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Aachen: Zwei Heroen der Avantgarde im Ludwig Forum

Aachen : Zwei Heroen der Avantgarde im Ludwig Forum

94 ist er im Februar geworden. Keine Frage, dass in dem Alter die Augen nicht mehr so wollen wie früher, und auch ein Stöckchen seine Dienste leisten muss.

Doch der Humor ist diesem liebenswürdigen Herrn aus dem Westerwald nicht abhanden gekommen: Karl Otto Götz, die Aachener Künstlerlegende, 1914 in Burtscheid auf die Welt gekommen. Am Freitag ließ er es sich nicht nehmen, mit seiner Frau Rissa selbst dabei zu sein, wenn die Presse in seiner Heimatstadt eine Ausstellung mit seinen Werken vorab besichtigt.

„Götz trifft Dahmen” heißt die Schau in den oberen Projekträumen des Ludwig Forums, wo der rührige Verein „Mies van der Rohe-Haus Aachen e.V.” 17 große Arbeiten von Götz und seinem künstlerischen Weggefährten Karl Fred Dahmen (1917-1981) präsentiert. Der Verein hat sich auf die Fahnen geschrieben, das Werk von zu Ruhm gelangten Künstlern unserer Region zu pflegen und dereinst möglichst in einem eigenen Museum zu bewahren.

Beide haben dort zweifellos einen Ehrenplatz verdient: Der Aachener Götz und der Stolberger Dahmen - Heroen der deutschen Nachkriegs-Avantgarde, mit die wichtigsten Vertreter der informellen Malerei. Beide besuchten die Aachener Werkkunstschule, beide lehrten sie später an der Akademie, Dahmen in München, Götz in Düsseldorf. Seine weltberühmt gewordenen Schüler wie Gerhard Richter bezeichnen ihn heute stolz als ihr größtes Vorbild.

Amüsiert erinnern sich Götz - der übrigens bis heute hin malt - und Adam C. Oellers, Kustos am Suermondt-Ludwig-Museum und Vorstandsmitglied des „Rohe-Haus”-Vereins, an das Jahr 1949, als Karl Fred Dahmen tatsächlich in Stolberg Karnevalsprinz war und die Aachener Avantgardekünstler die Dekoration im Festsitzungssaal im Picasso-Stil gestalteten. Waren das Zeiten!

Der Kunstfreund kann nun wahre Stilstudien betreiben und diese typischen Spielarten der nichtgeometrischen abstrakten Malerei vergleichen: Dahmens erdig-rohen, gespachtelten und gemörtelten, schrundig-borkigen Bildflächen, inspiriert von der Haldenlandschaft Stolbergs. Und Götz´ sekundenschnell hingewischten, schwungvollen Farbbahnen, die immer leuchtender werden. In der Bonner Villa Hammerschmidt hängen im Übrigen seit 2007 13 Stück davon.

Für das Museum in spe besitzt der Verein bereits von jedem der beiden Künstler ein Werk. Dahmens Sohn Volker hat das Objekt „An die geschundene Kreatur” eigens gestiftet.