Düren: Lauterbach prophezeit Anstieg der Krankheitskosten

Düren: Lauterbach prophezeit Anstieg der Krankheitskosten

Eine hoffnungsvolle Botschaft war das nicht, was SPD-Gesundheitsexperte Prof. Dr. Karl Lauterbach als Vision für die Zukunft ankündigte: „Unser Gesundheitssystem wird vor die größte Herausforderung gestellt“, kündigte Prof. Dr. Lauterbach bei einem Vortrag im Dürener „Komm“ an.

Beim „Heimspiel“ in Anwesenheit von Mutter und Schwester sah der gebürtige Niederzierer zwei Möglichkeiten, den Zusammenbruch des Systems zu verhindern: Eine Bürgerversicherung nach dem Grundsatz „Ein System für alle“, in die alle einzahlen und auch die Arbeitgeber paritätisch beteiligt werden, und die Spezialisierung der Kliniken. „Spezialisierte Kliniken und Ärzte können effektiver arbeiten und Verweilzeiten der Patienten reduzieren“, so das Credo des SPD-Gesundheitspolitikers.

Die paritätische Bürgerversicherung forderte der Dürener SPD-Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan bereits in der Begrüßung der rund 100 Personen, die zum dem Vortrag „Gesundheit darf kein Luxus sein“ gekommen waren. Lauterbach sah (noch) kein Kostenproblem für die Gesundheit. Deutschland gibt 7,1 Prozent des Brutto-Sozialprodukts für die Gesundheit aus.

In Zahlen ausgedrückt: Je 30 Milliarden Euro werden für Arzneimittel und Ärzte ausgegeben, aber 70 Milliarden für die Krankenhäuser. In Deutschland kommen 456 Ärzte auf 100.000 Einwohner, mit steigender Tendenz. „Wir haben keinen Ärztemangel, aber eine falsche Verteilung“, so Lauterbach. Der Anteil der Hausärzte ist auf 41,9 Prozent gesunken — mit weiterer Tendenz nach unten. Auch wenn die Medizin „weiblicher“ wird durch den Anstieg der Zahl der Ärztinnen, wird dadurch der Hausarztmangel nicht kompensiert.

Deutlich befürwortete Lauterbach eine Spezialisierung der Kliniken nach dem Motto „bessere Qualität durch Konzentration“. Die Krankenhaus-Landschaft werde sich dafür ändern müssen, kündige er an und vertrat die Meinung, dass Eingriffe auch in höherem Maße ambulant erfolgen könnten. Weniger Kliniken und mehr ambulante Eingriffe führten zu kürzeren Verweilzeiten.

Während in den Kliniken der Arzt-Bestand ausreichend sei, fehle es nach Lauterbachs Feststellungen an Pflegepersonal. Ein Zustand, der ein Eingreifen der Politik erforderlich mache. Auf der Liste der politischen Einwirkungsmöglichkeiten sieht der SPD-Experte auch die Preise für Medikamente. „Die sind in Deutschland am höchsten in Europa. Selbst im eigenen Land hergestellte Medikamente sind nirgendwo so teuer wie bei uns.“

In der Diskussion mit dem Dürener Hausarzt Gerd Schloemer beklagte dieser eine „ausbordende Bürokratie“, für die Lauterbach teilweise auch die Kassenärztlichen Vereinigungen als Verursacher sieht. AOK-Regionaldirektor Waldemar Radtke war in weiten Bereichen mit Lauterbach einer Meinung, fragte aber, ob es sein müsse, dass in Nordrhein-Westfalen innerhalb eines Radius‘ von 150 Kilometern fünf Universitätskliniken ansässig sind. Deutlich war Lauterbachs in seinem Fazit: „Wir stehen am Vorabend einer wesentlichen Erhöhung der Krankheitskosten.“