Erkelenz-Gerderath: Landwirt Leo Schmitz fordert Abschaffung des Zinssystems

Erkelenz-Gerderath: Landwirt Leo Schmitz fordert Abschaffung des Zinssystems

Leo Schmitz hat ein Buch geschrieben, das Sprengstoff birgt. Denn er verspricht nicht viel weniger als den Schlüssel zur Überwindung der Eurokrise und eine Stabilisierung der Wirtschaft. Sein Rezept ist einfach: Abschaffung des Zinssystems.

Darüber hat der ehemalige Landwirt ein Buch geschrieben, das im Verlag R. G. Fischer erschienen ist. „Unser Zinssystem bewirkt eine Umverteilung von unten nach oben”, erklärt er. So führe die Finanzwirtschaft nach und nach zur Verarmung breiter Bevölkerungsschichten. Mittlerweile richte das Zinssystem ganze Staaten zugrunde, was man am griechischen Staat sehe.

Doch auch in Deutschland ist vieles im Argen. Knapp ein Viertel der Arbeitnehmer in Deutschland seien im Niedriglohnsektor tätig und verdienen wenig Geld, wohingegen die Sozialabgaben stetig steigen. Als Ursache des Übels hat er das Zinssystem ausgemacht, denn Zinsen führten unter anderem zu teuren Wohnungen und höheren Investitionskosten. Darüber hinaus wachse die Staatsverschuldung und führe kurz über lang zum Staatsbankrott. Sein Buch hat der 70-jährige mit anschaulichen Beispielen bestückt. Denn das Buch richtet sich vor allem an Laien.

„Es reicht völlig aus, dass man sich für das Thema interessiert”, betont er. Die Beispiele liegen auf der Hand und sind nachvollziehbar. So bezahle man für ein Haus, das man durch Darlehen der Bank finanziere, im Laufe der Jahre mehr als das Doppelte seines eigentlichen Wertes. Die Banken gingen dabei kein Risiko ein, denn sie bekämen ihr Geld auch im Falle einer Versteigerung der Immobilie wieder zurück.

Eine Abschaffung des Zinses in der Marktwirtschaft fördere das Wirtschaftswachstum und bringe Arbeit und Wohlstand für alle, ist er sich sicher. Durch den Wegfall der Zinsen komme es zu einer gerechteren Verteilung der erwirtschafteten Güter und führe zu einem „ungestörten Wirtschaftskreislauf”. Die Auswüchse der Zinswirtschaft sind ihm ein Dorn im Auge. „Zinswetten, die immer wieder zur Vernichtung von Kapital führen, haben mit Finanzwirtschaft nichts zu tun”, lautet einer seiner Leitsätze.

Die Marktwirtschaft ohne Zins sei „ein Modell für die Zukunft” mit weltweit weniger sozialer Ungleichheit und besseren Lebensbedingungen für alle. Anderenfalls steuere man auf eine Weltwirtschaftskrise zu. Mit seinem Buch will Schmitz eine Diskussion über Werte und Moral in der Finanzwirtschaft ankurbeln. „Ich bin kein Pessimist”, betont er. „Aber so geht es nicht weiter. Denn am Ende verlieren alle - auch die ehemalige Profiteure.”

Sein Vorschlag: Sicheres Geld, wie zum Beispiel ein Baukredit, müsse als zinsloser Kredit ausgezahlt werden. Bei Anlagen mit Risiko hingegen können Zinsen fällig werden. Für sein Buch hat Schmitz rund anderthalb Jahre recherchiert und Fakten zusammengetragen. Das Ergebnis ist ein Buch, das mit verständlichen Worten über die Geschichte der Zinswirtschaft im 20. Jahrhundert berichtet und Wege aufweist, wie die Krise abgewendet werden kann.

Dass er sich mit dem Buch nicht nur Freunde macht, nimmt er ebenso in Kauf wie die Gefahr, aus den falschen Ecken Zustimmung zu bekommen.

Sein Ziel ist es, aufzuklären und zum Nachdenken anzuregen. Genug Zündstoff beinhaltet sein rund 300-seitiges Werk auf jeden Fall.

Leo Schmitz: „Marktwirtschaft ohne Zins - Das Ende von Arbeitslosigkeit und Schuldenkrise”, Verlag R. G. Fischer, ISBN 978-3-8301-1550-2. 19,80 Euro.