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Aachen: Zum letzten Mal mit Marcus Bosch: „Gold und Silber” im Eurogress

Aachen : Zum letzten Mal mit Marcus Bosch: „Gold und Silber” im Eurogress

Die Konzerte waren zwar wieder ein voller Erfolg, dennoch legte sich ein kleiner Wehmutsschleier über die stimmungsvollen Veranstaltungen: Zum letzten Mal ließ Marcus Bosch als Generalmusikdirektor des Aachener Sinfonieorchesters zur Weihnachtszeit „Gold und Silber” im vollbesetzten Eurogress erklingen.

Er selbst hielt sich zurück und beließ es bei allgemeinen Glückwünschen zu den bevorstehenden Feiertagen. Allerdings war er diesmal auch nicht als Moderator gefordert. Denn erstmals wurde das gut zweistündige Programm von einer einzigen zusammenhängenden Geschichte geprägt, die durch klug ausgewählte Musikeinlagen atmosphärisch illustriert wurde.

Sinnvolle Mischung

Schauspiel-Star Dominique Horwitz machte es sich in einem Ohrensessel bequem und rezitierte Charles Dickens bekannte „Weihnachtsgeschichte”, die, im Original als „Weihnachtslied in drei Strophen” bezeichnet, nach einer musikalischen Untermalung geradezu verlangt. In der Darstellung der schroffen Realität, der Träume und schließlich der Wandlung des anfangs hartherzigen Kaufmanns Scrooge wimmelt es von Stimmungsbildern aller Art. Es wird gefroren, getrauert, gefeiert, und am Ende erwärmen sich die Herzen aller Menschen.

Bosch stellte dafür ein Sammelsurium aus sinfonischen Schlüsselwerken zusammen, das auf den ersten Blick geradezu grotesk zusammengewürfelt wirkt, in der Ausführung jedoch treffsicher zu den Episoden der Erzählung passte. Und somit ergab sogar die kuriose Kopplung von Werken wie César Francks Symphonie in d-Moll, Beethovens „Eroica”, Bachs Dritter Orchestersuite, Mozarts Haffner-Symphonie und sogar Tschaikowskys depressivem „Adagio lamentoso” aus der „Pathétique” erstaunlich viel Sinn.

Im zweiten Teil, wenn das Herz des einsamen, versteinerten Mannes zu erweichen beginnt, setzte Bosch auch die Singstimme ein. Und zwar mit zwei Gesängen von Peter Cornelius, die Irina Popova mit reichlichem Tremolo anreicherte, und einem Chor aus Mendelssohns ungewöhnlich wilder Kantate zu Goethes „Erster Walpurgisnacht”. Am Ende feiert Scrooge befreit und mitleidend eine fröhliche Weihnacht, wie man sie sich wünscht, und zwar mit vier bekannten Weihnachtsliedern, zu denen das Publikum zum Mitsingen aufgefordert wurde, sowie dem Halleluja aus Händels „Messias”.

Neben den Weihnachtsliedern bot die einleitende Ouvertüre zu Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel”, ein Lieblingsstück Boschs, die einzige direkte Verbindung zu früheren Konzerten der Traditionsreihe. Das Aachener Orchester vermochte flexibel den stilistischen Wechselbädern der symphonischen Schnipsel zu folgen, der Opernchor und der Sinfonische Chor Aachen erfüllten ihre Aufgaben mit großem Einsatz, Dominique Horwitz las lebendig und einfühlsam, zum Glück ohne jede theatralische Übertreibung. Und Bosch erwies sich erneut als Souverän des großen Apparats und nahm sichtlich bewegt die Ovationen des Publikums entgegen.