Städteregion/Eschweiler: Kulturhauptstadt Maastricht: Was kommt auf die Städteregion zu?

Städteregion/Eschweiler: Kulturhauptstadt Maastricht: Was kommt auf die Städteregion zu?

Maastricht will Kulturhauptstadt 2018 werden. Maas­tricht - das liegt mehr als 50 Kilometer von Eschweiler entfernt; 2018 - das sind immerhin noch sechs Jahre. Aber was genau hätten wir in der Städteregion Aachen von einer so nah liegenden Kulturhauptstadt?

Ist das nun etwas Gutes und was kommt dabei eigentlich auf uns zu? All diese Fragen wurden beim Eschweiler Kulturmanagement-Tag im Kulturzen­trum Talbahnhof bei einer Diskussionsrunde gestellt, beantwortet und erörtert.

So grübelten und diskutierten Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram, Manfred Bausch und Johannes Arens von der Regio Aachen, Kulturmanager Max Krieger, Technischer Beigeordneter Hermann Gödde, Norbert Weiland vom Eschweiler Karnevalskomitee, der Leiter des Ordnungsamtes Edmund Müller, Prof. Helmut Reuter von der Universität Bremen, der Geschäftsführer der BFT Cognos Aachen, Guido Müller, und Moderator Robert Esser.

Historisch gesehen stand das Gebiet der heutigen Euregio Maas-Rhein zweimal im Mittelpunkt des europäischen Interesses. Zum einen machte Karl der Große Aachen zur Hauptstadt seines Kaiserreichs. Zum anderen wurde im Jahr 1992 mit dem Maastrichter Vertrag die Basis für die europäische Währungsunion geschaffen. 3,9 Millionen Menschen leben in dieser Region auf 10,5 Quadratkilometern. Es werden zudem fünf Sprachen in drei Ländern gesprochen.

Verbindende Elemente sind unter anderem die Maas, ein umfangreiches Autobahnnetz und der Fußball. Die Menschen, die in der Euregio lebten, würden gerne als „Schwarm” bezeichnet, sagte Bausch. Dieser Schwarm sei das Symbol für Zusammenhalt, ein Zusammenhalt zwischen Maas­tricht, Heerlen, Sittard/Geleen, Hasselt, Lüttich, Aachen mit seinem Umland, der Provinz Niederländisch Limburg und Belgisch Limburg sowie der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Mit der Bewerbung für die Kulturhauptstadt soll „das Verständnis für die Region gefördert werden”, erklärte Bausch. Denn die kulturelle Identität sei die Grundlage für eine solche Bewerbung. Es gebe vieles, das die Euregio auszeichne: viele Sprachen, Karneval, Wallfahrten, Schützenvereine, Bergbau und Kunst. „Diese Vielfalt ist ein großes Pro der Region”, so Bausch. Das mache unsere Umgebung so einzigartig und besonders. Das sei auch der Grund, warum Maastricht Kulturhauptstadt werden kann und soll. Doch dieses Verfahren sei kein leichtes und auch noch nicht vorüber.

Die erste Version des Bewerbungsbuches steht. Das sogenannte „BidBook” liegt nun in der ersten Version vor und ist ab sofort auch im Rathaus Eschweiler erhältlich. Die 103 Seiten lange Zeitschrift bietet umfangreiche Informationen über das Vorhaben „Kulturhauptstadt 2018”. Ende 2013 soll dann die Entscheidung fallen. Das wäre sogleich der Startschuss für konkrete Projekte, diese stehen nämlich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht fest.

Der Weg dorthin aber, sagte Bausch, sei noch weit und die Ideenfindung ein Prozess. Daher werde das Projekt auch „Via2018” genannt. Erforderlich seien jedoch nicht nur ein Budget von 80 Millionen Euro, sondern auch erhebliche Sicherheitsmaßnahmen. Für die Städteregion Aachen entstünden Kosten von rund fünf Millionen Euro. Dennoch solle diese Summe zunächst nicht abschrecken, erklärte Bürgermeister Rudi Bertram. Im Vordergrund stünde der kulturelle Wert und die Aufarbeitung der Geschichte einer ganzen Region.

Nicht zu unterschätzen sei jedoch der Kulturhauptstadt-Tourismus. Genau dieser wäre auch für Eschweiler interessant. Das Eschweiler Music Festival (EMF) wäre zum Beispiel eine gute Gelegenheit, um die Stadt zu besuchen. In diesem Zusammenhang spielen Sicherheitsmaßnahmen eine extrem große Rolle. Doch „das Maß an Sicherheit ist voll”, sagte Kulturmanager Max Krieger. Sicherheitskonzepte seien wichtig, Pläne und Maßnahmen werden eingehalten.

Doch „der Mensch, der in der Masse ist, entindividualisiert sich”, erklärte Prof. Helmut Reuter von der Universität Bremen. Dies sei ein unbewusster Prozess. Eine solche Eigendynamik sei nicht vorhersehbar, doch eine Lösung gebe es dennoch: Es müssen Experten an den Tisch, viele „sich selbst organisierende Gehirne”, die ihr eigenes Wissen mit dem der anderen kombinieren. Ein Vorbild für Eschweiler sei schon Max Krieger. Schließlich sei bei seinen Veranstaltungen noch nie etwas Gravierendes passiert. Doch Max Krieger weiß, dass „Glück die Kunst ist, kein Pech zu haben”.