Wegberg: Leichtfüßige Hymnen für die Frittenfrau

Wegberg: Leichtfüßige Hymnen für die Frittenfrau

Heimvorteil für Christian Pape - viele der Zuschauer kannten den „Jungen von so an”. Und „so” sind in diesem Fall mit der Hand angedeutete 80 Zentimeter vom Boden.

Auf Einladung des Kulturringes Wegberg gab Pape wegen der großen Kartennachfrage gleich drei Vorstellungen seines aktuellen Programms „Nur der Liebe zählt” in der Wegberger Mühle. Er genoss die „Wohnzimmeratmosphäre” mit 90 Zuschauerplätzen sichtlich, freute sich, dass die ganze Verwandtschaft gekommen war und füllte die Bühne mühelos. Das heißt, ein kleines Eckchen der Bühne war für Dr. Stefan Bimmermann, seinen kongenialen Partner an den Keyboards reserviert.

Bimmermann ist ein Phänomen für sich: Ein Blick von ihm ersetzt mehrere Sätze, er trägt Rautenpul-lunder und Seitenscheitel, liest Pixiebücher und spielt Gameboy und ist doch in der Lage, acht langbeinige brasilianische Background-Tänzerinnen zu ersetzen. Außerdem ist er ein hervorragender Musiker.

Pape, vergnügt und voller Charme, Pape, dem man nicht eine Sekunde anmerkt, wie viel harte Arbeit und akribische Vorbereitung sich in den scheinbar zufällig ergebenden Themen verbergen, Pape, der sich liebevoll um sei Publikum kümmert („Silvia, hast du deine Handcreme dabei?”), Pape, leichtfüßig (nicht nur in den Tanzeinlagen) und bibelfest.

Er nimmt sich eines besonderen Themas an, der Nächstenliebe und weil trotz Neid, Missgunst und Ellenbogen am Ende nur „der Liebe zählt”, versucht er die Welt zu verbessern. Tapfer nimmt er den Kampf gegen Kopfläuse auf, profiliert sich im Kindergarten, schreibt Hymnen für die Frittenfrau (Currywurst zum Frühstück) und bietet dem Bernhardiner Josef einen Platz in seinem Bett und seiner Badewanne an. Er lässt tief in seine Familie blicken, plaudert kleine Geheimnisse aus und erfüllt seiner Tochter Amelie auch ausgefallene Wünsche.

Seine Falco-Version vom Bi-Ba-Butzemann kommt ebenso gut an wie die Westernhagen-Variante von „Fuchs, du hast die Gans gestohlen”. Pape, der Mensch gewordene Traum aller Schwiegermütter (gut aussehend, gut angezogen, gute Manieren, gute Laune) hat auf der Bühne offensichtlich ein Schwiegermutter-Trauma und singt dennoch ein Loblied für seine Schwiegermutter „Merci, dass es dich gibt.”

Genial, seine Michael-Jackson-Parodie, in der auch Kollege Bimmermann zu Höchstform aufläuft. Das also kommt dabei heraus, wenn sich die Ernsthaftigkeit einer Rheinländerin mit der Leichtfüßigkeit eines Westfalen paart: Ein entzücktes Publikum.

Als allerletzte Zugabe stimmt Pape „Irgendwo auf der Welt gibt ein kleines bisschen Glück” an. Die neuen Nichtrauchergesetze haben dafür gesorgt, dass niemand mehr ein Feuerzeug zur Hand hat, um für „den Lieben” ein Flammenmeer zu entzünden.

Als Dank für zwei Stunden beste Unterhaltung müssen daher Standing Ovations reichen. Den Heimvorteil hätte er nicht gebraucht, denn dieses Programm kann sicher auch in Bielefeld oder Köln begeistern. Sang nicht schon Caterina Valente einst „Ganz Paris träumt von der Liebe”? Und „der Liebe” ist Christian Pape.