Leserbriefe: Neid, Rendite und Rechnungen

Leserbriefe : Neid, Rendite und Rechnungen

Milliardäre werden noch reicher, die Riesterrente schützt nicht vor Altersarmut und gegen drei Mitarbeiter des Studierendenwerkes wurde wegen des Verdachts auf Betrug seitens der Staatsanwaltschaft ermittelt. Unsere Leserinnen und Leser reagieren auf diese Meldungen.

Gerhard Korbanek aus Herzogenrath hat sich Gedanken gemacht zur Meldung „Milliardäre noch reicher geworden“:

119 deutsche Milliardäre sind noch reicher geworden – ja und? Soll das jetzt Neid, Missgunst produzieren? Oder vielmehr Ansporn sein? Denn ich kenne – persönlich – keine Milliardäre, auch nur wenige Millionäre – und die sind auch nur Vermögens-, nicht Einkommensmillionäre. Kennen sie Milliardäre persönlich? Also kann Neid(-schüren) kein Grund für diese Nachricht sein. Neiden könnte ich höchstens den Reichtum (allgemein: den Erfolg) eines anderen, den ich irgendwie kenne, und der in der Vergangenheit mir mal ähnlich war. Er war mein Mitschüler, mein Nachbar, mein Arbeitskollege. Von nichts kommt nichts. Und Reichtum kommt vom Sparen, nicht vom Geldausgeben. Wer heute mehr hat, bei dem wurde in der Vergangenheit eben konsequent gespart – durchaus auch generationenübergreifend. Und nicht auf Sparbüchern. Wer mehr verdient, als er (natürlich auch sie) sinnvoll konsumieren kann, kann nicht anders, als über die Jahre vermögender zu werden. Also Ansporn? Ja! 100 Euro monatlich gespart (nach heutigem Geldwert), zwischen Lebensjahr 18 und 68 ergibt ein Vermögen von mehreren 100.000 Euro. Und niemand möge sagen, er/sie könne keine 100 Euro monatlich sparen. Beim jetzigen Mindestlohn würde das im Minijob elf Stunden Arbeit im Monat bedeuten. Altersarmut wäre dann übrigens kein Thema mehr.
Noch zwei Plattitüden: „Geld allein macht nicht glücklich“ und „Der Bauer muss erst säen, bevor er ernten kann.“ Säen als Synonym für „sich wertvoll machen für Arbeitgeber“ oder „einfach mehr arbeiten“. Aua?

Judith Palm aus Aachen befasst sich mit dem Text „Großbaustelle Rente“ zum Thema Altersvorsorge:

Sie schreiben „… und schließlich schützt die Riesterrente nicht zielgenau vor Altersarmut, da Arbeitnehmer mit geringem Einkommen die Sparverträge gar nicht füllen können“. Zum einen hat die Riesterrente nicht den Anspruch, vor Altersarmut zu schützen – sie ist als ein zusätzlicher Baustein in der Rentenvorsorge zu sehen. Um vor Altersarmut zu schützen, wäre eine mutige und drastische Rentenpolitik nötig. Das Arbeitnehmer mit geringem Einkommen wenig profitieren, ist schlichtweg falsch. Nehmen wir einmal das Beispiel einer Arbeitnehmerin, die ein Bruttogehalt von 12.000 Euro im Jahr verdient und ein Kind hat. Diese Arbeitnehmerin muss, um den Vertrag zu füllen, den Mindestjahresbeitrag von 60 Euro einzahlen und bekommt dann eine staatliche Zulage von 475 Euro im Jahr geschenkt. Ich finde eine Förderquote von etwa 790 Prozent sehr lukrativ!

Der zweite Punkt ist die Rendite von Riesterverträgen. Wenn die Politik an der Beitragsgarantie festhält, dann kann in der aktuellen Zinslandschaft keine Rendite erzielt werden, aber die eingezahlten Beiträge sind sicher. Die Vorschläge einiger Politiker, die Garantie auf 80 Prozent der eingezahlten Beiträge zu senken, begrüße ich, denn dann ist eine gewisse Renditechance gegeben. Beides, Garantie und Rendite, ist nicht möglich. Die Deutschland-Rente zusätzlich einzuführen, ist eine andere Form der Beitragserhöhung, aber keine mutige Rentenreform. Aufgrund der Demografie können wir der jungen Generation nicht noch mehr Abgaben auferlegen, deshalb führt kein Weg an einer echten Reform vorbei. Wenn die Bevölkerung immer älter wird, dann kann der Generationenvertrag in der jetzigen Form nicht funktionieren, wenn das Renteneintrittsalter nicht angepasst wird oder andere zusätzliche Stellschrauben, wie beispielsweise eine Mindestbeitragsdauer, eingeführt werden.

Kurt Grass aus Geilenkirchen reagiert auf den Leserbrief mit dem Titel „Deutliche Abschreckung für Betrüger“ von Dr. Heinz-Josef Jagdfeld aus Aachen:

Herr Dr. Jagdfeld hat es richtig erkannt: Es sind Betrüger! Solche Personen gehören strafrechtlich verfolgt. Ich erinnere an den Zeitungsartikel in Ihrer Zeitung vom 6. Oktober 2016 (Anm. d. Red.: Der Bericht hieß „Offene Rechnungen und ein Verdacht“). Bereits damals wurde gegen drei Mitarbeiter des Studierendenwerkes wegen des Verdachts auf Betrug seitens der Staatsanwaltschaft ermittelt, das Verfahren jedoch im Juli 2018 mit der Begründung des fehlenden Vorsatzes bei Vertragsschluss eingestellt. Mit solchen Argumenten hätte jeder Kriminelle den Freispruch in der Tasche, weil er ja bei Geburt nicht vorhatte straffällig zu werden. Wenn Herr Jagdfeld fordert, dass die Politik hier dringend etwas ändern muss, wäre das zwar gut und schön, jedoch genauso müßig wie der Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln. Im Falle des Studierendenwerkes habe ich den Eindruck, als wenn alle denkbar möglichen Institutionen wie Ministerium, örtlich tätige Politiker und zugleich Vorsitzende des Verwaltungsrats sowie eben auch die Staatsanwaltschaft selbst sich schützend vor die Einrichtung des Studierendenwerks stellen.