Lehrerkind Bastian Bielendorfer im Interview

Comedian im Interview : Bastian Bielendorfer: „Ich bin ein fürchterlicher Klugscheißer“

Mit seinem legendären Auftritt bei der Fernsehshow „Wer wird Millionär?“ wurde Lehrerkind Bastian Bielendorfer berühmt. In vier Büchern verarbeitete er danach humorvoll bizarre Szenen seiner Kindheit. Nun ist er mit seinem Liveprogramm „Lustig, aber wahr!“ auf der Bühne zu sehen. Wir Hier hat mit ihm gesprochen – über seine Eltern, seine Lieblingsanekdote und sein neuestes Projekt.

Wenn Du Dich selbst beschreiben müsstest, welche drei Eigenschaften würdest Du nennen?

Bastian Bielendorfer: Groß, humorvoll, ungeduldig. Ich bin 1,99 Meter groß. Eigentlich bedauerlich, das in eine Drei-Eigenschaften-Personenbeschreibung zu packen. Aber das ist immer das erste, was die Leute sagen. Man sieht ja im Fernseher oder auf der Bühne nicht, dass ich so groß bin. Ich bin, glaube ich, der Größte, den es in dem Job gibt. Ist manchmal ein bisschen anstrengend.

Aber an sich ja nichts Schlechtes.

Bastian: Joa, angeblich soll das ja attraktiv machen und so. (Lacht.) Aber es ist vor allem anstrengend, wenn du Klamotten kaufen musst. Meinen Anzug zur Hochzeit beispielsweise, den musste ich schneidern lassen, weil es nicht anders ging.

Du betonst immer, Deine Eltern wären Klugscheißer. Erwischt Du diese Züge manchmal auch an Dir?

Bastian: Ich bin ein fürchterlicher Klugscheißer. Unerträglich. Sonst hätte ich auch nicht bei „Wer wird Millionär?“ teilgenommen. Ich weiß aber auch eigentlich total viel unnützen Kram. Aber in dem Moment, wo ich dann da saß, ist es mir nicht mehr eingefallen. Wäre ein guter Moment gewesen, mal an seine Wissensdatenbank zu gehen. Mir wird oft vorgeworfen, wie ich dieses oder jenes nicht wissen konnte. Ich will jedem empfehlen, sich da mal hinzusetzen. In dem Moment ist komplett weißes Rauschen im Kopf.

Wenn Du korrigiert wirst, nervt Dich das auch heute noch? Oder hast Du irgendwelche Strategien entwickelt, damit umzugehen?

Bastian: Ich habe es in Humor umgemünzt. Ich schicke meinem Vater mittlerweile bewusst E-Mails, um sie korrigiert zurückzubekommen – weil da manchmal solche Knaller drin sind und er mir mit 34 Jahren und nach vier Büchern immer noch unterstellt, ich wäre kurz vor der Legasthenie. Ich habe es also in etwas Positives umgewandelt, wie mein ganzes Schicksal. Und es ist ja auch eigentlich positiv. Es ist ja nicht böse gemeint. Ich glaube, viele, die Lehrereltern haben, können das nachvollziehen. Korrigiert zu werden, gehört einfach dazu.

Hast Du eine Lieblingsanekdote, die Du immer wieder erzählst?

Bastian: Der Klassiker, ist glaube, ich die Pumukel-Unterhose: Mein Vater hat mich mal nur in Pumukel-Unterhose in die Schule geschickt und gesagt, es wäre Solidaritätstag für Afrika. Und die armen Kinder in Afrika hätten ja auch keine Kleidung und würden nur in Unterwäsche zur Schule gehen, und deswegen würden die deutschen Kinder das heute auch machen. Es war der 1. April, und ich bin wirklich als menschliche Bockwurst nur mit einem Tornister und in einer Unterhose zur Schule gegangen. Da würde heute wahrscheinlich jeder Rektor direkt hektisch das Jugendamt anrufen, aber damals war es Anlass für einen großen Lacher. Und im neuen Programm kommt eine Geschichte vor, die ich noch nie erzählt habe. Die ist passiert als ich 18 oder 19 war. Da habe ich Zivildienst gemacht, und ich habe es sehr gehasst. Wirklich sehr. Es war eine ätzende Stelle. Und dann bekam ich nach acht Monaten einen Brief vom Zivildienstamt der Stadt Gelsenkirchen mit der Mitteilung, dass der Zivildienst aufgrund einer Gesetzesänderung gekürzt worden sei und ich mit dem heutigen Tag entlassen sei. Das Restgeld würde mir ausgezahlt werden. Und dann habe ich bei meinem Chef angerufen und gesagt, dass er mich am Arsch lecken kann und dass ich nie wieder kommen werde. Und dass die Scheiße in den vergangenen acht Monaten die pure Qual war. Und dann habe ich aufgelegt. Und dann kam mein Vater nach Hause. Er hatte den Brief geschrieben.

Wo hast Du Zivildienst gemacht?

Bastian: Ich habe mit sozialschwierigen Kindern gearbeitet. Das klingt zwar ganz niedlich, bedeutete aber, dass ich jeden Tag dreimal angespuckt wurde. Irgendwann hatte ich da keine Lust mehr drauf.

Du wolltest aber dann trotzdem noch Lehrer werden.

Bastian: Aufgrund ganz klassischer Alternativlosigkeit. So wie viele ihre Fächer in der Uni als Leistungskurse auf Lehramt studieren.

Und dann hast Du auf Psychologie umgeschwenkt. Wieso dieses Fach?

Bastian: Das wollte ich immer machen. Aber mit einem Abitur von 2,3 sind ja einige Türen verschlossen. Und da habe ich meine Scheine vom Lehramt genommen und versucht, die im Psychologie-Studiengang anrechnen zu lassen. Und an fünf oder sechs Unis in Deutschland hat das auch geklappt.

Bei Facebook hast Du auch politische Posts, in Deinem Programm verzichtest Du aber weitestgehend auf politische Statements. Warum?

Bastian: Nicht immer. Das ist immer abhängig vom Moment. Beim ersten Programm habe ich gemerkt, dass ich damit leben muss, dass Menschen, die meine Meinung nicht teilen, zu meinen Shows kommen und Spaß an dem haben, was ich mache. Ich freue mich ja auch über jeden, der mein Zeug mag. Auf der anderen Seite, damit hinterm Berg zu halten, was ich zum Beispiel über die AfD denke, halte ich auch für falsch. Ich bin nur kein politischer Kabarettist. Deswegen glaube ich auch nicht, dass man es zu stark vermengen darf. Aber wenn man mich nach meiner Meinung fragt, sei es bei einer Talkshow oder sonst was, dann sage ich sie auch. Ich habe auch nie gedacht, dass es eine gute Idee wäre, damit hinterm Berg zu halten, wie viele meiner anderen Kollegen.

Dein neuestes Projekt ist ein Podcast. Was für Themen stehen da so an?

Bastian: Ehrlich gesagt stehen gar nicht so richtig Themen an. Ich mache das mit einem Freund von mir, mit dem ich mal was fürs Fernsehen gemacht habe, Reinhard Remfort. Ein kluger Bursche, Doktor der Physik, ein ganzköpertätowierter kleiner dicker Mann mit ganz viel Humor. Wir sind schon lange befreundet, und wir haben irgendwann gesagt, wir hätten eigentlich Lust das zu machen. Und dann haben wir die erste Folge rausgehauen, sind aber direkt von Apple zensiert worden. Er heißt ja Reinhard Remfort, ich heiße Bastian Bielendorfer, das sind beides Alliterationen. Deswegen haben wir den Podcast „Alliteration Am Arsch“ genannt. Und das „Arsch“ wurde von Apple direkt zensiert. Es heißt jetzt nur noch „Alliteration Am A***h“.

Was gibst Du anderen Lehrerkindern mit auf den Weg?

Bastian: Nimm es mit Humor! Ich bin gemobbt worden in der Schule, das liest man ja auch aus meinen Büchern raus. Und oft erzählen mir Eltern nach der Show, dass ihre Kinder auch gemobbt werden. Es gibt keinen Königsweg, damit umzugehen. Ich habe für mich die Waffe des Humors entdeckt. Es gibt Dinge im Leben, die einfach hart sind. Aber Humor ist die mächtigste Waffe, mit der man Dingen im Leben begegnen kann, egal wie düster sie sind.

(nt)