Nideggen: Zwei Prozent Jazz, 98 Prozent Funk, null Prozent Langeweile

Nideggen: Zwei Prozent Jazz, 98 Prozent Funk, null Prozent Langeweile

Der Mann ist 75 Jahre alt, aber der weltbekannte Saxofonist Maceo Parker machte den rund 600 Menschen bei seinem Auftritt auf Burg Nideggen am Samstagabend von Anfang an klar: Alt ist an ihm nichts. Mit grauem Anzug, rotem Hemd, dunkler Sonnenbrille und vor allem einer unglaublichen Freude, einer großen Lust, ein Konzert zu geben, stürmte er die herrlich illuminierte Bühne im Innenhof der historischen Burg und bewies sogleich, dass er sein Instrument meisterhaft beherrscht.

Und auch Parkers Stimme muss sich nicht verstecken. Funkig, groovig, hin und wieder jazzig — Parker hat ein vielfältiges Repertoire, das Konzert mit ihm war keine Minute langweilig — vielleicht, weil er schon mehr als 50 Jahre mit den ganz Großen des Funk, Soul und Jazz unterwegs ist.

„Make it funky“ — dieser Songtitel hätte auch das Motto des Konzerts sein können, und Parker selbst stellte es gleich zu Beginn klar: „Heute Abend gibt es zwei Prozent Jazz und 98 Prozent Funk.“ Den Menschen auf Burg Nideggen hat genau diese Mischung gefallen.

Parker erlernte schon in jungen Jahren das Saxofonspiel. Beeinflusst durch Ray Charles widmete er sich mit seinem Bruder (Schlagzeuger) ganz dem Blues und Soul. Mit 21 wurde er vom legendären James Brown als Altsaxofonist in die Band aufgenommen, um bald auf dem Tenorsaxofon zu brillieren. Nach einigen Jahren trennte Parker sich von Brown, nahm aber auch später noch verschiedene Alben mit ihm auf. 1974 veröffentlichte er sein erstes Studioalbum und tourt seither um die Welt.

Mit durchschnittlich 200 Konzerten im Jahr zählt er immer noch zu den engagiertesten Musikern. Und dass Live-Konzerte genau das sind, was er am liebsten macht, wurde in Nideggen mehr als deutlich. Vom ersten Moment bis zum letzten Stück nach rund zwei Stunden gab er alles, es schien, als lebe er nur für die Bühne, nur für seine Musik. Kein Wunder, dass der Funke zu den Konzertbesuchern von der ersten Minute an übergesprungen war. Sie waren begeistert, auch weil Parker den ein oder anderen frechen Spruch auf Lager hatte. Aber natürlich war es vor allem Parkers Musik, die die Menschen immer wieder zum Staunen brachte.

Dabei besticht Parkers Spiel vor allem durch eine einzigartige Präzision, manchmal fast schon eine Schärfe. Parker kann aber auch gefühlvoll, leise. Er ist ein absoluter Virtuose auf seinem Instrument, technisch absolut perfekt, gleichsam einfühlsam-musikalisch. Und er ist nicht nur ein hervorragender, fast schon möchte man sagen, einzigartiger Solist, er ist vor allem auch ein exzellenter Teamplayer. Er ist der Schlussstein in einem kunstvoll aufgebauten Musik-Puzzle — erst, wenn der Meister spielt, wird die Musik so richtig groovig.

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