Kreis Heinsberg: Kunstverein feiert Sommerfest und 30-jähriges Bestehen

Kreis Heinsberg: Kunstverein feiert Sommerfest und 30-jähriges Bestehen

Eine Vernissage und gleich zwei weitere Anlässe zogen dieses Mal einen ganzen Tag lang viele Besucher zum Horster Hof in Unterbruch. Neben den neuen Präsentation von Werken Thomas Virnichs feierte der Kunstverein Region Heinsberg sein Sommerfest und zugleich sein 30-jähriges Bestehen.

Nachdem Alwin Hintzen als Vereinsvorsitzender die Geschichte des Vereins hatte Revue passieren lassen, führte Norbert Schmalen vom Kunstverein, selbst Sammler der Kunst von Virnich, in die Ausstellung ein. 15 Werke zählt sie, allesamt Skulpturen, an denen der Betrachter zunächst oft die kreative Verwendung von Alltagsgegenständen oder gar Materialien erkennt, die — wären sie nicht Teil eines Kunstwerks — wohl im Abfall gelandet wären.

Virnich habe als Bildhauer die zeitgenössische deutsche Skulptur entscheidend geprägt, erklärte Schmalen, der den Besuchern ­einige ebenfalls vom Künstler selbst kreativ gestaltete Kataloge vergangener Ausstellungen mitgebracht hatte. Seinen Rückblick auf die Kunst Virnichs begann er im Jahr 1985, dem Entstehungsjahr des Vereins.

Skulpturale Prozesse

Schon damals seien seine Werke zugleich immer „skulpturale Prozesse“ gewesen, erklärte er anhand von „Große Kiste“ als Beispiel: „Objekte werden in einer großen Kiste auf fünf Etagen zwischen passgenauen Wänden eingelagert, versteckt, ummantelt, um jederzeit wieder ausgepackt und offengelegt werden zu können.“ Der Künstler Joachim Bandau habe dieses Werk als „Schlüsselarbeit zum Verständnis einer bemerkenswerten künstlerischen Konzeption“ bezeichnet.

„Seit den frühen 80er-Jahren entwickelt Thomas Virnich mit unendlicher Energie einen eigenen Kunstkosmos“, so Schmalen. Von 1990 an würden seine Werke mit der Erde spielen. So sei zum Beispiel ein Globus mit einem Durchmesser von 1,60 Meter mit herausnehmbaren Erdteilen entstanden oder der „Urknall“ als Bronzekugel mit einem Durchmesser von drei Metern.

Inszenierung einer Wunderwelt

Bei der Betrachtung der weiteren künstlerischen Entwicklung zitierte Schmalen den Kunsthistoriker Volker Rattemeyer. Er spreche „von einer geradezu närrischen Inszenierung einer Wunderwelt, von fremdartigen Wesen, von verrückten und aberwitzigen Formen und Farben“. Auch in den im Horster Hof ausgestellten Arbeiten, der zweiten Ausstellung Virnichs beim Kunstverein nach 1997, sitze ihm der Schalk im Nacken.

Passend ist da der Titel „Schalk im Kasten“, prominentestes Stück der Ausstellung ist der „Superschalk im Kasten“. Weiterer Schwerpunkt der Ausstellung sind die erst in jüngster Zeit quasi neu erfundenen architektonischen Gebilde aus Bronze, darunter zum Bespiel die Berliner Mauer, die beim Betrachten allerdings eher der Chinesischen Mauer ähnelt.

Virnich setze bei seiner Arbeit handwerkliche Regeln außer Kraft. „Er zerlegt, verpackt, umformt, sägt, gießt, brennt, verdoppelt, ergänzt Reales und Erfundenes. Seine Kunst ist heuter und ernsthaft zugleich“, so Schmalens Fazit.

Bemerkenswert ist schließlich auch die Edition in Form kleiner Schalke, ebenfalls im Kasten, ­einem großen Kasten, der seitlich oder von oben einen Einblick in ein Modell von Thomas Virnichs Atelier in Mönchengladbach ermöglicht. Zur Freude des Kunstvereins war ein Großteil der Unikat-Edition bereits vor der Vernissage vergriffen.

(anna)