Leserbriefe zum Thema Coronavirus: Leben und Lernen hinter und vor der Maske

Leserbriefe zum Thema Coronavirus : Leben und Lernen hinter und vor der Maske

Kritik an der Wiederaufnahme des Regelbetriebes in den NRW-Kitas. Unverständnis über die Maskenpflicht im Schulunterricht. Sorge über Infektionen bei Schülern. Das Thema Coronavirus beherrscht immer noch viele Einsendungen unserer Leser. Eine Auswahl.

Martina Worms aus Jülich geht auf den Text „Regelbetrieb in Kitas ab 17. August“ ein:

Seitens des Landes NRW wurde trotz erheblich steigender Infektionszahlen die Wiederaufnahme des Regelbetriebes in den Kindertageseinrichtungen des Landes gestattet. Dies ist in der aktuellen Situation eine Farce. Im Zuge dessen wurde die Rückkehr zum pädagogischen Konzept gestattet, welches in den meisten Einrichtungen eine Aufhebung der bisherigen Gruppentrennung und Rückkehr zum halboffenen oder offenen Konzept bedeutet. Damit verbunden ist ein Kontakt der Kinder verschiedener Gruppen, was eine unkontrollierte Virusausbreitung im Falle des Auftretens eines Covid-19-Falls dringend befürchten lässt. Die bisherige räumliche Trennung der Gruppen konnte ein solches Risiko erheblich mindern; nicht umsonst wurden in einigen Kindertagesstätten, in welchen Fälle auftraten, aufgrund der bisherigen räumlichen Trennung nur Quarantäneverfügungen für die betroffenen Gruppen verhängt. Aufgrund der Abkehr von der räumlichen Trennung ist zwangsläufig die Folge, dass jeder auftretende Fall zu einer vollständigen Schließung der Einrichtung und Anordnung der mindestens zweiwöchigen Quarantäne für sämtliche Kinder und Erzieher führen wird. Nicht umsonst hat auch der Landeselternbeirat NRW eben diesen Punkt kritisiert und eine Abänderung gefordert. Dass einige Kindertageseinrichtungen in eigener Konzeption nun darüber hinausgehende Einschränkungen zur Risikominimierung vornehmen, ist unbedingt zu begrüßen. Es zeigt wieder einmal deutlich, dass diejenigen, welche unmittelbar in der Verantwortung stehen, die gravierenden Defizite der Lockerungspolitik des Landes NRW kompensieren müssen.

Christel Weser aus Eschweiler hat sich Gedanken gemacht zur Maskenpflicht in Schulen und Schulklassen:

Wie wird mit unseren Kindern umgegangen? Sie, Ministerpräsident Armin Laschet, und Sie, Schulministerin Yvonne Gebauer, hatten sechs Wochen Zeit, ein vernünftiges Schulkonzept zu erarbeiten. Aber man wählt den einfachsten Weg: Masken tragen. Vielleicht setzen Sie sich mal stundenlang mit so einem Ding in einen heißen Raum. Die Staatskanzlei in Düsseldorf ist sicher klimatisiert. Wer hätte gedacht, dass es im August heiß ist? Das liegt auch am Klimawandel, gegen den von der Politik zögerlich bis gar nicht vorgegangen wird. Komisch, für Reiserückkehrer aus Risikogebieten werden Tests von der Allgemeinheit bezahlt, also auch von mir, die ich nur ein paar Tage in der Eifel war. Warum ist kein Geld da, um die Schülerinnen und Schüler zu testen? Aber so ist das schon immer. Für Kinder ist uns alles zu teuer. Ich bin gespannt, wie lange die Schulen geöffnet bleiben, wenn die Schüler, Schülerinnen und die Lehrer reihenweise in der Hitze kollabieren. Schließung ist da das einfachste Mittel.

Robert Peters-Gehrke aus Aachen merkt zum Schulstart in NRW an:

Den NRW-Grünen ist 100-prozentig zuzustimmen: Die Konzeptlosigkeit der Schulministerin Gebauer in Sachen Schulstart unter Corona-Bedingungen ist verantwortungslos und grenzt an Arbeitsverweigerung. Als Lehrer muss ich ihre dürftigen, in sich widersprüchlichen und immer wieder veränderten Vorgaben umsetzen, als Bürger und Vater zweier schulpflichtiger Kinder bin ich entsetzt über das Vorgehen der Ministerin und die Duldung ihrer erratischen Politik durch den Ministerpräsidenten. Ich hoffe sehr für die Schüler, die Eltern und die Lehrkräfte, dass wir alle das unverdiente Glück haben werden, dass neuerliche Schulschließungen zu verhindern sind, befürchte aber, dass das Zusammenpferchen von 30 maskierten Kindern in schwer zu lüftenden Räumen dem Virus Vorschub leistet. Armin Laschet sollte sich daran erinnern, dass seine Vorgängerin ihr Amt auch wegen einer Schulministerin verlor.

Stephan Hradek aus Düren konstatiert hinsichtlich der Maskenpflicht in der Schule:

Ich habe das Gefühl, Erwachsene haben viel mehr Probleme mit der Maske als Kinder. Jammern ständig rum, wie schlimm das doch für die Kinder sei. Hat mal jemand die Kinder selbst gefragt? Ich habe hier noch keine Klagen gehört, und auf Twitter konnte man letztens lesen „Und während im Supermarkt Leute jammern, weil sie zehn Minuten Maske tragen müssen, kommt hier schon den zweiten Tag ein Kind mit Maske auf nach Hause. „Du kannst sie ausziehen, wenn du die Schule verlässt.“ „Ach, ich vergesse das immer, ich merke die beim Spielen nicht mehr.“

Dr. Barbara Dammers aus Alsdorf äußert sich zum Nachgefragt „Nutzen größer als Einschränkung“ mit René Fussen, Oberarzt am Zentralbereich für Krankenhaushygiene und Infektiologie am Uniklinikum Aachen:

Das Interview mit Dr. Fussen verharmlost die unverhältnismäßigen Zumutungen, die das Maskentragen in Unterricht und Pause für Schüler bedeutet. Immerhin handelt es sich bei den jüngeren Schülern weiterführender Schulen um Zehnjährige, aber auch Teenager und junge Erwachsene leiden unter der Kombination von Hitze und Maskenpflicht. Fussen argumentiert aus der Sicht eines Erwachsenen, der sich seinen Beruf freiwillig und unter Kenntnis der Tatsache ausgesucht hat, dass er mit stundenlangem Maskentragen verbunden ist. Für ihn mag das Alltag sein: Für in die fünfte Klasse eingeschulte Kinder ist dies ein potenziell traumatischer Schulbeginn, bei dem sie die Gesichter ihrer Lehrer und Klassenkameraden nur zur Hälfte sehen und ihre Stimmen nur durch Stoff gedämpft hören können.

Es darf nicht unterschlagen werden, dass die medizinischen Gesellschaften seiner Fachgebiete, die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene und die Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie, sich gegen die Maskenpflicht im Unterricht ausgesprochen hatten, genauso wie die Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und der Marburger Bund. Nur die Gesellschaft für Virologie befürwortet sie, allerdings nur aus „alleiniger virologischer Sicht“. Immerhin räumt Fussen ein, dass Masken bei den herrschenden hohen Temperaturen unangenehm seien und für die über längere Zeiträume sprechenden Lehrer problematisch sein könnten. Auf Kritik von Experten, öffentlichen und politischen Druck hat Ministerin Gebauer in letzter Minute hitzefrei und Maskenpausen verordnet. Das macht ihr „Konzept“ nur unwesentlich besser, das von Ahnungslosigkeit in der Praxis, Ideenlosigkeit und mangelnder Empathie für Kinder zeugt. Am meisten ärgert mich, dass nun die Kinder zum zweiten Mal die Zeche zahlen: nach den Schulschließungen auch noch dies!

Erika Pierotti aus Aachen thematisiert ebenfalls den Schulstart:

Frau Gebauer ist der Ansicht, der Schulstart sei gelungen. Wenn es ausschließlich um die Infektionszahlen geht, stimmt das vielleicht. Sie sollte aber mal für ein paar Tage ihren bequemen Beamtensessel verlassen und sich vor Ort dem realen Leben aussetzen. Dann würde sie wahrscheinlich anders urteilen. Denn wenn man Tag für Tag die Maskenpflicht drinnen in Klassenräumen mit 24 Schülern durchsetzen muss, zig Mal daran erinnern muss, die Maske über die Nase zu ziehen, wenn man draußen die Schüler zwingen muss, ihre sozialen Kontakte auf dem Schulhof extrem einzuschränken, wenn man sechs Stunden vor einer Klasse steht, die Schüler kaum versteht und nicht den Unterricht abhalten kann, der wirklich sinnvoll wäre, dann empfindet man den Schulstart alles andere als gelungen. Ich hielte es für wesentlich sinnvoller und effektiver, wenn nur jeweils die Hälfte der Klasse ohne Maske und im täglichen Wechsel unterrichtet würde inklusive zusätzlicher Hausaufgaben, so dass kein Stoff verpasst würde. Über diese oder andere Alternativen zur Maskenpflicht im ach so wichtigen Präsenzunterricht hätte Frau Gebauer in den Wochen des Lockdowns und der Sommerferien nachdenken sollen – und zwar am besten gemeinsam mit den Kollegen vor Ort, die können die Bedürfnisse der Schüler viel besser einschätzen als alle Schreibtischtäter im Lande!

Norbert Gores aus Kelmis meldet sich zu den Texten „Was tun mit den Corona-Leugnern?“, „Warnung vor dem Leichtsinn“ sowie „Liveschalte aus der Filterblase“ über Demos gegen Corona-Beschränkungen zu Wort:

Wenn ich mir die Reden durchlese und das irrationale Verhalten der meisten „Corona-Leugner“ ansehe, bleibt mir nur eine einzige rationale Erklärung: Sie wollen genau das herbeiführen, was sie angeblich verhindern wollen. Sie geben vor, das Demonstrationsrecht verteidigen zu wollen, tun aber sehr viel dafür, damit dieses Grundrecht in Zukunft tatsächlich eingeschränkt wird.

Matthias Schaffrath aus Geilenkirchen meint zum Bericht „Spahn will Karneval ausfallen lassen“:

Ob man Karneval mag oder nicht, ist hier nicht die Frage. Weshalb hat man wohl die olympischen Spiele und die Fußball-EM verlegt, das Münchener Oktoberfest sogar abgesagt? Und dann gibt es Leute, die die „Massenknuddelei“ zu Karneval befürworten. Ich gehe davon aus, dass kein Mensch sterben wird, weil man Karneval ausfallen lässt. Jedoch möchte ich nicht in deren Haut stecken, die im März nächsten Jahres dafür verantwortlich sind, dass die Infektionszahlen und daran gekoppelt die Todesfälle, die auf Karnevalsveranstaltungen ihren Ursprung haben, wieder zunehmen werden.

Mia Heiartz aus Aachen bewertet die Corona-Maßnahmen:

Durch die Bezeichnungen „Corona-Leugner“ und „rechte Verschwörungstheoretiker“, die Menschen, die die Maßnahmen zur Corona-Eindämmung kritisch hinterfragen, sofort übergestülpt werden, wird erreicht, dass gerade die verstummen, die sachlich relevante Einwände zu den Maßnahmen bieten könnten. In allen gesellschaftlichen Bereichen wird ein Austausch über Für und Wider angestrebt, weil das eine demokratische Gesellschaft lebendig macht und so jeder – nach Abwägung aller Argumente – die Möglichkeit hat, sich seine Meinung zu bilden. Die meisten Medien und die überwiegende Mehrheit der Vertreter aus Politik und Gesundheitswesen beharren vehement auf dem Einhalten der Corona-Maßnahmen, ohne wirklich die Vielschichtigkeit der Auswirkungen dieser Maßnahmen zu berücksichtigen. Auch wenn ein Impfstoff im Laufe des nächsten Jahres zugelassen werden sollte, wird es viele Monate dauern, bis allein in Deutschland die Mehrzahl der Einwohner geimpft ist. Ob diese Impfung den erwünschten Effekt haben wird, kann vorher niemand voraussagen.

Was mit Sicherheit vorausgesagt werden kann, ist, dass die deutsche Wirtschaft bis zum Jahresende extrem in die Knie gehen wird, Tausende Solo-Selbstständige Hartz IV beantragen müssen und Kultur- und Gastronomie-Betriebe dichtmachen werden. Mit den psychischen Schäden, die die Maßnahmen bei unzähligen Menschen – vor allem bei den Kindern – verursachen, werden wir uns alle in Zukunft befassen müssen. Und wenn sich nach Jahren bei der „Corona-Bilanzziehung“ herausstellt, dass die Zahl der Toten, die wegen der Maßnahmen gestorben sind, um ein Vielfaches höher liegt als jene in Zusammenhang mit Corona? Sinnvoll wäre auf jeden Fall, wenn wir alle unseren maßlosen Lebensstil sofort ändern würden.

Horst Zimmermann aus Heinsberg meint: „Brot und Spiele sind Augenwischerei für das Volk!

Die Regierung muss der Bevölkerung die Realität in aller Klarheit vor Augen führen. Zuwendungen von Banken und Staat sind in der jetzigen Situation sinnvoll und richtig. Sie können aber nur kurzfristige Überbrückungen bedeuten. Geldpakete und Zuwendungen vom Staat sind auf Dauer nicht möglich. Der Staat muss nach den sofortigen Maßnahmen eine Realitätserfassung durchführen. Nachhaltige Perspektiven und Prioritäten müssen jetzt folgen. Auch Staatsbeteiligungen in Firmen sind nicht nachhaltig Perspektiven, denn der Staat ist nicht der bessere Unternehmer. Die Wirtschaft braucht diese Perspektiven, um einen langfristigen und gesicherten Profit zu erwirtschaften, sie müssen global und europäisch valutiert sein. Gesicherter Profit ist für die soziale Absicherung im Staat nötig. Die Devise heißt, sozial ist, was erarbeitet und verdient wird, um etwas verteilen zu können. Der Staat und die Volkswirtschaft müssen das vorhandene Humankapital unbedingt in Rahmenbedingungsperspektiven winbeziehen. Wohlstand für alle in der sozialen Marktwirtschaft setzt nachhaltige Rahmen­bedingungen voraus, und zwar für Menschen, Mittelstand und Wirtschaft. In und nach der Corona-Pandemie wird die Zahl der Insolvenzen und damit die Zahl der Arbeitslosen mit Sicherheit steigen. Der Staat muss mit Mut in die Realitäts­findung einsteigen und so in bevorstehenden Krisen möglichst Sicherheit und Zuversicht geben, um unsere Demokratie zu sichern und zu gewährleisten.