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Düsseldorf: Zwischen Fakten und Fiktion: „Rimini Protokoll” seziert das Fernsehen

Düsseldorf : Zwischen Fakten und Fiktion: „Rimini Protokoll” seziert das Fernsehen

Die Satellitenschüssel auf dem Dach, die Fernbedienung in der Hand - und losgezappt: Hunderte Nachrichten hat man da schnell konsumiert, wohlgemerkt nacheinander. „Rimini Protokoll” macht´s gleichzeitig möglich - im Düsseldorfer Schauspielhaus.

Für ihr Projekt „Breaking News” baut das renommierte Dokutheaterkollektiv vor den Zuschauern eine Fernsehwand aus mehr als 20 Monitoren auf. Neuigkeitenflimmern auf allen Kanälen. Aber warum soll ich im Theater fernsehen? „Sie sehen nicht einfach fern!”, sagt Daniel Wetzel (38), der das „Tagesschauspiel” mit Helgard Haug entwickelt hat.

Denn die Bilderströme werden live übersetzt, kommentiert - und damit verfremdet. In diesem Kontext ertönen Politiker-Phrasen besonders hohl, erscheinen Auftritte der Mächtigen besonders inszeniert.

„Platte Medienkritik” will Wetzel aber nicht produzieren, sondern „viele Fragezeichen” zwischen Fakten und Fiktion: Welche Variante des Weltgeschehens wird wo gezeigt? Wie arbeiten Nachrichten mit Mitteln der Dramatisierung? Was bleibt bei der Jagd nach Bildern auf der Strecke?

Die News vermitteln auf der Bühne neun „Experten des Alltags”: Journalisten, Dolmetscher und eine Cutterin, die ihr Wissen und ihre Erfahrungen einbringen, von ihrer Arbeit und aus ihrem Leben berichten.

Die Recherche-Künstler von „Rimini Protokoll” suchen für ihre Arbeiten stets „Spezialisten” des echten Lebens, um die Wirklichkeit ins Theater zu holen. So haben die Abende den Reiz des Unvorhersehbaren.