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Aachen: Zum Dauerschmunzeln: „Montag morgen” von Otar Iosseliani

Aachen : Zum Dauerschmunzeln: „Montag morgen” von Otar Iosseliani

„Montag morgen” (Frankreich/Italien 2001, Buch und Regie Otar Iosseliani 120 Min.): Ein Mann fährt morgens nicht mehr zu seiner französischen Arbeitsstelle, sondern nach Venedig.

Solche Ausbrüche sind schön, deshalb zeigt sie das Kino oft und gerne. Ein Mann, dessen mittleres Alter eher Spätmittelalter ist, und der für seine Ausgeglichenheit gerne ein Glas Geistreiches in der Hand hält, wird in einer Iosseliani-Geschichte allerdings zu jemand ganz Besonderem.

Denn das Drumherum bereitet das Vergnügen und den Mehrwert beim genießerischen Georgier Otar Iosseliani. In Venedig sitzt Vincent irgendwann mit seinem bald gefundenen Kumpanen Carlo auf einem Dach, säuft (was sonst) und schaut in die falsche Richtung.

Nicht die üblichen touristischen Sehenswürdigkeiten interessieren, die Rückseite, das echte Leben der echten Menschen gefällt und ist ein leichter Genuss. Sehr wenig Worte werden gewechselt, Mimik und Gestik machen alles klar.

„Montag morgen” lässt Zeit zur Kontemplation, man überlegt sich reichlich, wo man denn am nächsten Montagmorgen sein möchte, ob mit Kater oder mit klarem Kopf. Die Reise eines saufenden Narren oder eines närrischen Säufers erweist sich als ebenso reich an Geist wie an Hochprozentigem.

Die Kamera von William Lubtchansky bereitet wie immer ein leichtes Vergnügen, wie dies überhaupt ein Film zum Dauerschmunzeln ist.

Als Vincent am Montag nach seinen Erlebnissen gefragt wird, antwortet er lakonisch wie der Film: „Es war eben eine Reise.” Filmische Genießer verliehen Iosseliani zur Berlinale 2002 den Regiepreis.