Leserbriefe zum RWTH-Jubiläum: Außenwirkung und Fassade

Leserbriefe zum RWTH-Jubiläum : Außenwirkung und Fassade

Das 150-jährige Bestehen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, kurz RWTH, beschäftigte unsere Leser.

Ralf Schröder aus Aachen befasst sich mit dem Interview „Ein ­RWTH-Rektor, der der Stadt Beine macht“ mit Ulrich Rüdiger:
Mit RWTH und IHK setzen sich aktuell zwei Akteure für eine Verkehrswende ein, denen niemand vorwerfen wird, auto- oder wirtschaftsfeindlich eingestellt zu sein. Man beginnt zu hoffen, dass der über die Parteien der bisherigen großen Koalition lancierte Straßenkampf um jeden Parkplatz und um jeden Quadratmeter Pkw-Fahrbahn der Erkenntnis weicht, dass städtische Räume zugunsten der Lebensqualität anders genutzt werden müssen. In der Vergangenheit hat es der in seiner Bedeutung stark überbewertete Aachener Einzelhandel mit seiner Lobby vermocht, das motorisierte Befahren sämtlicher Flächen als menschenrechtliche Frage zu definieren. Jeder Gedanke an Wandel galt im adenauer’schen Sinne als Frevel an einer heiligen Ordnung. Deren Paragrafen sahen nicht vor, dass schlicht immer mehr Menschen mit dem Fahrrad mobil sein wollen und dass dafür entsprechend Platz geschaffen werden muss. Mehr noch: Alle Erfahrung zeigt, dass der umweltfreundliche Radverkehr besonders schnell wächst, wenn sichere Wege angeboten werden. Nach dem eindeutigen Votum bei der Kommunalwahl wünsche ich mir in diesem Sinne deutlich mehr Dynamik – gerne auch mit Experimenten, die auf diese oder jene Weise klüger machen.

Eberhard Burlet aus Aachen schlägt zum Interview vor:

Da bräuchte Herr Rüdiger nicht weit zu laufen, um Dinge zu sehen, die ihm missfallen (sollten). Seit Jahren wirbt die Exzellenz-Universität mit defekter und schäbig geflickter Beleuchtung am SuperC. Die Stadt hat die ähnliche Beleuchtung am Hauptbahnhof zumindest nach Hinweisen, wo man Ersatz bekommt, repariert. Dann gehe ich bei all dem Tatendrang davon aus, dass auch das SuperC bald wieder strahlt ...

Hans Hilger aus Aachen meint zum Gespräch „Ein Rektor, der der Stadt Beine macht“:

Natürlich ist es zutreffend, dass die RWTH in vielerlei Hinsicht wichtig ist. Ebenfalls ist es aber auch richtig, dass die TH trotz ihrer Bedeutung auch nur ein Teil der Stadt ist. Mindestens ebenso viele, wenn nicht mehr Menschen haben keine Beziehung zur Hochschule und gehören nicht zum Netzwerk. Dies ist meines Erachtens insbesondere im Hinblick auf die Größe Aachens im Verhältnis zur Größe der Hochschule bedeutsam: Die Stadt besteht nicht nur aus der Hochschule. Daher muss die Kommune alle Aspekte und Glieder der Stadtgesellschaft im Auge behalten, die an der urbanen und heterogenen Entwicklung des Gemeinwesens teilnehmen. Ironischerweise ist es der RWTH in den dem Jubiläum vorausgehenden Jahren trotz aller Ingenieurskompetenz nicht gelungen, das Hauptgebäude oder das Kármán-Forum bis zum Geburtstag zu sanieren. Die flugs angebrachte Christo-Verpackung soll wohl vergessen lassen, dass ein Gerüst über Jahre das Gebäude zierte, ohne dass ein Baufortschritt erkennbar war. Zusammen mit dem gegenüberliegenden Forum, das auch noch keine Symptome der Wiederbelebung aufweist, hat also der Rektor auch seinen „kleinen Büchel“.