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Köln: „Zwitterprozess”: Unterlegener Arzt hat wenig Chancen bei Berufung

Köln : „Zwitterprozess”: Unterlegener Arzt hat wenig Chancen bei Berufung

Die Berufungsklage eines Mediziners, der einer Krankenpflegerin im „Zwitterprozess” nach einer folgenschweren Operation Schmerzensgeld zahlen soll, hat kaum Erfolgsaussichten.

Das Kölner Oberlandesgericht (OLG) habe dem Chirurgen mitgeteilt, dass der Senat die Klage nicht für erfolgversprechend halte, sagte ein OLG-Sprecher am Dienstag. Der Arzt habe nun bis zum 15. August Zeit, zu diesem Hinweis Stellung zu nehmen.

Das Kölner Landgericht hatte im Februar in einem bundesweit einmaligen Verfahren der Krankenpflegerin Christiane V. nach langem Leidensweg und unfreiwilligem Leben als Zwitter Schmerzensgeld zugesprochen.

Der Mediziner hatte laut einem Urteil in erster Instanz in einem rechtswidrigem Eingriff der damals 18-Jährigen ihre weiblichen inneren Geschlechtsorgane entnommen, ohne sie vorher umfassend aufzuklären. Der frühere Arzt einer Kölner Klinik soll wegen seines „vorsätzlichen Fehlverhaltens” Schmerzensgeld zahlen, über dessen Höhe aber noch nicht entschieden worden ist. Der Chirurg legte dagegen im März Berufung ein.

Die Klägerin war mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt gekommen, fälschlicherweise von einer Hebamme als Junge vermerkt und als „Thomas” großgezogen worden. Vor der Operation war von einem gemischt weiblich-männlichen Geschlecht mit verkümmerten weiblichen Geschlechtsorganen ausgegangen worden.

Der Chirurg entfernte aber laut Landgericht wissentlich intakte weibliche Geschlechtsorgane. Nach ihrem juristischen Sieg hatte die Klägerin von einer „moralischen Wiedergutmachung” nach „Ärztepfusch” gesprochen.