geleistet. Lobbyismus nennt man das wohl. Zur Erinnerung: Diese Fünf-Prozent-Partei hat sich bei der letzten Bundestagswahl der Verantwortung entzogen, ließ mit AfD-Hilfe in Thüringen ihren Kandidaten Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten wählen, servierte kürzlich ihre Generalsekretärin Linda Teuteberg öffentlich in geradezu menschenverachtender Weise durch ihren Vorsitzenden Christian Lindner ab. Jener Lindner, der sich mit Parteikollege Kubicki die tägliche Präsenz in den Talkshows teilt. Im Verbund mit diesen Partei­freunden zieht die NRW-FDP Herrn Laschet am Nasenring durch die Manege. Und bei der nächsten größeren Ansteckung in der Fleischindustrie wird das Fähnchen halt wieder gedreht.

Gerd Bangel aus Baesweiler teilt zwei Beobachtungen:

2018, Sankt-Martinsszug: Ein Kind bekommt eine Brezel vom Reitersmann, beißt rein und sagt der Mama: „Schmeckt nicht.“ Die Brezel liegt auf der Straße, Mama sagt nichts. Ein alter Esel hebt die Brezel auf. Was wird aus solchen Kindern? Die Kehrseite dieses „Reichtums“ 2020: Eine alte Frau kommt in eine Bäckerei und fragt nach Brotkrümeln, die Verkäuferin: „Leider nein, kommen Sie gegen Abend wieder.“ Ich frage mich: Ist diese Welt noch in Ordnung? Die Lebensmittel, die wir heute vernichten, werden wir eines Tages mit blutigen Händen suchen. Das sind Sachen, die sich mir ins Gehirn eingebrannt haben.

Helmut Wiedemann aus Raeren schlägt angesichts des Gender-Sprechs vor:

Unsere selbsternannte Sprachpolizei hat noch etwas übersehen: den Muskelkater. So geht es nicht weiter mit der Diskriminierung von Katzen. Es geht hier ums Tierwohl! Also demnächst: MuskelkaterMuskelkatze oder flüssiger: Muskelkatzenkater.

Willi Packbier aus Eupen betont:

Wir leben in einer Zeit, in der sich viele Dinge mit einer gewissen Eigendynamik dramatisch verändern. Neben Corona ist vor allem der Klimawandel allgegenwärtig. Es fehlt nicht an Konzepten, an Rezepten, um diese Herausforderung in den Griff zu bekommen. Viele Menschen sind überfordert und haben keine innere Klarheit ob dieser Problematik. Meine tiefste Überzeugung kann ich mit dem Wort „weniger“ definieren. Weniger heißt nicht, anstelle von Produkt A Produkt B zu konsumieren. Weniger bedeutet, etwas ersatzlos zu streichen. Ein solcher Ansatz wird zwar oft als Verzicht abgewertet. Hier muss ich heftig widersprechen. Weniger kann auch ein Mehr an Lebensqualität bedeuten. Wobei ich mir da­rüber im Klaren bin, dass diese Philosophie praktiziert zu Riesenproblemen führt. Jedoch ist diese Philosophie nach meiner Meinung zum Erhalt einer dauerhaften Lebensgrundlage auf unserem Planeten alternativlos.