Leserbriefe zum Thema Kindesmissbrauch: Denn die Dämonen für die Kinder bleiben ihr Leben lang

Leserbriefe zum Thema Kindesmissbrauch : Denn die Dämonen für die Kinder bleiben ihr Leben lang

Die Tragweite der aufgedeckten Missbrauchsfälle in Münster, Lügde und Bergisch Gladbach sorgt in ganz Deutschland für Entsetzen. Viele fordern härtere Strafen für die Täter. Hier die Leserbriefe zum Thema.

Rosemarie Nagel aus Hürtgenwald reagiert auf die Leserbriefe von Peter Maaßen aus Jülich und Willi Packbier aus Eupen mit dem Titel „Keine zweite Chance für Pädophile, die Kinder haben auch keine“:

Ich kann mich den Stellungnahmen der beiden Herren nur anschließen. Es ist vielleicht nur ein kleines Zeichen, wenn fast die ganze Seite wieder mit den Stellungnahmen zu Corona und Problemen der Lehrer ausgefüllt wird  und der Kindesmissbrauch nur ganz knapp am unteren Rand der Seite für zwei Lesebriefe Platz findet (Anm. d. Red.: Wir hatten bereits eine Leserbriefseite am 19. Juni im Blatt mit dem Titel „Leid der Opfer und Strafen für die Täter“, die überwiegend das Thema Kindesmissbrauch behandelte). Entweder finden sich zu wenig Mitglieder unserer Gesellschaft,  die sich zu diesem Thema zu Wort melden, oder, sollte es so sein,  ist das Thema nicht aktuell genug? Es ist erst wenige Tage her, da haben zwei Männer an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten in unserer Nähe den Versuch gewagt, Kinder anzusprechen. Wozu wohl? Würde man sie erwischen, würden sie angeklagt – und sie erhielten Bewährung.

Nein, ich kann nur den Herren zustimmen und mich der Forderung nach direkter, harter und schneller Bestrafung anschließen. Ihnen dürfte keine zweite Chance bei diesen Verbrechen eingeräumt werden. Der Schutz unserer Kinder sollte unser oberstes Gebot sein. Vor Jahren hat sich die Gesellschaft heftiger und lautstarker für den Schutz ungeborenen Lebens eingesetzt. Wir müssen uns für die Bildung unserer Kinder einsetzen, richtig, aber wir müssen auch dafür sorgen, dass unsere Kinder erst einmal geschützt so weit kommen, dass sie in eine Schule gehen können und ihre Leben nicht vorher zerstört werden.

Ursula Stüttgen aus Simmerath geht auf den Bericht „Zwei Prozesse, drei Angeklagte, ein Opfer“ ein:

Das elfjährige Mädchen ist jahrelang missbraucht worden. Das Martyrium lässt sich nicht in Worte fassen. Pädophile Männer, die auch noch „Freunde“ der Eltern waren! Wie kann man dies begreifen? Es ist nötig, diese schrecklichen Taten künftig wie Totschlag einzustufen. Unsere Innenminister haben versprochen, sich gegen den Missbrauch der Kinderpornografie einzusetzen! Aber es passiert nichts, sondern es wird weiter diskutiert. An die Verantwortlichen: Fangt endlich an, unsere Kinder zu schützen! Sie sind der Ausblick auf die Welt von morgen!

Karl-Heinz Mader aus Jülich reagiert auf die Leserbriefe unter dem Titel „Leid der Opfer und Strafen für die Täter zum Thema Kindesmissbrauch:

Es geht endlich weiter. Durch Corona rückte die Berichterstattung über Missbrauch von Kindern in den Hintergrund. Jetzt wird nicht mehr von Vergehen, sondern von Verbrechen gesprochen. Die Kirche lebt bis jetzt weiter in einem Klima von Verdrängen, Wegsehen und Versetzungen. Die Taten werden lediglich in Zahlen ausgedrückt. Was wirklich passierte, sehen wir jetzt endlich in den Berichten der Medien. Doch was macht die Kirche nach über zehn Jahren Beratung? Sie drückt die Schmerzensgeldforderungen um ein Vielfaches und vergleicht sich in der Begründung mit staatlichen Schmerzensgeldzahlungen. Eine Institution, die sich mit niemandem vergleicht und eigene Gerichtsbarkeiten hat. Die Täter in den Reihen der Kirche haben eine besondere Form des Vertrauens in ihrem Amt den Kindern gegenüber missbraucht. Der moralische Anspruch der katholischen Kirche ist hier entscheidend. Darin liegt die besondere Schwere der Taten. Deshalb ist es ein Hohn, sich an die sogenannten gesetzlichen Vorgaben anzulehnen, um Opfer zu entschädigen. Das erschüttert weiterhin das Vertrauen in die katholische Kirche seitens der Opfer und auch vieler Gläubigen. Die verbalen Entschuldigungen machen das Bild nicht besser. Das Leid der Opfer dauert ein Leben lang. Wer die Möglichkeit einer Therapie ergreift, dem wird sicherlich etwas geholfen. Die Dämonen bleiben.