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Zwischen Mambo und Zitrus-Gel: Götz Alsmann

Zwischen Mambo und Zitrus-Gel: Götz Alsmann

Das Enfant terrible der Fernsehunterhaltung ist neben der Moderation der Kult-Sendung „Zimmer frei!” hauptberuflich Musiker und gibt mit seiner vierköpfigen Band über 120 Konzerte im Jahr. Der Entertainer Götz Alsmann ist als Multitalent nur schwer in eine Ecke zu drängen.

Mit dem Programm „Filmreif!” ist er am 23. und 24. August auf der Burg Wilhelmstein in Würselen zu erleben. Felix Mauser sprach für unsere Zeitung mit dem „singenden Karfunkelstein” zwischen Fernsehaufzeichnungen in Köln.

Ihr aktuelles Album heißt „Filmreif!” Wollen Sie als Schauspieler mehr in Erscheinung zu treten?

Alsmann: Ab und zu komme ich dem Beruf des Schauspielers nach, wenn es die Zeit zulässt. Kleine Angebote neben Heiner Lauterbach in „Der Verleger” zum Beispiel.

Ein Grund für Ihre ausverkauften Konzerte sind neben der Musik Ihre irrwitzigen, rhetorisch perfektionierten Moderationstexte.

Alsmann: Bei „Zimmer frei!” bin ich nicht unbedingt bekannt für einen feingeschliffenen Stil. Oft habe ich überhaupt keine Erinnerung an die Sendung, kein Gefühl dafür wie es eigentlich war. Anders ist die Arbeit an den Bühnenprogrammen. Die Texte sind spontan entstanden. Wenn unser Programm Premiere hat, steht die Musikdramaturgie. Wann ich was sagen darf, entscheide ich später. Deshalb machen wir ein halbes Dutzend Vorpremieren, zu denen jeden Abend etwas anderes ausprobiert wird. Daraus stricke ich irgendwann nach sechs Wochen das Programm.

Wie kommt es zur Auswahl der einzelnen Stücke? Bringen alle Mitglieder der Band Vorschläge mit ein?

Alsmann: Nein, alle Vorschläge kommen von mir, aber jeder in der Gruppe ist aufgefordert, seine Meinung kundzutun. Für jedes Programm bzw. CD stelle ich einen Katalog an Stücken zusammen, Sind sie dann leicht anarrangiert, frage ich: Ist das überhaupt geeignet dafür, passt das Lied zu meiner Stimme? Ich bin kein Allroundsänger und -pianist. Irgendwann schälen sich dann 20 oder 25 Stücke heraus.

Sie sind bekannt für den Stilmix Ihrer Musik, die Mischung aus Bossa Nova, Jazz, Mambo, Swing und Schlager. Können Sie Ihren individuellen Stil mit einem Begriff bezeichnen?

Alsmann: Das ist schwierig. Schon die Band bildet eine ganz krumme Besetzung. Weit und breit sind wir die einzige Ensemble das Posaune, Klavier, Schlagzeug und Percussion kombiniert. Die Grundrichtung bleibt sicherlich Mambo.

Haben Sie unerfüllte musikalische Träume oder Wunschpartner?

Alsmann: Die meisten erwünschten Kollegen haben schon mit mir gespielt, und bei den Heroen vergangener Tage ist es leider zu spät. Mit Wonne denke ich zurück an die gemeinsamen Auftritte mit Evelyn Künnecke in Berlin oder Angèle Durand beim Kölner Ringfest im letzten Sommer.

Die geplante Götz-Alsmann-Show im ZDF scheiterte nach einem produzierten Piloten. Ist Ihre Art von Humor nicht öffentlich-rechtlich vermittelbar oder muss das Fernsehen in Zukunft noch wesentlich spontaner werden?

Alsmann: Beim spontanen Medium denke ich zuerst an das Radio, für das ich ebenfalls leidenschaftlich gerne arbeite. Doch auch dort ist festzustellen, dass die Gabe des Formulierens verloren geht. Die Entwicklung geht so weit, dass Nachrichten und Informationssendungen viel unterhaltender produziert werden als früher. Nach dem Dreh des Piloten standen wir dem Experiment sehr skeptisch gegenüber. Infolge der weiteren Diskussion entsprachen die Vorstellungen des ZDF nicht den meinen.

Fernsehdeutschland beschäftigt die Frage nach dem konstanten Halt Ihrer Frisur. Lüften Sie das Geheimnis?

Alsmann: Eine große Haarkosmetikfirma sandte mir einmal ein ganzes Paket von Geltuben und Pflegemitteln, nach dem ich sie in einer Sendung liebevoll auf den Arm nahm. Ich vertraue in erster Linie einem guten Schnitt meines Maskenbildners beim WDR. Mein früherer Versuch die Tolle mit Pomade, Geruchsrichtung Zitrusfrüchte zu fixieren, endete mit Bienenschwärmen, die in den Sommermonaten um mein Haupt kreisten. Seitdem bin ich zu Alternativen übergegangen.