Leserbriefe zum Thema Natur: Umdenken für Mensch und Tier

Leserbriefe zum Thema Natur : Umdenken für Mensch und Tier

Eine Freigabe von Hanf-Produkten, die Haltung von Delfinen in Gefangenschaft, der Umgang des Menschen mit unserem Planten: Mehrere Einsendungen von Lesern befassten sich mit Themen rund um die Natur.

Fritz Cremer aus Stolberg beschäftigt sich mit dem Bericht „Hanf-Hype treibt seltsame Blüten“ über den Trend von nicht berauschenden Cannabis-Produkten:

Die komplette Freigabe des Hanf-Anbaus in Deutschland ist überfällig! Neben den als bekannt vorauszusetzenden ökologischen Vorteilen sollte man dabei auch durchaus an die ökonomischen Vorteile denken. Das Verbot datiert aus einer Zeit, als die Landwirtschaft erst auf dem Weg zur Industrialisierung war. Demnach gibt es bis heute keine Maschinen, die zur Nutzung des Hanfs eingesetzt werden könnten. Gerade der deutsche Maschinenbau würde enorm davon profitieren, wenn Maschinen gebraucht würden, die den Hanf ernten, die Samen (Hanfsamen enthalten zum Beispiel dreimal so viel Öl wie etwa Rapssamen) von den Pflanzen trennen, die Blätter von den Stängeln (die Stängel dienen zur Gewinnung von Fasern und Stoffen) und so weiter. Und sollten tatsächlich einige Leute psychoaktiven Hanf anbauen – so what? Gekifft wird in Deutschland auch mit Anbauverbot.

Romy Liessem aus Aachen geht auf das Interview „Junge Delfine starten von Null auf 100“ mit dem Tierpfleger Roland Edler, der vor zwei Monaten im Duisburger Zoo bei der Geburt eines Delfines dabei war, ein:

Eine auch nur annähernd artgerechte Haltung von Delfinen in Gefangenschaft ist nicht möglich. Auf engstem Raum fristen noch immer acht Delfine ein elendes Dasein im Delfinarium des Duisburger Zoos. Bis zu dreimal am Tag müssen sie die immer gleichen albernen Kunststücke aufführen, um die Besucher zu unterhalten. Statt in den Weiten des Meeres zu jagen, dümpeln sie in einem engen Betonbecken. Über 60 Meeressäuger sind mittlerweile im Zoo Duisburg gestorben, der damit als größter Delfinfriedhof Europas gilt. Delfine sind hochintelligente Säugetiere mit einem Ich-Bewusstsein und einer eigenen individuellen Persönlichkeit. Die überaus klugen Meeresbewohner leben in hoch komplexen sozialen Familienverbänden, sogenannten Schulen, zeigen untereinander enormes Einfühlungsvermögen und geben sich individuelle Namen. Man weiß heute, dass die Tiere sogar um ihre Toten trauern. Viele Wissenschaftler sprechen sich mittlerweile dafür aus, Delfinen den Status von „nichtmenschlichen Personen“ zuzusprechen. Delfine erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 55 Kilometern pro Stunde, können bis zu 500 Meter tief tauchen und haben Streifgebiete von etwa 300 Quadratkilometern. Eine artgerechte Haltung dieser Tiere ist unmöglich. In Gefangenschaft leiden Delfine enorm unter der räumlichen Enge, der Bewegungseinschränkung, Langeweile und dem Fehlen einer natürlichen Sozialstruktur. Verhaltensstörungen und Aggressionen sind die häufige Folge, die dann mit Psychopharmaka behandelt werden. Kein Becken der Welt kann diesen Tieren genug Raum bieten, um ihre Arteigenschaften voll ausleben zu können. Höchste Zeit, dass dieses Tierleid ein Ende hat! Das Delfinarium im Duisburger Zoo muss geschlossen werden. 70.000 Menschen haben diese Petition bereits unterzeichnet.

Horst Ziegahn aus Erkelenz hat unseren Fernsehtipp „Ökozid“ gesehen, der noch bis zum 18. Februar 2021 in der ARD-Mediathek angeschaut werden kann:

Ein fantastischer Film! Fantastisch, weil er in der Zukunft 2034 spielt, fantastisch aber auch, weil in der ARD ein politik- und merkelfeindlicher Film gezeigt wurde. Endlich wurde zur besten Sendezeit einmal der Lobbyismus, der eigentlich die Bundesrepublik regiert, offen gezeigt. Wirtschaftliche Interessen überschatten alles – alles andere ist zweitrangig. Leider wurde kurz vor Schluss Angela Merkel auf einen edlen Hocker gehoben, indem sie plötzlich als reuige Sünderin ihre bewusst von der Lobby bestimmten Regierungsentscheidungen bereut. Da ging die Fantasie zu weit, denn dass Frau Merkel ihre falsche, umweltschädliche Automobil-, Atom-, RWE- und Wirtschaftspolitik bereut, glaubt selbst in einem Fantasiefilm niemand.

Rolf Lüning aus Stolberg hat sich Gedanken zum Thema Verzicht gemacht:

Die Spezies „Mensch“ ist die Krönung der Schöpfung – sagt der Mensch von sich selbst. Er hat tatsächlich Großartiges geschaffen und das Leben für viele angenehm werden lassen. Der Mensch hat jedoch auch einen entscheidenden Mangel, der ihn in ferner Zukunft an den Rand der Existenz bringen wird – und den Großteil der Tierwelt dazu: Er kann nicht verzichten. Er ist gewohnt, dass in Zukunft alles größer, schneller, schöner, luxuriöser etc. wird. Man geht mit seinen Ansprüchen an die Grenzen des noch Bezahlbaren, oft auch darüber hinaus. Für die Industrie zählt nur ein Umsatzplus, viele Konzerne wollen weltführend sein. Freiwillig auf etwas verzichten, zum Beispiel einen bescheideneren Lebensstil, eine kleinere Wohnung, ein kleineres Auto und dergleichen, liegt uns nicht. Verzicht wird nur erzwungenermaßen ausgeübt, etwa alters- oder krankheitsbedingt, durch Kriege, Pandemien, Ernährungs- oder Rohstoffmangel. Aber die Ressourcen unserer Erde sind begrenzt, und sie wird in den Meeren und an Land mit Kunststoffen, Plastik und Synthetiktextilien zugemüllt. Wir wissen zwar, was zu ändern wäre, aber es wird nichts freiwillig und viel zu wenig angeordnet unternommen (ein bisschen Recycling, Verbot von Plastik­trinkhalmen, Plastikcampinggeschirr). Kostet Geld und Arbeitsplätze etc. sind die Argumente. Regierungen zögern, konsequent die erforderlichen Anordnungen durchzusetzen – es könnte Wählerstimmen kosten. Strukturänderungen (E-Mobilität, erneuerbare Energien) werden weltweit nur zögerlich umgesetzt. Hinzu kommt, dass sich Verbesserungen für heutige Einschränkungen erst in Zukunft auswirken würden. Ist Steigerung die einzige Richtung, die der Mensch kennt, die dann in einer der oben erwähnten Katastrophen endet? Es ist höchste Zeit für ein Umdenken.