1. Leserbriefe

Leserbriefe zum Thema Fluglärm: Das Dröhnen über den Köpfen

Leserbriefe zum Thema Fluglärm : Das Dröhnen über den Köpfen

Nach den Ausbau-Plänen für den Lütticher Flughafen kommt mit der angekündigten Verlegung von 25 Tornados und bis zu 450 Bundeswehr-Angehörigen auf den Fliegerhorst in Nörvenich eine weitere Störquelle hinzu. Das Thema Fluglärm beschäftigt auch unsere Leserinnen und Leser.

Christina Paulson aus Kreuzau meldet sich zum Text „25 Tornados und 450 Soldaten nach Nörvenich“ zu Wort:

Mit Wut und großer Verärgerung habe ich den Bericht über die Verlagerung von 25 Jets und 450 Soldaten im nächsten Jahr von Büchel in Rheinland-Pfalz in unsere Nachbargemeinde Nörvenich zur Kenntnis genommen. Was soll uns denn hier in der Region noch alles an Fluglärm zugemutet werden? Reicht es nicht, dass man wegen des nächtlich dröhnenden Lärms des tieffliegenden Frachtverkehrs von und nach Köln-Bonn in vielen Nächten kaum schlafen kann und tagsüber die bereits hier stationierten Düsenjets von und nach Nörvenich über uns hinwegdonnern, so dass man bei den Starts und Landeanflügen kaum sein eigenes Wort versteht? Dazu kommt bei schönem Wetter – insbesondere an den Wochenenden – noch der private Sportflugverkehr von und zum Sportflughafen in Solling. In kleinen Maschinen knattern dann Einzelpersonen zu ihrem Privatvergnügen durch die Luft und behelligen mit ebenfalls erheblichem, weitreichendem und langanhaltendem Lärm Tausende Menschen, die eigentlich die herrliche Natur und die Ruhe wenigstens am Wochenende genießen möchten. Und jetzt sollen noch 25 weitere Jets in Nörvenich hinzukommen?! Dann dürfte es hier gar keinen ruhigen Tag mehr geben. Als wären unsere Nerven im Moment nicht schon genug mit einem ganz anderen Problem mehr als strapaziert. Ich appelliere dringend an die Politiker des Kreises Düren, ihre Stimmen gegen eine weitere, wenn auch nur vorübergehende Zunahme des Fluglärms in unserer Region zu erheben. Es reicht bereits jetzt! Wir haben die Ohren mehr als voll – Fluglärm macht krank!

Bernd Bremen aus Aachen äußert sich ebenfalls zum Artikel „25 Tornados und 450 Soldaten nach Nörvenich“:

Die geplante Verlegung der genannten Bundeswehreinheiten von Büchel nach Nörvenich hat die Ursache, dass die Luftwaffenbasis Büchel von 2022 bis 2026 umgebaut wird. Die Baumaßnahmen stehen im Zusammenhang mit der nuklearen Aufrüstung der Nato. Die bislang in Büchel gelagerten Atomsprengköpfe werden durch neue, in ihrer jeweiligen Sprengkraft steuerbare und wesentliche zielgenauere ersetzt. Außerdem soll die Bundesluftwaffe neue, milliardenschwere Trägersysteme, also Bomber, erhalten, welche die atomaren Massenvernichtungsmittel an ihr Ziel befördern sollen. Trotz UN-Atomwaffenverbotsvertrags macht die Bundesregierung damit deutlich, dass sie nicht gewillt ist, auf die Atombewaffnung im Rahmen der nuklearen Teilhabe zu verzichten. Sie handelt damit völkerrechtswidrig! Wenn diese Einheiten im kommenden Jahr nach Nörvenich verlegt werden, dann bedeutet das nicht nur „deutlich mehr Fluglärm“. Dieser wird sich nach Angaben der Regierung im Dürener Raum tatsächlich verdoppeln: von durchschnittlich 3500 Flugstunden 2019 auf dann rund 7000 Flugstunden, sondern in Nörvenich wird Alltag, was Ihre Zeitungen im Oktober 2020 „über eine geheime Nato-Übung“ unter anderem in Nörvenich berichtete: „Luftwaffe trainiert für den Atomfall“ (Anm. d. Red.: Der Bericht war am 15. Oktober 2020 in unserer Zeitung veröffentlicht). Angesichts der weltpolitischen Spannungen und der damit verbundenen weltweiten Hochrüstung sollte diese Entwicklung im höchsten Maße beunruhigen. Dem sollten wir nicht länger tatenlos zusehen.

 Dr. Thomas Schmeink aus Aachen reagiert auf den Artikel „Der Ausbau schmeckt nicht allen“ über den Ausbau des Aéroport de Liège sowie auf die sich darauf beziehenden Leserbriefe mit der Überschrift „Lärm und Gefahr von oben“:

Erfreulicherweise wird jetzt die Problematik des zunehmenden Fluglärms im Süden Aachens deutlicher thematisiert. Insbesondere startende Frachtflieger schrauben sich quälend langsam, aber laut auf ihre Zielflughöhe und passieren dabei in noch niedriger Höhe den Süden Aachens. Dieses geschieht wegen der Nachtfluggenehmigung des Flughafens Lüttich durchgehend. Für die Zukunft besteht aber keine Aussicht auf Verbesserung der Situation, da Firmen wie Alibaba und Amazon (Neuansiedlung Avantis) einen Expansionswunsch bezüglich der Frachtflüge geäußert haben, was für den Flughafen Lüttich aus wirtschaftlicher Sicht ja Sinn macht. Die Voreifel mit ihrem ausgewiesenen Natur- und Sternenpark (Lichtschutz) verkommt allmählich zu einem ungeschützten Industriegebiet. Große Mischwaldflächen wurden zur Erstellung von Windkraftanlagen im Wald gerodet, die Windräder emittieren besonders nächtlichen Zusatzlärm sowie Lichtschmutz durch die Leuchtfeuer. Die Erdbebenmessung an der Dreilägerbach-Talsperre als Vorwarneinrichtung wird beeinträchtigt. Jetzt kommt eine erhebliche und zunehmende Fluglärmbeeinträchtigung (besonders des Nachts dann auch im Naturpark bei etwa 65 Dezibel) hinzu. Natürlich hat kein Anwohner (Mensch und Tier) das Recht gepachtet, bis zum Sankt Nimmerleinstag in unberührten Verhältnissen leben zu können. Aber die Peu-à-peu-Kumulation der schädigenden Einflüsse, gerade in einem ausgewiesen naturbelassenen Bereich, stellt die schleichende Gefahr dar. Besonders bei der jetzt neu angetretenen grünen Stadtverwaltung darf man doch die Hoffnung hegen, dass diese Probleme gesehen werden. Ist denn wegen des zunehmenden Fluglärms seitens der Stadt schon etwas Handfestes unternommen worden? Was sagen Nabu, BUND, Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt?