Kreis Heinsberg: Leo Dautzenberg respektiert die Kritik, akzeptiert sie aber nicht

Kreis Heinsberg: Leo Dautzenberg respektiert die Kritik, akzeptiert sie aber nicht

Nach seiner Entscheidung, das Bundestagsmandat aufzugeben und von der Politik als Lobbyist in die Wirtschaft zu wechseln, hat der Heinsberger CDU-Abgeordnete Leo Dautzenberg kritische Reaktionen - auch von Parteifreunden - erfahren, wie er in einem Gespräch vor dem CDU-Kreisparteitag einräumte.

Der überwiegende Teil der Reaktionen seien aber Zustimmung und Glückwünsche zu seiner neuen Aufgabe gewesen. Bekanntlich leitet Dautzenberg seit Jahresbeginn beim Chemie-, Energie- und Immobilien-Konzern Evonik Industries die Abteilung Public Affairs. Als Bevollmächtigter des Vorstandes hat Dautzenberg die Gesamtleitung der Konzernrepräsentanzen in Berlin und Brüssel übernommen. Sein Schreibtisch steht in Berlin. Im Parlament hat er seine Funktion als finanzpolitischer Sprecher der Unionsfraktion zum Jahreswechsel niedergelegt, sein Mandat will er Ende Januar aufgeben.

Kritik war insbesondere angesichts der Tatsache laut geworden, dass er sich noch 2009 erneut für vier Jahre in den Bundestag hatte wählen lassen. Dautzenberg werde dem Auftrag, den ihm die Wähler gegeben haben, nicht gerecht, hatte der SPD-Unterbezirksvorsitzende Norbert Spinrath erklärt. Dautzenberg habe den Bürgern einen „Bärendienst” erwiesen. Fakt ist: Bis zur nächsten Bundestagswahl - voraussichtlich im Jahr 2013 Ñ wird der Kreis Heinsberg keinen Bundestagsabgeordneten stellen.

„Ich respektiere die Kritik, ich akzeptiere sie aber nicht”, sagte Dautzenberg. Die Kritiker würden von falschen Voraussetzungen ausgehen. 2009 habe sich die Frage nicht gestellt. Das Angebot von Evonik sei jetzt gekommen, nicht damals Ñ und nun auch nicht erst für 2013\. Außerdem habe er nicht aktiv nachgesucht, sondern das Unternehmen sei auf ihn zugekommen. Dass ihm als 60-Jährigem diese Aufgabe zugetraut werde, betrachte er im Übrigen auch als „gewisse Anerkennung”.

Dautzenberg bat erneut um Verständnis dafür, dass er sich für die „neue Herausforderung” entschieden habe. Zu der Kritik, damit den Wählerauftrag nicht zu erfüllen, sagte Dautzenberg, es gebe bisweilen Situationen, in denen ein solcher Auftrag vorzeitig zurückgegeben werde. Die Aufgabe des Abgeordnetenmandats erfolge auf jeden Fall „mit einer gewissen Wehmut”.

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